Fitnesscenter leidet unter Lockdown

Trainer im Homeoffice

Axel Müller ist Chef des Fitnesscenters World Fit
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Hält sich auch in Zeiten des Lockdowns ganz allein fit für eine bessere Zukunft: World-Fit-Chef Axel Müller.

Meinerzhagen – „Wir sind ein Teil der Lösung und nicht das Problem.“ Axel Müller ist überzeugt, dass die Fitnesscenter auf keinen Fall zu Hotspots in der Corona-Pandemie werden, wenn sie denn wieder öffnen dürften. 

Der Betreiber von „World Fit“ an der Oststraße 11 glaubt sogar, dass Fitnesscenter dazu beitragen könnten, die Bevölkerung gesund zu halten: „Es ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen während des Trainings Immunstoffe ausschütten.“

Es hat auch Kündigungen gegeben

Axel Müller sitzt derzeit im Homeoffice, seinem Beruf als Trainer kann er dort natürlich nicht nachgehen. „Ich telefoniere – und einige Kunden habe ich auch schon überzeugen können, nicht zu kündigen. Aber natürlich: Kündigungen hat es schon gegeben, auch wenn wir keine Beiträge mehr kassieren“, berichtet er von der augenblicklich mehr als unbefriedigenden Situation.

Geschlossen am 1. November 2020

Am 1. November 2020 schloss der Trainer seinen Betrieb nach Feierabend ab – seitdem geht in dem Center nichts mehr. Niemand nutzt die teuren Geräte, und das ist nicht nur für Axel Müller ein riesiges Problem. Auch Kunden leiden. Müller berichtet von einem Telefongespräch, das ihm nicht mehr aus dem Kopf geht: „Eine Frau im Alter von mehr als 80 Jahren hat mir gesagt, dass sie alle Kraft verliere, wenn sie nicht mehr zu uns kommen darf. Gerade für sie ist es wichtig, weiter zu trainieren, damit sie mobil bleibt. Eine Katastrophe.“ Müller führte ein weiteres Telefongespräch mit seinem ältesten Kunden. „Der ist 94 und auch er leidet extrem. Das alles kann doch einfach nicht sein“, ist der Fitnesscenter-Betreiber verzweifelt.

Ans Aufgeben denkt Axel Müller nicht

Zu den Sorgen um Kunden, die das Training dringend brauchen, kommen dann noch eigene Probleme: „Natürlich habe ich Schäden zu beklagen. Die Herbstsaison 2020 war verloren. Und was noch schlimmer ist: Auch die Hauptsaison nach dem Jahreswechsel fiel aus. Pro Saison rechne ich im Schnitt eigentlich mit etwa 100 Neukunden. Was das für mich bedeutet, kann sich jeder vorstellen.“ Ans Aufgeben denkt Axel Müller allerdings nicht. Bislang kam er einigermaßen über die Runden. „Ich habe zu essen. Unterstützung vom Staat habe ich bekommen, aber das alles ist ein großes Tohuwabohu“, meint Müller auch hinsichtlich des bürokratischen Aufwandes. Das alles zehrt an seinen Kräften. „Ich fühle mich das erste Mal seit vielen Jahrzehnten als Selbstständiger hilflos, ich bin fremdbestimmt und wütend.“

Das ist alles einfach tragisch

Dass es sehr bald bergauf geht, mag Axel Müller angesichts der steigenden Infektionszahlen und hoher Inzidenzwerte – gerade im Märkischen Kreis – nicht glauben. „Eigentlich habe ich keine Hoffnung, dass der Lockdown rasch entschärft wird. Das alles ist einfach tragisch. Und dabei habe ich weiter investiert und die Hygienestationen im Fitnesscenter ausgebaut“, beschreibt der Trainer, was zurzeit in ihm vorgeht.

Soziale Kontakte sind von großer Bedeutung

Genau beobachtet Axel Müller, wie sich die Lage entwickelt. Natürlich hat auch er mitbekommen, dass Schulen zunächst im Wechselunterricht wieder geöffnet und dann erneut geschlossen wurden. „Ich bin vierfacher Vater und habe Enkelkinder. Deshalb ist das auch bei uns ein Thema. Aber wenn es wieder geht, finde ich es schon wichtig, dass Kinder zur Schule gehen. Soziale Kontakte sind von großer Bedeutung und die Kinder sind angesichts des Lockdowns wirklich nicht gut drauf.“

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