Wirtschaftsminister Duin zu Gast im Rathaus

Wirtschaftsminister Garrelt Duin bezeichnete Südwestfalen als „industrielles Herz von NRW.“

meinerzhagen -  „Südwestfalen ist zum industriellen Herz von Nordrhein-Westfalen geworden“, attestierte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin den Teilnehmern eines regionalen Wirtschaftsgesprächs im Meinerzhagener Rathaus.

Von Horst vom Hofe

Der 45-jährige SPD-Politiker aus Leer in Ostfriesland, erst seit dem 21. Juni vergangenen Jahres für die Ressorts Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk im rot-grünen Landeskabinett zuständig, hat die Sommerpause genutzt, um sich in zahlreichen Besuchen und Gesprächen vertraut zu machen mit Land und Leuten in dieser landschaftlich so reizvollen und industriell so erfolgreichen Landschaft, von der er sich nachhaltig beeindruckt zeigt.

Auch am Donnerstag hielt er sich den ganzen Tag über wieder in dieser Region auf, besuchte unter anderem Unternehmen in Lüdenscheid und Kierspe (wir berichteten). Im Meinerzhagener Rathaus endete dann ein ereignisreicher Tag mit einer Fachveranstaltung, zu der der Lüdenscheider SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas rund 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Arbeitnehmerschaft und Gewerkschaft eingeladen hatte. Leider, so musste Dudas erkennen, war die Terminwahl noch in den Ferien offenbar wenig glücklich, denn es gab überwiegend Absagen, so dass am Ende nur ein überschaubar kleiner Teilnehmerkreis von rund 30 Personen übrig blieb. Dass es gleichwohl zu einer inhaltlich hochkarätigen Diskussionsrunde kam, war sowohl dem Thema als auch insbesondere dem hier sehr engagiert und kompetent auftretenden prominenten Gast aus Düsseldorf zu danken.

Wirtschaftsminister Duin hatte in seinem rund vierzigminütigen Eingangsstatement sehr anschaulich dargelegt, welche Rahmenbedingungen verantwortlich betriebene Politik schaffen muss, damit Unternehmen erfolgreich agieren können. Ein sehr wesentlicher Punkt aus seiner Sicht: Die Energiefrage! Und hier gab es dann auch einen handfesten und aktuellen lokalen Bezugspunkt: Alfred Kreikebaum, Betriebsratsvorsitzender des größten Industrieunternehmens der Region, den Metallwerken Otto Fuchs, der in Begleitung von drei weiteren Betriebsratsvertretern zu der Veranstaltung gekommen war, nutzte die Gelegenheit, um den Wirtschaftsminister auf den sich immer mehr zum Standorthemmnis entwickelnden Faktor „Energiepreisentwicklung“ aufmerksam zu machen.

Bei Otto Fuchs stehen Gesellschafter und Unternehmensleitung derzeit vor einer schwerwiegenden Investitionsentscheidung in „dreistelliger Millionenhöhe“: Eine 50 000 Tonen Schmiedepresse soll den weltweit agierenden Hersteller von Komponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie für die Zukunft noch besser am Weltmarkt positionieren. Es wäre die in Europa dann größte Schmiedepresse, so sie denn in Meinerzhagen am Unternehmensstandort aufgestellt wird. Wenn da nicht die derzeit wenig verlässlich wirkenden politischen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem Atomausstieg und der von der schwarz-gelben Bundesregierung propagierten Energiewende wären. „Es könnte nämlich passieren, dass aus diesen Gründen die Entscheidung gegen Meinerzhagen und für die USA und das dortige Fuchs-Tochterunternehmen fällt, weil dort deutlich niedrigere Energiepreise gelten“, zeigte der Fuchs-Betriebsratsvorsitzender die Problematik auf und bat den Minister um „Argumente für den Standort Meinerzhagen“.

„Genau ein solcher Fall verdeutlicht das ganze Drama um die derzeit ungeklärte Energiepolitik in Deutschland“, erwiderte Garrelt Duin. Energieintensive deutsche Unternehmen würden durch die derzeitige Situation regelrecht aus dem Land getrieben. NRW werde sich als größter Energieproduzent und auch größter Energieverbraucher in Berlin dafür stark machen, dass es hier baldmöglichst zu klaren und verlässlichen Regelungen komme. „Schleunigst nach der Wahl muss es dazu notfalls ein Konklave gegeben, das nicht eher endet, bis eine tragfähige und für Deutschland im globalen Wettbewerb auch verträglichen Regelung gefunden ist, so Duin. Dabei sei es klare Vorgabe aus NRW: „Energieintensive Unternehmen dürfen nicht über Gebühr belastet werden, müssen am Standort Deutschland konkurrenzfähig bleiben“. Das, was dazu bislang der zuständige Bundesumweltminister Peter Altmaier zustande gebracht habe, reiche bei Weitem nicht aus, schaffe im Gegenteil mehr Probleme.

„Champions ohne Spitzenspieler – Perspektiven für Südwestfalen als NRW-Industriestandort“ lautete am Donnerstag die Themenstellung des Forums im Meinerzhagener Rathaus, an dem unter anderem auch die heimische SPD-Bundestagabgeordnete Petra Crone teilnahm. Minister Duin bezeichnete die hier in der Region besonders dominierenden klein- und mittelständischen, meist familiengeführten Unternehmen als die „verlässliche und erfolgreiche industrielle Basis“ von NRW. Dass in Südwestfalen über 100 Weltmarktführer ihren Sitz haben, spreche für die hohe Innovationskraft solcher Firmen. Diese seien aber ebenso angewiesen auf tüchtige und gut ausgebildete Mitarbeiter. Hierfür gelte es, mit Investitionen in Bildung und Ausbildung seitens der Landespolitik weiter die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Petra Crone nannte in diesem Zusammenhang auch einen weiteren wichtigen Aspekt aus ihrer Sicht: „Es muss ein fairer Lohn für gute Arbeit gezahlt werden“. In diese Kerbe schlug als Diskussionsteilnehmer auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Bernd Schildknecht. „Das Lohnniveau in einem Unternehmen ist auch ein wichtiger Faktor für die Gewinnung guter Mitarbeiter. Die Tarifbindung sollte in diesem Zusammenhang ein Markenzeichen für ein gut geführtes Unternehmen sein.“

Gordan Dudas kündigte an, dass es zu einem dann besser gewählten Termin im kommenden Jahr nach dieser als Auftakt zu verstehenden Runde ein weiteres südwestfälisches Wirtschaftsforum geben werde. Der Wirtschaftsminister habe seine neuerliche Teilnahme dazu schon zugesagt.

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