Flachlandwölfe sind nicht an Berge gewöhnt

Das Sauerland scheint ein weißer Fleck in Sachen Wölfe zu sein

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Wölfe sind laut Winfried Hardes wahre Meister im Energiesparen. Aus diesem Grund, so wird von manchen Experten vermutet, nutzen sie bei ihren Wanderungen die Pflegepfade entlang der Autobahnen, die frei von Hindernissen sind.

Meinerzhagen - Wölfe in Nordrhein-Westfalen? Vor nicht allzu langer Zeit wäre das noch in den Bereich der Fabeln verwiesen worden. Inzwischen häufen sich die Belege für das Vorhandensein von Meister Isegrimm im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands.

Bereits am 24. Mai 2017 belegte ein Handyvideo, dass auch im benachbarten Oberbergischen Kreis ein Wolf in der Ortschaft Apfelbaum im nordwestlichen Gummersbacher Stadtgebiet unterwegs war. Am 6. November 2018 folgte die letzte Bestätigung, diesmal im weiter entfernten Hünxe. Die bereits einmal registrierte Wölfin mit der Kennung GW954f hatte sich dort durch Speichelproben an einem gerissenen Schaf zu erkennen gegeben.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat inzwischen eine Karte veröffentlicht, in der alle offiziellen Wolfssichtungen in NRW vermerkt sind. Was dabei auffällt: Scheinbar ist das Sauerland ein weißer Fleck in Sachen Wölfe. Lediglich in Brilon gab es am 25. Februar 2017 eine bestätigte Sichtung – und das war’s dann auch schon. Die Situation scheint absurd: Während bei Großstädten wie Bottrop, Duisburg und Wesel Fotofallen und gerissene Nutztiere von Wolfs-Aktivitäten zeugen, heißt es im waldreichen Sauerland bisher weitgehend „Fehlanzeige“. 

Wahre Meister im Energiesparen

Die Gründe dafür? Wolfsberater Winfried Hardes vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW kann da nur spekulieren. Verbreitet ist allerdings diese Theorie: „Bei den Tieren in NRW handelt es sich um Exemplare aus Osteuropa beziehungsweise Ostdeutschland. Das sind Flachlandwölfe.“ 

Flachlandwölfe? Hardes erklärt: „Sie sind nicht an Berge gewöhnt. Das deckt sich mit der Tatsache, dass auch der bergige Harz bisher kein Wolfsgebiet ist. Außerdem ist der Wolf ein wahrer Meister im Energiesparen. So ein Tier läuft 40 Kilometer am Tag, auf Wanderschaft sogar 75 Kilometer. Da ist es natürlich effizienter, wenn es beispielsweise die Pflegepfade benutze, die an Autobahnen entlang führen. Auf diesen Wegen stoßen die Wölfe kaum auf Hindernisse.“ 

Dass Wölfe das Sauerland und speziell auch die Waldwege entlang der A 45 auf ihrem Weg weiter nach Westen als Transitstrecken nutzen, kann (noch) niemand beweisen. Es ist allerdings zumindest nicht unwahrscheinlich. Aber der konkrete Nachweis ist eben schwierig. Hardes: „Wir suchen nicht gezielt nach Wölfen. Wenn er da ist, werden wir das schon merken. 

Aber Wölfe nehmen den Menschen nicht als Konkurrenz wahr. Und sie haben kein Interesse, Menschen zu begegnen. Sollte ein Spaziergänger allerdings einmal eine entsprechende Sichtung machen, bitten wir um Hinweise an die Wolfsberater.“

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