„Wir sind die Klinke, die die Menschen öffnet“

Clown Knolle sorgt auf der Station für gute Stimmung. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Auf der Station 1 des Wilhelm-Langemann-Hauses herrscht Ausnahmezustand. Bewohner tanzen den Schneewalzer, machen Gymnastik, singen lautstark Kinderlieder und kneifen Knolle in den Po. Knolle und Lisette, das lustige Clownspaar, ist zu Gast im Seniorenheim.

Seit Februar kommen die beiden einmal im Monat nach Meinerzhagen. Mittlerweile werden sie von Bewohnern und Mitarbeitern sehnsüchtig erwartet. 

Durch den Hintereingang gelangen Elisabeth Bohren-Harjes und Bernd Witte in das Gebäude. Durch die Gänge des Hauses führt ihr Weg in einen Seminarraum im Keller. Hinter sich her ziehen die beiden große Koffer. Jetzt wird es auch langsam Zeit. Beeilung ist angesagt. Die Bewohner warten. Aber sie warten nicht auf Bernd und Elisabeth, sondern auf Knolle und Lisette. Innerhalb von Minuten verwandeln sich die Schauspieler in kunterbunte Clowns mit roter Nase und viel zu großen Schuhen. „Mit dem Kostüm schlüpfen wir in eine Rolle. Die bunten Sachen sind manchmal auch wie ein kleiner Schutzpanzer. Wir bekommen in unserem Beruf viel Leid zu Gesicht“, erklärt Witte. Der Schauspieler hat sich bewusst für seinen Job bei der Bochumer Clownsvisite entschieden: „Natürlich ist es kein leichter Job, aber er ist auch unheimlich erfüllend.“ Da kann ihm seine Kollegin nur zustimmen. Ihre Eltern führten ein Seniorenheim, daher war sie es von klein auf gewöhnt, mit alten Menschen zu tun zu haben. „Ich habe keinerlei Berührungsängste, mich interessiert der menschliche Aspekt und die Geschichten, die man hier erfährt.“ Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin machte sie eine Ausbildung in der Sparte „Clownerie“.

„In unserem Beruf sind wir so etwas wie eine Klinke, die Türen zu Menschen öffnen kann“, erklärt Bohren-Harjes. Dabei gehe es nicht darum übertrieben lustig zu sein, die Aufgabe eines Clowns sei es vielmehr, Emotionen spürbar zu machen und sie vor allem zuzulassen. Dazu zählten auch Gefühle wie Trauer und Schmerz. „Erwachsene haben gelernt, Gefühle zu unterdrücken. In unserer Arbeit geben wir uns sehr emotional. Viele Menschen trauen sich dadurch das zu zeigen, was sie in ihrem Inneren fühlen.“ Klar gehe es auch darum, Abwechslung in den Heimalltag zu bringen.

Gerade für Demenzkranke sei der Besuch wichtig. Witte erklärt warum: „Die Kranken sprechen immer weniger, vieles geht über Körpersprache. Auch der Clown agiert körperbetont, dadurch fallen Hemmungen, auf diese Art zu kommunizieren.“ Aber nicht alle Bewohner freuen sich über den Besuch. „Wir werden auch hin und wieder rausgeschmissen. Aber das macht nichts, im Gegenteil: Die Senioren, die oftmals durch die nötige Pflege viele Menschen in ihr Reich lassen müssen, bekommen nun die Kompetenz, auch mal jemanden vor die Tür setzen zu dürfen“, erklärt Bohren-Harjes.

Genau dieses Feingefühl ist es, das die Clowns des Bochumer Vereins auszeichnet. „Wir haben lange gesucht, bis wir das Passende gefunden haben. Mit Erfolg, wie man hier sehen kann“, freut sich Monika Besner, Leiterin der Senioreneinrichtung. Was auf Kinderstationen schon bewährt ist, sei in Pflegeeinrichtungen für Senioren völlig neu. Die Idee sei im Rahmen einer Alzheimertagung entstanden. Fast ein Jahr suchte die Einrichtungsleiterin nach den passenden Clowns. Finanziert wird das Projekt durch Spenden. Bis Ende des Jahres sei die Finanzierung gesichert. „Es wäre schön, wenn wir das Projekt auch 2012 fortführen könnten, dafür brauchen wir aber Spenden“, so Besner.

Lydia Machelett

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