Subversiver Humor und Jazz zur Weihnachtszeit

Heimspiel für WDR-Moderator Matthias Bongard beim „X-mas poetry“ in der Stadthalle Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Mit „X-mas poetry meets X-mas jazz” gewährten WDR-Moderator Matthias Bongard und die drei Jazzmusiker an seiner Seite den rund 300 Besuchern am Freitagabend auf Einladung des KuK-Vereins eine Einstimmung auf das Weihnachtsfest, die durch schrägen, subversiven Humor in Kombination mit feinstem “X-mas jazz” bestimmt war.

Bongard trug Gedichte und Texte vor, die die Zuhörer manches Mal laut auflachen ließen und einen erfrischenden Kontrast zu dem Zuviel an adventlichem Schwulst boten, der diese Zeit oft bestimmt und den hohen Ansprüchen an das „Fest der Liebe” geschuldet ist. So zitierte er etwa Peter Ustinov, der einmal sagte: „Geschenke sind die einzige Form von Rache, die kultivierten Menschen noch bleibt” und begrüßte die Gäste zum „Weihnachtsgedöns” mit „unheiligen Texten” ausgewählter Autoren.

„Ich habe mich selten auf einer Bühne so heimisch gefühlt”, kommentierte der aus Meinerzhagen stammende Moderator den herzlichen Empfang, der ihm in der Stadthalle geboten wurde. Dann zauberte er mit einigen Utensilien – einer aufblasbaren Gummitanne, elektrisch glimmenden Kerzen und einer hübsch-hässlichen Tischdecke – weihnachtliches Flair auf die Bühne und legte los.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, hat Heiligabend übrigens noch einmal die Chance, sich über skurrile, satirische, amüsante Texte und Weisheiten wie „Engel, die durchs Zimmer fliegen, kannst du mit Fliegenklatschen kriegen” (Buchtitel des Autors Dietmar Bittrich) zu amüsieren. Die Veranstaltung wurde am Freitag von der Radiowelle WDR 5 aufgezeichnet und wird Heiligabend ab 22.05 Uhr im Hörfunkprogramm ausgestrahlt.

Eingerahmt wurden die literarischen Appetithappen durch bekannte Weihnachtslieder, die jedoch in völlig neuem Gewand, als mitreißende Jazz-Arrangements, daherkamen und eigens für diese Veranstaltung einstudiert wurden. Oft waren die ursprünglichen Lieder nur bei genauem Hinhören zu erkennen. Die ausgezeichneten Musiker Dieter Greifenberg (Piano), Konstantin Wienstroer (Bass) und Peter Baumgärtner (Schlagzeug) wussten ihr Publikum zu begeistern: Die swingenden Rhythmen erfassten die Zuhörer unmittelbar, kaum eine Fußspitze, die nicht in Bewegung war. Begeisterte Ausrufe und kräftiger Applaus waren der verdiente Lohn für diesen musikalischen Hochgenuss.

Matthias Bongard präsentierte den Zuhörern literarische Appetithappen der Autoren Frank Goosen, Fritz Eckenga, Kai Magnus Sting, Wiglaf Droste oder des Poetry Slammers Torsten Sträter, der mit seinem neuen Buch „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben” auch schon in der von Bongard moderierten „WestArt” im WDR-Fernsehen zu Gast war und bereits zum NRW-Meister im Poetry-Slam gekürt wurde. Seine Darstellung des ganz normalen Weihnachtswahnsinns sorgte für große Begeisterung.

Gleiches galt für das Gedicht des Komikers und Autors Ingo Insterburg „Sind Tannennadeln trocken, fallen sie vom Baum herab. Oh Mädchen, lasst euch locken, auch eure Zeit ist knapp”, das seinem Buch „Raucher- und Trinkerlyrik” entnommen ist. Nicht zuletzt die kurzen Auszüge aus „Ey du fröhliche: Weihnachtsgeschichten aus dem Ruhrgebiet” trafen bei den Zuhörern ins Schwarze.

Hier waren unter anderem die Sorgen eines gestressten Weihnachtsmanns in Tagebuchform zu Papier gebracht. „Seit drei Tagen pausenlos im Einsatz”, schickt er einen Stoßseufzer zum Himmel. „14 Uhr: Repariere meinen Bart und entferne einige Flecken aus dem Mantel. Vielleicht gehe ich doch noch ins Lehramt. Dann kann ich mich an den Blagen rächen.” Auch der Abend verspricht nichts Gutes für den Mann mit dem angeklebten Bart: 19 Uhr, Besuch beim Damenkegelklub 50 Plus. „Hoffe dass ich ohne Knutschfleck wieder rauskomme.” Nach einem opulenten mehr als zweistündigen Programm voller Wortwitz und Jazz vom Feinsten gewährten der Moderator und die Musiker gerne die vom Publikum eingeforderte Zugabe.

Petra Schüller

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