Mit der Wirtschaft geht es bergauf

Auch beim Eigenheimbau, der zuletzt in Meinerzhagen daniederlag, geht es wieder aufwärts.

MEINERZHAGEN ▪ „Es geht aufwärts mit der Wirtschaft in Deutschland.“

„Und das Handwerk in Südwestfalen ist ein starker Motor in der Region“, sagt Meinolf Niemand, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen bei der Vorstellung der Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich 487 Betriebe beteiligten. „Der Aufschwung hat sich seit dem Frühjahr deutlich verfestigt. Im Jahresvergleich verbesserte sich der Konjunkturindex um rund acht Punkte. Noch ausgeprägter ist der Wandel bei der erwarteten Entwicklung des Geschäftsverlaufs. Dort liegt der aktuelle Wert rund 15 Punkte höher als vor zwölf Monaten.“ Mathematisch auf einen Normalwert von 100 Punkten bezogen, liegt das Handwerk mit jetzt 106,5 Punkten erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder im Positiven Bereich.

Verantwortlich dafür sind vor allem die Berufe der Gruppe Bau, und hier insbesondere der Straßenbau, zum anderen sind aber auch exportbedingte konjunkturelle Impulse festzustellen, die bei den Zulieferbetrieben des Handwerks positiv zu Buche schlugen. Dies hat dazu geführt, dass die durchschnittlichen Auftragsreichweiten gestiegen und auch die betrieblichen Kapazitäten stärker ausgelastet sind. Entsprechend haben die Handwerksbetriebe ihren Personalbestand leicht aufgestockt. Eine wirkliche Trendwende im Beschäftigungssektor hat allerdings bislang noch nicht stattgefunden. „Durch die Kurzarbeitsregelung konnten die Betriebe Personal trotz des konjunkturellen Einbruchs halten. Auch dadurch erklärt sich, dass die Unternehmen „aus dem Stand heraus“ nun die gestiegene Zahl von Aufträgen mit bewährtem Personal erledigen können.“ Nach wie vor seien aber im verarbeitenden Gewerbe in vielen Betrieben die Produktionskapazitäten noch nicht wieder voll ausgelastet. Ausdrücklich begrüßt Meinolf Niemand daher die kürzlich beschlossene Verlängerung der Kurzarbeitsregelung, da sie den Betrieben in weiterhin schwierigem Umfeld ein Mehr an Sicherheit biete.

Mit in das aktuelle Umfrageergebnis eingeflossen sind in den Bereichen Bau und Ausbau auch die noch nachhallenden Effekte aus den Konjunkturprogrammen. Eine deutliche Verunsicherung der Verbraucher folge allerdings aus der Tatsache, dass KfW-Fördermittel zur energetischen Sanierung von Gebäuden vor wenigen Wochen eingefroren wurden. „Dies ist aus der Sicht des Handwerks ein falsches Signal an die privaten Auftraggeber einerseits und ein falscher Weg hinsichtlich der Notwendigkeit, die gesteckten energiepolitischen Ziele zur CO2-Einsparung zu erreichen.“ Hier sieht das Handwerk deutlichen Nachsteuerungsbedarf für die Politik. „Die heftige Debatte um die sogenannte „Zwangsmodernisierung“ von Altimmobilien ist ebenfalls nicht zielführend. Kaum jemand wird ernsthaft die Notwendigkeit der Sanierung des Altbestandes infrage stellen. Vielmehr ist es erforderlich, statt Zwang auszuüben, Möglichkeiten zu eröffnen, sprich zu fördern.“

Die kreisweise Auswertung der erhobenen Daten zeigt ein deutliches Ost-West-Gefälle. Die als Zulieferbetriebe tätigen Unternehmen, mehrheitlich im Märkischen Kreis und im Kreis Olpe angesiedelt, stehen bei weitem noch nicht wieder so gut da wie vor der Krise.

Die Betriebe im Hochsauerlandkreis hatten die beste wirtschaftliche Entwicklung zu verzeichnen. Besonders die Ausbauhandwerke und auch der Baubereich konnten Pluspunkte sammeln. Hier machte sich die gute Wintersaison im Tourismusgewerbe positiv bemerkbar.

