Die Wildkatze ist zurück im Ebbe

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Die Wildkatze hat das Ebbe bereits zurückerobert.

Meinerzhagen - Die Meinerzhagener haben „Zuwachs“ bekommen. Der wiegt pro „Exemplar“ bis zu sechs Kilogramm und wird in der Regel einen Meter lang. Er ernährt sich beispielsweise von Ratten, Vögeln, Eidechsen, Eichhörnchen oder Fröschen. „Die Wildkatze ist im Ebbe angekommen“, freut sich der Leiter des Forstamtes Olpe, Klaus Lomnitz.

Von Jürgen Beil

Lange war das scheue Tier aus heimischen Gefilden verschwunden, jetzt ist sich Lomnitz sicher, dass die Wildkatze im Forst bei Meinerzhagen wieder heimisch ist.

Lomnitz erinnert sich an einen bestätigten Vorfall vor etwa drei Jahren, als eine Wildkatze erstmals seit vielen Jahrzehnten in der Nähe von Meinerzhagen auf sich aufmerksam machte: „Damals drang das Tier bei Wenden in einen Stall mit Geflügel ein. Die Besitzerin hörte den Lärm, eilte herbei, zog dicke Handschuhe an und packte sich die Wildkatze – wohl ohne zu wissen, was sie da in Händen hielt. Die Katze wurde ins Tierheim gebracht, wo eine sichtlich überraschte Veterinärmedizinerin feststellte, dass es sich um eine echte Wildkatze handelte.“ Mit Ratten wurde der geschwächte „Räuber“ wieder aufgepäppelt und schließlich in die Freiheit entlassen. Das jedoch nicht, ohne ihn vorher mit einem Peilsender ausgerüstet zu haben. „Der brachte die Erkenntnis, dass sich die Katze schließlich in Richtung Rothaargebirge davonmachte“, erinnert sich Lomnitz.

Die Einzelgänger meiden Menschen

Dass die Wildkatze im Sauer- und Siegerland mancherorts wieder heimisch ist, war also schon länger bekannt. Im Ebbe gab es bis vor Kurzem aber noch keine Belege für die Wiederkehr der wilden „Samtpfoten“. Auswertungen verschiedener Hinweise führten jetzt allerdings dazu, dass Forstdirektor Klaus Lomnitz zumindest für den Staatswald im Ebbe sagen kann: „Die Wildkatze ist da.“ Dass ein Spaziergänger, Jogger oder Skiläufer ein Tier der Gattung aber zu Gesicht bekommt, ist sehr unwahrscheinlich. Die ortstreuen Einzelgänger meiden den Menschen. Sie kommen nur dort vor, wo es genügend natürliche Deckung gibt und sie meiden freie Flächen.

Eine Entwicklung, welche die gerade erst zurückgekehrte Wildkatze allerdings wenig freuen wird, bringt Antonius Klein, Leiter der Naturschutzbehörde des Kreises Olpe, auf einen kurzen Nenner: „Es ist nicht realistisch zu glauben, dass im Ebbe kein Wolf auftauchen wird.“ Auch mit dieser Gattung, die seit Jahren von Ost nach West auf dem Vormarsch ist, befassen sich die Experten der Naturverbände intensiv. Dass das Ebbegebirge in naher Zukunft Heimat eines ganzen Wolfsrudels wird, glaubt Klein allerdings nicht.

Auch die Rückkehr des Wolfes sei wahrscheinlich

Ältere Jungtiere sind ab einem bestimmten Alter gezwungen, sich eigene Reviere zu suchen. Ein solcher „Wanderer“ wurde jetzt im Siegerland nachgewiesen, wo er ein Reh gerissen haben soll. Dass diese umherziehenden Wölfe im „Teenageralter“ auch den Raum Meinerzhagen besuchen werden, ist für Klein sehr wahrscheinlich: „Das haben sie schon getan oder sie werden es noch tun. Das Ebbe ist von den Gebieten, in denen sie jetzt leben, keineswegs abgeschnitten und über alte Wanderkorridore der Wölfe sehr wohl zu erreichen.“

Klein hat sogar schon einen „Pfad“ im Kopf: „Über den Rothaarzug, Kirchhundem, Bielstein und Waldenburg Richtung Ebbegebirge.“ Und von Straßen und Dörfern lassen sich die Tiere dabei nicht abschrecken. „Der Wolf ist da anpassungsfähiger als der Luchs. In Brandenburg wurden Tiere schon am Orts- oder Straßenrand entdeckt“, berichtet Klein.

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