Nur wenige Flächen für Windkraftnutzung

Diese Karte zeigt die Flächen im Stadtgebiet, in denen Siedlungsbereiche wegen Lärm, Schattenwurf und bedrängender Wirkung nicht für Windkraftanlagen in Frage kommen. Weitere Tabuzonen kommen aus anderen Gründen noch hinzu. ▪ Grafik: Stadt Meinerzhagen

MEINERZHAGEN ▪ Die Nutzung der Windenergie im Stadtgebiet von Meinerzhagen beschäftigte am Dienstag den städtischen Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt. Vorgestellt wurde das vorläufige Untersuchungsergebnis zur Ermittlung von Ausschussflächen und von potenziell für die Windenergienutzung geeigneten Flächen.

Das, was dazu der zuständige Sachbearbeiter Achim Neubert vorstellte, sorgte im Ausschuss für einigermaßenes Erstaunen. Aufgrund neuer Anforderungen und Vorgaben gibt es nämlich im weitläufigen Stadtgebiet überwiegend Tabuflächen. Zur Nutzung geeignet verbleiben nur wenige kleinere Restflächen vornehmlich in Waldgebieten. Diese machen in der Summe eine Fläche von deutlich unter fünf Prozent der Gesamtfläche aus.

Nordrhein-Westfalen will in den nächsten Jahren deutlich mehr Strom aus Windenergie gewinnen. Bis 2020 solle deren Anteil an der Stromerzeugung von derzeit vier auf 15 Prozent steigen, kündigte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) vergangene Woche an. Unterstützung bekommt der Minister von einer Studie des Landesumweltamtes. Sie sieht im bevölkerungsreichsten Bundesland großes Potenzial für die Nutzung der Windenergie.

Demnach könnten bei voller Ausschöpfung der Möglichkeiten theoretisch 71 Terawattstunden Strom pro Jahr aus Wind erzeugt werden. Das ist doppelt so viel wie der aktuelle Stromverbrauch der NRW-Haushalte. Von diesem Windkraft-Potenzial will NRW bis 2020 rund 21 Terawattstunden und damit etwa vier mal so viel wie heute nutzen. Dazu soll die Zahl der Windkraftanlagen von jetzt 2 900 aber höchstens verdoppelt werden. Bei einer durchgehenden Modernisierung der bestehenden Anlagen käme man sogar mit der bestehenden Zahl aus, rechnete Remmel vor.

Meinerzhagen dürfte nach den jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen indes kaum einen nennenswerten Beitrag zur Steigerung der Windenergiekraftnutzung beitragen können. Aktuell gibt es im Stadtgebiet zwei ausgewiesene Vorrangflächen bei Eseloh und Mittelhagen. Im Stadtgebiet in Betrieb befinden sich zurzeit vier Windenergieanlagen.

Ausschussvorsitzender Rolf Puschkarsky (SPD) sprach von einem „verblüffenden Ergebnis“ der von der Verwaltung dazu bislang durchgeführten Untersuchungen. Bei der Planung, die jetzt noch detailliert durch ein Fachgutachten untermauert werden soll, wurden die aktuellen Kriterien für sogenannte Tabubereiche berücksichtigt, in denen aus den unterschiedlichsten Gründen keine Windenergienutzung statthaft ist. Teilweise überlappen sich im Stadtgebiet von Meinerzhagen diese Ausschluss-Kriterien, wie zum Beispiel Immissionsschutzbereiche rund um Wohn- und Gewerbegebiete oder aber auch geschützte Natur- und Landschaftsflächen.

So gelten zum Beispiel Immissionschutzbereiche in punkto Lärm und Schattenwurf von 450 Metern Abstand zu Wohnnutzungen im Außenbereich und zu Gewerbegebieten, in denen auch eine Wohnnutzung stattfindet sowie von 750 Metern zu Wohnnutzungen im Innenbereich. Als Schutzbereich aufgrund der optisch bedrängenden Wirkung von Windenergieanlagen gelten 450 Meter zur nächsten Wohnnutzung.

Für die relativ kleinen Flächen, die für eine Windenergienutzung noch theoretisch verbleiben, soll jetzt ein Fachbüro weitere konkrete Prüfschritte vornehmen. Es wird danach Aufgabe der Beschlussgremien der Stadt sein, darüber zu entscheiden, welche Flächen tatsächlich als Vorrangflächen in Frage kommen und als solche ausgewiesen werden können. Diese müssten mindestens drei Hektar groß sein und die Aufstellung von mindestens drei Anlagen ermöglichen.

Wir werden über den Fortgang dieser Prüfung und Entscheidung berichten. ▪ -fe

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