Am Anderen Ende der Rangskala im Kammerbezirk steht der Märkische Kreis. Trotz des deutlichen Aufschwungs im Handwerk für den gewerblichen Bedarf konnten dort die wirtschaftlichen Einbußen nicht im wünschenswerten Maß aufgeholt werden. Auffallend ist, dass die Betriebe im Märkischen Kreis den höchsten Grad Optimismus an den Tag legen. „Die Auftriebskräfte werden dort als sehr tragfähig eingestuft und man geht davon aus, verlorenes Terrain wieder gutmachen zu können.“

Eine Befragung mehrerer heimischer Handwerksunternehmen bestätigt tendenziell das von der Handwerkskammer ermittelte positive Stimmungsbild. Andreas Schäfer, Chef eines großen Metallbaubetriebs in Valbert-Hösinghausen sagt: „Es sieht gut aus!“ Allerdings schränkt er ein: „So richtig in Fahrt ist die Konjunktur noch nicht wieder. Wir bewegen uns zurzeit in etwa auf dem Stand von 2007.“ Sieben Monate lang, von September 2009 bis März 2010, hatte man wegen schlechter Auftragslage Kurzarbeit fahren müssen. Zurzeit lebe man insbesondere vom „Tagesgeschäft“. Profitiert habe man auch vom Konjunkturprogramm in Form einer städtischer Aufträge.

Mit „sehr gut“ bezeichnet Ulrich Falz, Chef eines Meinerzhagener Tiefbauunternehmens mit rund 20 Mitarbeitern die aktuelle Lage seines Betriebs. Man sei auch recht gut durch die schlechte Zeit gekommen. Kurzarbeit war nicht erforderlich. Und auch dies habe man erlebt: Private Hauseigentümer hätten aus Sorge vor Geldentwertung Sparvermögen eingesetzt, um Keller sanieren, Terrassen neu gestalten oder auch andere Dinge rund ums Haus realisieren zu lassen. Dank einer guten Mischung aus privaten und öffentlichen Aufträgen, darunter in Meinerzhagen auch städtische Projekte aus dem Konjunkturprogramm, sei man auch zurzeit bestens ausgelastet, so Falz.

Dem Dachdeckerhandwerk geht es nach Einschätzung von Gerhard Fastenrath, Chef eines Fachunternehmens für Dachdeckerbedarf in Meinerzhagen, aktuell noch nicht gerade rosig. Der Neubaubereich sei nahezu völlig zum Erliegen gekommen, auch im Modernisierungsbereich sei die Nachfrage eher schlecht. „Wir sind noch weit entfernt von der Normalität“, so seine Bewertung.

Thomas Winter vom ältesten Meinerzhagener Heizungs- und Sanitärunternehmen Ernst Winter & Sohn dagegen kann sich nicht beklagen. „Wir hatten das ganze Jahr über erstaunlich gut zu tun“, berichtet er. Der Auftragsbestand sei allerdings momentan noch kurzfristiger als in Zeiten der Hochkonjunktur, als man in der Regel auf zwei Monate und länger habe planen können.

Der Eigenheimbau in Meinerzhagen hatte, nachdem die großen Baugebiete Fumberg und Talstraße/Heerhof vollständig bebaut waren, zuletzt anhaltend gestockt. Im Neubaugebiet Werlsiepen ist ein erstes Bauvorhaben begonnen worden. „Noch ist die Nachfrage eher verhalten. Aber immerhin haben wir schon vier weitere Grundstücke verkaufen können", erläutert Oliver Drenkard, Geschäftsführer der Meinerzhagener Baugesellschaft.

Auf jeden Fall profitieren wird das heimische Bauhandwerk aber aktuell vom Großprojekt der MBG am Prumbomweg – mit einer Investitionssumme von 3,7 Millionen Euro dem bislang größten Einzelbauvorhaben des Unternehmens. Im Zuge der Ausschreibungen der Gewerke kommen auch Firmen aus dem heimischen Raum zum Zuge. Den Zuschlag für die Hochbauarbeiten erhielt gerade die Firma Dittmann Bau, worüber sich Firmenchef Andreas Berg sehr freut.

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