Ältere Windräder bekommen neue Flügel

Er durfte nur nachts fahren und dann auch nur mit einem Begleitfahrzeug: der „Flügeltransporter“.

Valbert -  Sie stehen knapp hinter der Stadtgrenze zu Attendorn in Weschede, direkt neben der Ortschaft Sellenrade. Zwei rund 90 Meter hohe Windräder, die dort seit etwa sechs Jahren ihren „laufenden Dienst“ verrichten. Mit drei Rotorblättern mit einer jeweiligen Länge von 20 Metern ausgestattet, erzeugen sie bei entsprechendem Wind 800 Kilowatt in der Stunde.

Von Jochen Helmecke

Damit dieses auch in den nächsten Jahren gewährleistet ist, sind derzeit die Mitarbeiter der Firma Enercon aus Aurich damit beschäftigt, die „Flügel“ der beiden Windmühlen auszutauschen. Seit 1984 baut das weltweit tätige Unternehmen Windkraftanlagen und organisiert für deren Betreiber den Anlagenservice. „Wir bieten dabei für unsere Kunden auch den entsprechenden Wartungs- und Überwachungsservice an. Dieser reicht von den Routinekontrollen und der Fernüberwachung der Anlagen, bis hin zu deren Reparaturen“, so Michael Liesner, Firmensprecher bei Enercon, auf Anfrage der MZ.

Wie aufwändig diese Arbeiten sein können, zeigt sich dem Betrachter vor Ort. Über einen zwar gut hergerichteten aber an einigen Stellen doch recht steilen und kurvigen Weg wird die Anhöhe erreicht, auf der die beiden Windräder stehen. Zum Teil mit der „Zughilfe“ eines schweren Radladers, brachten die Arbeiter die beiden großen Mobilkräne, Sattelschleppe, Container und anderes Arbeitsgerät Anfang der Woche an die Baustelle. Dabei mussten die „Flügeltransporte“ wegen ihrer Überlänge mit Sicherungsbegleitung in der Nacht stattfinden.

Ab Mittwoch war es dann soweit. Im Wechsel wurden die alten Flügel gegen neue ausgetauscht. Dabei war nicht das verhältnismäßig geringe Gewicht der Rotorblätter aus GFK-Kunststoff von 2,5 Tonnen das Problem. Vielmehr ging es um das „punktgenaue Ansetzen“ der 32 Gewindebolzen der Blätter, mit denen diese am Blattadapter verschraubt werden. Alle drei Rotorblätter treiben über die Rotornabe den getriebelosen Ringgenerator an – im weitesten Sinne wie beim guten alten Fahrraddynamo. „Unser getriebeloses System verringert den Wartungsaufwand erheblich, so dass wir im Wesentlichen die normalen Verschleißerscheinungen, wie Witterungseinflüsse an den Flügeln, auf unserem Arbeitsplan haben“, so Michael Liesner.

Präzise und sehr langsam hoben die Kräne die Flügel auf eine Arbeitshöhe von 87 Metern, wo sie dann per Hand von den Mitarbeitern „entgegengenommen“ wurden. Kein Job für Menschen mit Höhenangst. Und auch der Weg der Mitarbeiter zu ihrem luftigen Arbeitsplatz in einer Personengondel kann locker mit so mancher Attraktion auf einer Kirmes oder in Freizeitparks mithalten. Die Montage des letzten Flügels musste dann jedoch auf den Donnerstag verschoben werden. Zu stark war der Wind, der auf den Höhen blies. In der kommenden Woche, geht es mit den Arbeiten am zweiten Windrad weiter.

Eingespeist wird der erzeugte Strom in das „normale Netz“. Dabei gibt es den Weg über den Netzbetreiber ebenso wie den direkten Verkauf am Strommarkt. Letztere Variante soll für neue Anlagen stufenweise durch das neue EEG zur Pflicht werden.

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