Wird der Zivildienst gekürzt, gibt es Probleme

Zivildienstleistender Kai Deuschle ist im Langemann-Haus ein unverzichtbarer Helfer.

MEINERZHAGEN ▪ Der Zivildienst soll um drei Monate gekürzt werden. Das könnte gravierende Auswirkungen auf soziale Einrichtungen wie das Langemann-Haus, Haus Nordhelle oder das Mittendrin haben.

Wehrdienst und Zivildienst sind aneinander gekoppelt. Wird die Dienstzeit für Wehrpflichtige – wie geplant – bereits im Oktober auf sechs Monate gesenkt, trifft das auch den Zivildienst. Das schmeckt den Sozialverbänden überhaupt nicht. Denn: Bleiben die in vielen Einrichtungen unverzichtbaren „Zivis“ nur noch ein halbes Jahr, würde ihre Arbeit komplett in Frage gestellt. „Die Einarbeitungsphase dauert auch bei uns recht lange. Zieht man dann noch einmal die Zeit für den Einführungslehrgang ab, bleibt kaum noch Zeit“, blickt Monika Besner, Leiterin des Meinerzhagener Langemann-Hauses, der geplanten Neuregelung sehr skeptisch entgegen.

In dem Seniorenheim an der Mühlenbergstraße arbeiten zurzeit drei Zivildienstleistende – und das (noch) neun Monate lang. „Würde die Reduzierung auf sechs Monate kommen, wäre das  für uns nicht gut. Nach einem halben Jahr fühlen sich die jungen Männer doch bei uns erst Zuhause. Es dauert schon drei Monate, bis sie in unserem großen Haus alle Räume kennen und sich zurechtfinden“, weiß Monika Besner. Sie ist darüber hinaus der Überzeugung, dass eine Verkürzung auch für die „Zivis“ selbst problematisch wäre. „Der Zivildienst dient doch auch der eigenen Persönlichkeitsfindung.“

Zivildienstleistende gesucht

Schon in den vergangenen Jahren war es für die Einrichtungsleitung nicht einfach, immer einen nahtlosen Übergang bei den Zivildienstsstellen im Haus zu gewährleisten. Zum 1. April zeichnet sich im Langemann-Haus sogar ab, dass kein Bewerber im Bereich Haustechnik gefunden werden kann. Wie groß die Probleme auf diesem Gebiet sind, zeigt auch eine Maßnahme, mit der man im Langemann-Haus versucht, „Zivis“ zu finden: Per Stellenanzeige auf dem Dienstwagen sucht das Team des Seniorenheimes einen Zivildienstleistenden. Für Monika Besner wird die Arbeit in diesem Bereich jedenfalls nicht einfacher: „Wir müssten in diesem Fall die politische Entscheidung an der Basis ausbaden“, ist sie alles andere als glücklich.

Etwa 600 Euro – so viel kostet ein Zivildienstleistender auch das soziale Bürgerzentrum „Mittendrin“ pro Monat. Ein „Zivi“ versieht hier augenblicklich seinen Dienst – allerdings nur noch bis Ende des Monats. „Der Bund bezuschusst die Stelle zwar, aber danach werden wir es uns trotzdem nicht leisten können, einen Nachfolger anzustellen“, weiß der Vorsitzende der Einrichtung, Rolf Puschkarsky, schon jetzt. Er hält bereits neun Monate Dienstzeit für zu kurz. „Sechs Monate sind aber definitiv zu wenig. Berücksichtigt man Urlaubsanspruch, mögliche Ausfallzeiten wegen Krankheit, Lehrgänge und die Einarbeitungszeit, bleiben doch nur maximal vier Monate übrig“, kritisiert Puschkarsky. Ob der Vorschlag der evangelischen Landeskirche, die Zivildienstzeit auf freiwilliger Basis zu verlängern, ein Weg aus dem Dilemma sein wird – das weiß keiner. Skepsis scheint angebracht.

Fünf „Zivis“ helfen

in Haus Nordhelle

Gleich fünf Zivildienstleistende arbeiten in der Evangelischen Tagungsstätte Haus Nordhelle in Valbert. Eingesetzt sind sie in den Bereichen „technischer Dienst“, „Versorgungsdienst“ und „Garten“. Wie der kaufmännische Leiter Kai-Uwe Kersten sie bei einer reduzierten Dienstzeit auf sechs Monate künftig einplanen soll, das bedarf einer genauen Planung. Dienstbeginn ist in der Regel nach Ende der Schulzeit im Sommer – beendet wäre der Zivildienst dann unter Umständen schon am 31. Dezember. Doch wer wäre bereit, zum 1. Januar seinen Dienst anzutreten? „Die Reduzierung auf sechs Monate würde an der Realität vorbeigehen“, findet Kersten. Und: „Die Lücken zu schließen, das wird nicht einfach.“ Momentan sind in Haus Nordhelle noch zwei Zivildienst-Stellen frei – eine ab August, die andere ab Oktober. Ob der neue „Zivi“ dann nur noch für sechs Monate zur Verfügung steht, weiß Kersten nicht. Er hofft jedenfalls, dass sich nichts ändern wird. ▪ beil

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