Überwältigende Hilfe aus  wirklich sozialem Netz

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Naima Bizimana-Swahibu (links, hier mit ihren Kindern Saidi und Hadja) war von der Hilfsbereitschaft der Meinerzhagener ebenso überwältigt wie die Initiatorin der Spendenaktion Vicky Dombrowski.

Meinerzhagen - Es war der Abend des 28. Mai, als sich das Leben der Familie Bizimana-Swahibu mit einem Schlag änderte. Innerhalb kürzester Zeit verloren die Eltern Naima und Bakari sowie ihre vier Kinder Rehema, Abdallah, Saidi und Hadja ihr Hab und Gut.

Von Frank Zacharias

Ein Fettbrand zerstörte sämtliche Möbel, Kleidungsstücke und weitere persönliche Gegenstände in ihrer Wohnung am Löher Weg. Die Familie stand vor dem Nichts – bis die Meinerzhagenerin Vicky Dombrowski das soziale Netzwerk Facebook am Dienstag zu einem Spendenaufruf nutzte. Dies war der Beginn einer unglaublichen Geschichte über Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft.

Als Naima und Bakari Bizimana-Swahibu vor zwölf Jahren aus dem zentralafrikanischen Burundi flohen, erhofften sie sich eine ruhigere, sichere Zukunft in Deutschland. Und die fanden sie: Unruhen zwischen Tutsi und Hutu sorgten für ein riskantes Leben in Burundi, in Meinerzhagen fand die Familie schnell Anschluss – und Freunde. Zu denen zählt auch Vicky Dombrowski, die für Naima Bizimana-Swahibu mittlerweile aber weitaus mehr ist: „Sie ist meine Schwester“, sagt sie mit Tränen des Dankes in den Augen. Denn: In den vergangenen Tagen, als die Familie sprichwörtlich vor den Trümmern ihrer Existenz stand, hat Vicky Dombrowski geholfen. Und nicht nur sie.

„Ich kenne die Familie schon lange. Sie ist so nett und freundlich, dass es mir unendlich leid tat, als ich von ihrem Schicksal nach dem Brand hörte“, erinnert sie sich an die Initialzündung zum Aufruf über Facebook. Als Plattform diente ihr dort die Gruppe „Du bist Meinerzhagener, wenn...“, in der bis gestern 1633 Mitglieder gemeldet waren. Am Dienstagnachmittag schrieb Dombrowski dort: „Wenn man sagen kann, dass es den falschen getroffen hat, dann ist dies hier der Fall. Es fehlt an allem: Decken, Anziehsachen, Möbel, Spielzeug,etc.pp. (...) Lasst uns gemeinsam helfen.“

Ein Aufruf, der nicht folgenlos blieb: Dieser und zwei weitere Einträge zum Schicksal der Familie Bizimana-Swahibu wurden auf Facebook 117-mal „geteilt“, erhielten insgesamt 44 Kommentare anderer Nutzer, die mit Sachspenden helfen wollten. Noch weitaus intensiver war aber die Resonanz abseits des öffentlichen Raumes. „Ich habe allein 600 Mails erhalten, dazu unzählige Anrufe. Das hat mich überwältigt“, berichtet Vicky Dombrowski von den vergangenen Tagen.

Die Hilfsbereitschaft der Meinerzhagener war nicht zu stoppen: In nur zwei Tagen (!) kam ein kompletter Hausstand zusammen. Einzelspender, Firmen, und Organisationen meldeten sich bei Dombrowski, um Küchenschränke, Elektrogeräte, Fußbodenbeläge, Betten und mehr anzubieten. Zuletzt half etwa Facebook-Nutzer Christian Schön mit einem Transporter bei der Abholung eines Kühl- sowie eines Gefrierschrankes aus. „Wir kennen uns erst seit wenigen Stunden persönlich“, sagten beide am Donnerstag, als Schön kurzentschlossen sein Fahrzeug zur Verfügung stellte.

Mit all diesen Sachspenden kann sich die Familie Bizimana-Swahibu nun – nur eine Etage über ihrer ausgebrannten Wohnung – eine neue Existenz am Löher Weg aufbauen. Umso dankbarer sind Naima Bizimana-Swahibu und ihre Familie nun allen Helfern, die ihnen in der größten Not beigestanden haben. Und Vicky Dombrowski schließt sich an: „Viele Nachbarn – ob aus dem Haus oder aus der näheren Umgebung – kommen vorbei, bringen Sachen, oder mobilisieren Bekannte, um zu helfen. Einige bringen gekochte Mahlzeiten vorbei, damit die Familie etwas zu essen bekommt. Ich finde es unglaublich, wie hilfsbereit die Menschen sind, und möchte mich gerne ganz herzlich bei ihnen bedanken!“

Die Aktion zeigte eindrucksvoll, dass soziale Netzwerke ihrem Namen alle Ehre machen können. „Und eines haben wir sogar Frau Merkel bewiesen“, so Dombrowski, „zumindest für uns Meinerzhagener ist das Internet kein Neuland.“

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes war vom 28. Juni als Datum des Brandes die Rede. Richtig ist der 28. Mai.

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