Masern-Ausbruch: Weitere Details bekannt

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Meinerzhagen - Ende Januar vermeldete der Märkische Kreis einen dramatischen Anstieg von Masern-Erkrankungen in Meinerzhagen. Jetzt gibt es neue Details, wie es zu der hohen Fallzahl gekommen ist.

31 Masernfälle gab es Ende Januar im Märkischen Kreis – allein 29 davon in Meinerzhagen, die zwei übrigen in Kierspe. Die Vermutung, dass sich das Virus aufgrund einer Veranstaltung an der Volme rasant ausgebreitet hat, lag zwar nahe, wurde offiziell aber nicht bestätigt. Nun haben Erkrankungen im benachbarten Oberbergischen Kreis jedoch weitere Anhaltspunkte geliefert. 

Wie die Oberbergische Volkszeitung berichtet, sind im Nachbarkreis zuletzt zehn Masernfälle bekanntgeworden. Für das Kreisgesundheitsamt in Gummersbach steht fest, dass alle zehn Erkrankungen auf eine Gemeinschaftsveranstaltung im Märkischen Kreis zurückzuführen sind. MZ-Recherchen ergaben jetzt, dass es sich bei dieser Veranstaltung offenbar um den Weihnachtsgottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde in Meinerzhagen handelte, bei dem viele nichtgeimpfte und bislang nicht an Masern erkrankte Personen zusammenkamen.

Kreis geht von hoher Dunkelziffer aus 

Ursula Erkens, Sprecherin des Märkischen Kreises, bestätigte diese Informationen gestern und betonte, dass sich das Kreisgesundheitsamt auf „schwierigem Terrain“ befinde, denn: „Es gibt in Deutschland weder die Pflicht, sich oder sein Kind impfen zu lassen, noch, einen Arzt aufzusuchen.“ Um welche Gemeinde es sich genau handelt, wollte der Kreis nicht sagen. 

Nach ersten Erkenntnissen wolle aber offenbar nicht jeder Masern-Patient medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. „Erst durch eine Diagnose eines Arztes werden die Masern meldepflichtig“, sagt Erkens. Mittlerweile sei die Zahl der Fälle offiziell also zwar „nur“ auf 35 angestiegen, „aber wir müssen davon ausgehen, dass es weitaus mehr Erkrankungen gibt“.

Kindergärten oder Schulen waren von der Masern-Welle – Stand gestern – noch nicht betroffen, „aber erst dann könnte das Kreisgesundheitsamt eingreifen, zum Beispiel nicht geimpften Kindern den Besuch der Gebäude verwehren“, erklärt Ursula Erkens. 

„Dauer und Schwere nicht absehbar“

Das Virus kann sich also wie durch einen Schneeballeffekt weiter ausbreiten. Die Leiterin des Gesundheitsamtes im Oberbergischen Kreis Kaija Elvermann spricht gegenüber der Oberbergischen Volkszeitung von einem Masern-Ausbruch, „dessen Dauer und Schwere nicht abzusehen sind“. 

In allen Landkreisen rund um Oberberg seien die Masern inzwischen aufgetreten, „sie sind hoch ansteckend“. Die Infektionsquote bei Kontakt mit einem Erkrankten liege bei 90 bis 100 Prozent. Wie ihre Kollegen in Gummersbach, sind auch die Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes in Lüdenscheid darum bemüht, alle Kontaktpersonen der Erkrankten ausfindig zu machen. Allein in Oberberg gehe die Zahl schon jetzt in die Hunderte, heißt es von der dortigen Behörde. 

Gefragt wird nach dem Impfschutz, möglichen Symptomen und ob die Betroffenen bereits früher an Masern erkrankt waren, sie also immun dagegen sind. Gleichzeitig wird dafür geworben, sich impfen zu lassen.

Erst Anruf, dann Arztbesuch „Wer befürchtet, an Masern erkrankt zu sein, sollte vor seinem Arztbesuch in der Praxis anrufen“, sagt Dr. Holger Reimann, Sprecher der Ärzte in Meinerzhagen. Die Mediziner sollen so die Gelegenheit haben, die Masern-Patienten von anderen Patienten zu trennen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu vermeiden.

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