Waschbären-Begegnung in der Grünenbecke

Ein Neubürger mit Terriergebiss

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Der ausgewachsene Waschbär hatte es sich im Vogelhäuschen auf dem Grundstück in der Grünenbecke bequem gemacht.

Meinerzhagen – „Das Tier war auf Angriff gepolt. Es zeigte kein Fluchtverhalten und es hatte ein Terriergebiss.“ Eine Meinerzhagenerin schilderte diese Eindrücke nach einer Begegnung mit einem Vierbeiner, der zwar possierlich aussieht, aber durchaus unter den Begriff „wehrhaftes Wild“ fällt.

Der Waschbär, den die Meinerzhagenerin am Wochenende entdeckte, kam in zwei Nächten hintereinander auf ihr Grundstück. Das Tier habe auch auf Vergrämungsversuche nicht reagiert, schildert die Volmestädterin. Sie habe es mit einer Taschenlampe angeleuchtet, sich groß gemacht und laute Geräusche produziert – alles vergeblich. Der Waschbär blieb so lange, wie es ihm gefiel. Als Hochsitz hatte er sich das Vogelhäuschen auf dem Grundstück der Frau in der Grünenbecke auserkoren.

"Bärchen" werden bejagt

So niedlich die „Bärchen“ auch sind – sie werden bejagt. Wie Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, berichtet, sind vom 1. April 2019 bis zum 31. März 2020 im MK 102 Tier getötet worden. 95 davon durch Abschuss, vier bei Unfällen und drei in Fallen. 2018/2019 waren es im selben Zeitraum nur 55 Waschbären, die durch Jäger, Autos oder Fallen ihr Leben verloren. Ganz klar: Der Waschbär ist auch in heimischen Wäldern auf dem Vormarsch – und das seit vielen Jahren.

Eigentlich stammt die Spezies Waschbär aus Nord- und Mittelamerika. Laut Nabu setzte man 1934 aus jagdlichen Gründen am hessischen Edersee zwei Paare aus. „Gut zehn Jahre später schafften es weitere Individuen, aus einer Pelztierfarm im Kreis Strausberg, östlich von Berlin, zu entkommen. Rückblickend steht fest, dass beide Populationen den Grundstock des heutigen deutschen Bestandes bilden“, erläutert der Nabu. In Nordrhein-Westfalen lassen sich Waschbären laut Nabu besonders im östlichen Landesteil nachweisen. Ab Mitte der 1990er-Jahre habe es eine massive Bestandszunahme gegeben. So hat sich die Zahl der geschossenen Waschbären von 1992 bis 2002 auf das 16-fache erhöht. „2017/2018 betrug die Jagdstrecke in Deutschland bereits 17 201 Tiere“, bilanziert der Naturschutzbund Deutschland.

Zurück nach Meinerzhagen: In ernsthafte Gefahr hat sich die Hausbesitzerin in der Grünenbecke bei ihrer Begegnung mit dem Waschbären wohl nicht begeben. Markus Gumpricht vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland des Landebetriebes Wald und Holz.NRW warnt trotzdem davor, Waschbären zu nahe zu kommen: „In die Enge getrieben, könnten sie zubeißen. Ganz klar, die Tiere sind wehrhaft. Und so possierlich sie auch aussehen, Waschbären sind Beutegreifer.“ 

Jungwild wird ganzjährig geschossen

Die Jagdzeit auf Waschbären hat übrigens vor einigen Wochen wieder begonnen. Laut Hendrik Klein dürfen die Tiere zwischen dem 1. August und dem 28. Februar erlegt werden. Das Jungwild kann sogar ganzjährig geschossen werden. Auch der Pressesprecher des Kreises bestätigt, dass die Population größer wird und sich Waschbären kontinuierlich ausbreiten. „So putzig sie sind, sie können durchaus lästig werden und sich beispielsweise auf Dachböden einquartieren“, berichtet er. Markus Gumpricht weiß ebenfalls, dass die Tiere sogenannte Kulturfolger sind: „Die Nähe zum Menschen kommt ihnen entgegen. So suchen sie manchmal auch im Müll nach Nahrung.“

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