Wintereinbruch sorgt für Chaos aus A45

Nichts ging mehr – nach dem Graupelschauer war die A 45 im Bereich Meinerzhagen und Lüdenscheid „dicht“. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Nichts ging mehr auf der Sauerlandlinie. Am Montag ab 17 Uhr staute sich der Verkehr in Richtung Frankfurt zwischen Lüdenscheid-Mitte und Olpe zeitweise auf bis zu 30 Kilometer. Grund war vordergründig der plötzliche Wintereinbruch.

Tatsächlich hätten die widrigen Straßenverhältnisse aber wohl bewältigt werden können – wenn alle Fahrzeuge mit Winterreifen ausgerüstet gewesen wären.

Wieder einmal war das aber nicht der Fall. Und so kam es, wie es kommen musste: Zwei Lastwagen fuhren sich nach einem heftigen Gewitter mit Graupelschauern im Baustellenbereich zwischen Meinerzhagen und Drolshagen fest – und legten den kompletten Verkehr Richtung Süden lahm. „Im Stau sind uns dann oft die Hände gebunden, wir kommen einfach nicht durch“, weiß Jens Kaminski, stellvertretender Leiter der Autobahnmeisterei Lüdenscheid und damit für den Winterdienst auf der A45 zuständig. Auch am Montag war es schwierig, bis zu den „havarierten“ Lastern durchzukommen. „Wir sind dann direkt durch die Baustelle gefahren und anschließend rückwärts bis zu den Lastern“, beschreibt Kaminski, wie es schließlich gelang, die festgefahrenen Transporter wieder flott zu machen.

Damit war das Problem aber noch nicht gelöst. Kaminski: „Am Montag hatten wir folgendes Phänomen: Innerhalb von zwei bis drei Minuten kühlte der Graupel die Fahrbahn rapide ab. Der Schwerverkehr komprimierte den Hagel durch sein Gewicht – es entstand eine spiegelglatte Fläche. Auf der staute sich der Verkehr.“ Selbst wenn die Autos und Laster wieder rollen, bleibt die Lage bei Wetterverhältnissen wie am Montag aber prekär. „Denn auch durch den stehenden Verkehr entsteht eine Eisschicht“, weiß Kaminski. Und weil die Fahrzeuge selten eine vorschriftsmäßige Rettungsgasse bilden, hat es der Winterdienst schwer.

Normalerweise setzt sich ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht vor das Streufahrzeug und geleitet es durch den Stau. „Autos sind bei diesem Procedere meist noch einigermaßen beweglich und können etwas zur Seite fahren. Bei Lastwagen ist das anders, die haben durch ihre Größe nur einen begrenzten Spielraum“, erklärt Kaminski. Deshalb geht auch für den Streudienst irgendwann nichts mehr – und der Stau bleibt sich im schlimmsten Fall selbst überlassen.

In der Nacht von Montag auf Dienstag entspannte sich die Lage jedoch wieder, auch dank des unermüdlichen Einsatzes der Autobahnmeisterei. Die Einsatzkräfte waren bis gestern morgen ununterbrochen unterwegs, so dass es im Berufsverkehr nicht mehr zu Behinderungen kam.

Eine Anfrage bei der heimischen Polizei bestätigte gestern Morgen, dass auch Lastwagen mit Winterreifen ausgerüstet werden müssen – und das nicht nur bei entsprechender Witterung. „Die Winterreifen-Pflicht gilt europaweit vom 1. November bis zum 15. April und bezieht sich auf mindestens eine Antriebsachse“, erläuterten die Beamten.

Ab Freitag, so hoffen die Frauen und Männer bei der Lüdenscheider Autobahnmeisterei Lüdenscheid, kann bei Wintereinbrüchen nun noch effektiver geholfen werden: „Dann sind zwei unserer Winterdienst-Fahrzeuge einsatzbereit, die erstmals mit Blaulicht und Martinshörnern ausgerüstet sind“, erläutert Kaminski. Diese Fahrzeuge haben dann ähnliche Rechte wie Polizeiautos im Einsatz.

Von Jürgen Beil

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