Winterbilanz 2009/10: Kalt, lang, schneereich

Reinhard Hinz betreibt im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes die Wetterobachtungsstelle in Meinerzhagen-Redlendorf.

MEINERZHAGEN ▪ Der Winter 2009/10 endet kalenderisch an diesem Samstag. Er war rekordverdächtig, was seine Dauer, die Kälte und auch die Schneehöhen anging. Ob es aber tatsächlich ein Ausnahmewinter war, verrät die jetzt vorliegende Bilanz der Wetter-Messtelle in Meinerzhagen-Redlendorf.

„Bereits am Sonnabendvormittag war von der Bezirksregierung in Arnsberg eine Sturmwarnung an alle Ortsfeuerwehren durchgegeben worden, nach der Sturm in Windstärke bis zu 10 und 12 zu erwarten war. Es war beinahe der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel, dem gegen 14 Uhr am Samstag ein heftiger Donnerschlag und ein plötzlich starker Temperatursturz folgte. Ein heftiger Sturm setzte ein und der nun folgende Schneefall zeigte mit aller Deutlichkeit, dass der Winter noch nicht vorbei ist. Der eigentliche Schneefall begann aber erst in den Abendstunden. Sturm und Gewitter in der Nacht deuteten bereits die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse an. Aber dennoch wird mancher Frühaufsteher am Sonntag unangenehm überrascht gewesen sein, als er beim Öffnen der Haustür sich meterhohen Schneewehen gegenübersah“.

1. Februar 1953: Meterhohe Schneeverwehungen legen den Verkehr lahm

So berichtete die Meinerzhagener Zeitung in ihrer Montagsausgabe am 2. Februar 1953 über ein ungewöhnliches Wetterereignis. Per Sirenenalarm wurden die Feuerwehrleute zum Freischaufeln der Straßen angefordert. Schneeverwehungen legten den Autoverkehr noch tagelang nahezu lahm. Der gerade angeschaffte neue Schneepflug der Gemeinde erlebte seine Bewährungsprobe. Nur die Personenzüge verkehrten noch, anfänglich aber mit stundenlanger Verspätung.

An diesen Winter erinnerte sich jetzt auch Reinhard Hinz (70). Der Pensionär beobachtet das Wetter, solange er denken kann. Seit einigen Jahren ist er auch offizieller Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes – und immer wieder sorgt seitdem die von ihm in 390 Metern über dem Meeresspiegel in Redlendorf betriebene Messstation mit ihren Werten für bundesweite Beachtung. Zuletzt beim Extremwetterkongress in Kiel (wir berichteten), als die am 3. Februar 2010 gemessenen 75 Zentimeter Schnee dort als „Rekordwert innerhalb der letzten 60 Jahre im mittleren Deutschland“ Erwähnung fanden.

27. November 2005: Schneehöhe von 90 Zentimetern

Reinhard Hinz hatte diesen Wert zwar gemeldet, hätte zu dessen Einschätzung allerdings noch einige zusätzliche Anmerkungen machen können, die so in den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes nicht bekannt waren: „Wir hatten in Meinerzhagen in der Nachkriegszeit mehr als einmal Schneehöhen von deutlich über einem Meter“, berichtet Hinz. In Erinnerung hat er dabei nicht nur das Ereignis aus dem Jahr 1953. Damals löste dies an der Nordsee übrigens eine verheerende Sturmflut aus, die in den Niederlanden zahlreiche Todesopfer forderte. Zuletzt gab es im Jahr 2005, also vor noch nicht allzu langer Zeit, eine extreme Schneemenge: Am  27. November jenes Jahres maß Reinhard Hinz eine Höhe von 90 Zentimetern.

„Was den letzten Winter so besonders macht, war seine ungewöhnliche Dauer“, zieht Hinz zum heutigen kalendarischen Frühlingsbeginn Bilanz und belegt dies mit eindrucksvollen Fakten: Eine Schneedecke gab es vom 18. Dezember bis zum 15. März. Der 19. Dezember war mit in fünf Zentimetern über dem Boden gemessenen minus 22,9 Grad der kälteste Wintertag. Die größte Schneehöhe wurde am 3. Februar festgestellt: „Zum vorgeschriebenen Messtermin am frühen Morgen waren es 75 Zentimeter, wenige Stunden später sogar mindestens 80“, informiert der Redlendorfer Wetterbeobachter. Am 6. März, nach dem letzten starken Schneefall, waren es dann immerhin noch einmal 20 Zentimeter. Die höchste Schneemenge zum Jahresbeginn wurde am 31. Januar mit 54 Zentimetern registriert. Der Januar war mit 21 Eis- und 8 Frosttagen zudem der mit Abstand kälteste Monat.

Januar 2010: Der kälteste Monat dieses Winters

An einen noch längeren Winter kann sich Hinz nur für 1962/63 erinnern. Damals habe es Schnee von November bis weit in den März und 1965 gleich zweimal schon im November Schneehöhen von jeweils deutlich über einem Meter gegeben. Seit Anfang dieser Woche ist nun auch in Meinerzhagen der Frühling zu spüren. Dort, wo Reinhard Hinz noch vor kurzem die rekordverdächtigen Messungen vornahm, sprießen mittlerweile auch die Krokusse. Die ersten Vorboten der nach diesem langen und kalten Winter besonders sehnlich erwarteten schönsten Jahreszeit waren übrigens schon deutlich früher zu beobachten: Reinhard Hinz sichtete am 18. Februar den ersten Kranichschwarm auf dem Flug gen Norden.

Horst vom Hofe

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