"Kegelklubs sterben nicht erst seit gestern"

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Für die Freizeitkegler des Klubs "Die goldene 8" zählt vor allen Dingen die Gemeinschaft.

Meinerzhagen - „Ein Kegelklub war früher ein Statussymbol“, sagt Oliver Geier. Die Kegelbahnen in den Wirtshäusern waren ausgebucht. Und heute? Gaststätten gibt es weniger, Kegelbahnen ebenso. „Und die Kegelklubs sterben nicht erst seit gestern“, so die Erfahrung des Inhabers von Olli’s Kneipe.

Die Gaststätte am Meinerzhagener Melmcheweg ist eine von zwei Wirtshäusern, die auch über Kegelbahnen verfügen. Insgesamt fünf Bahnen gibt es hier. Gekegelt wird außerdem noch im Gasthaus Theile an der Derschlager Straße. Früher sah die Meinerzhagener Kegellandschaft dagegen anders aus. In den damals noch existierenden Gaststätten Zum Winzenberg, Stadthaus und Zur Schanze gab es Kegelbahnen, ebenso auch in der Hültekanne in Valbert.

Früher seien 60 Kegelklubs auf seinen fünf Bahnen aktiv gewesen. „Es gab keinen Tag in der Woche, an dem die Bahnen nicht belegt waren. Heute sind es noch etwas mehr als 30 Klubs“, berichtet Oliver Geier. Der Grund? Aus Sicht des Wirtes liegt’s am Alter: „Die Klubs überaltern und Nachwuchs gibt es kaum.“

Er selbst sei mit Kegeln aufgewachsen, erzählt Oliver Geier: „Als Sohn eines Wirtes musst du Sportkegeln machen.“ Aktiver Sportkegler ist der Meinerzhagener, dessen Eltern früher ebenfalls die Gaststätte an der Trotzenburg führten, heute noch. Olli’s Kneipe ist gleichzeitig auch das Sportkegler-Trainingsrefugium. „Zwischen Sportkegeln und Hobbykegeln liegen allerdings Welten“, bestätigt auch Klaus Tepaß. Er muss es als Vorsitzender der Meinerzhagener Sportkegler wissen, denn er rollt die Kugeln als Sportler und als Freizeitkegler.

Auch wenn es beim Kegeln vor allem darum geht, „alle Neune“ zu werfen, zählt für Achim und Sabine Kiestowski, Ralf und Elke Dörscheln, Dieter und Cornelia Gehrke, Frank und Sabine Lüttel, Klaus und Karin Tepaß eine andere Ziffer. Sie sind „Die goldene 8“. Mit über 40 Jahren hat ihr Kegelklub Tradition – nur die Mitglieder rotierten zwischendurch. Auch die Kegel-Stätte wurde gewechselt. Als die Gaststätte Zur Schanze schloss, wurde Olli’s Kneipe das neue Domizil. Aus der Holzbahn wurde eine Kunststoffbahn. „Die ist schneller und rutschiger. Wir mussten uns ganz schön umgewöhnen“, berichten die Kegler. Aus den Anfängen in der „Schanze“ resultiert übrigens auch der Klubname: „Wir haben selten alle Neun geworfen, dafür oft ‘alle Acht’“, erzählt Achim Kiestowski.

Auch wenn sich die Gruppe im 14-tägigen Rhythmus auf der Kegelbahn trifft – Kegeln steht nicht immer im Mittelpunkt. „Bei uns geht es um die Geselligkeit. Es gibt viel zu schnacken“, betonen die Hobbykegler. „Wir sehen das alles ganz locker und kegeln just for fun“, erzählt Achim Kiestowski. „Ehrgeizig waren wir nur bei den Stadtmeisterschaften“, fügt er schmunzelnd hinzu. Die Zeit, als „Die goldene 8“ hier erfolgreich war und auch die Organisation dieses Vergleichskegelns übernahm, liegt allerdings inzwischen zehn Jahre zurück. Der Grund: Die Resonanz hatte nachgelassen. Gleiches gelte auch für das Interesse der jüngeren Generation.

„Die Jugend will flexibel sein“, weiß auch Oliver Geier. „Etwas Regelmäßiges will heute keiner mehr“, stimmen die Hobbykegler zu. Kegeln habe für viele einen „angestaubten Charakter“. Indes gebe es aber auch noch viele Freizeitklubs, bei denen es auf der Kegelbahn „bierernst“ zugehe und wo der sportliche Aspekt im Vordergrund stehe. 

Für die Sportkegler steht ohnehin fest: „Der Sport ist effektiver als jedes Fitnessstudio“, berichtet Karin Tepaß. Für Kinder und Jugendliche eigne sich Kegeln auch, weil hier Motorik und Koordination trainiert würden. Trotz der allgemeinen Rückläufigkeit möchten die Sportkegler Werbung für das Hobby Kegeln machen – mit einer Neuauflage der Stadtmeisterschaften.

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