Lückenschluss im Freifunknetz

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An der Voss-Mühle wurde ein weiterer Freifunkrouter im Stadtgebiet Meinerzhagen in Betrieb genommen. Linn Rohr (links) von den Freifunkern freute sich darüber, dass sich Bäckerei-Chef Karl-Jörg Voss dafür entschieden hat.

Meinerzhagen - Auch wenn man von der Technik nicht viel Ahnung hat, kann man einen Freifunkrouter einrichten und „sein“ Netz der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Ab sofort steht das Freifunk-Netz auch an der Voss-Mühle an der Lindenstraße zur Verfügung.

„Mein Sohn Lennart fand die Idee ausgesprochen attraktiv“, erinnert sich Karl-Jörg Voss an die vor einem Dreiviertel Jahr aufgekommene Idee. Er selber habe allerdings eher keine Ahnung von der Materie.

In Linn Rohr, einem überzeugten Freifunker, der in einem Meinerzhagener Getränkemarkt arbeitet, fand Karl-Jörg Voss den richtigen Ansprechpartner für die Idee, auch die Bäckerei Voss-Mühle ans (Freifunk-)Netz zu bringen. „Ich kaufe dort meine Getränke und wir kamen ins Gespräch.“ Nachdem ein paar Hürden mit seinem Provider aus dem Weg geräumt waren, konnte der Router schließlich installiert werden. Jedoch: Vom Büro aus war der Empfang im Café-Bereich eher schlecht. Also installierten Karl-Jörg Voss und die Freifunker einen entsprechenden Repeater, der nun den Café-Bereich und den Parkplatz davor mit einer ordentlichen Bandbreite abdeckt.

„Täglich kommen zum Beispiel Außendienstler zu uns ins Café. Die können ab sofort bei einer Tasse Kaffee das offene Netz nutzen, um beispielsweise E-Mails zu checken“, erklärt Voss, der noch weitere Veränderungen für sein Café ankündigt: „Demnächst gibt es bei uns nach einer geplanten Umgestaltung auch die Möglichkeit, kostenlos ein Mobiltelefon oder Tablet aufzuladen. Wir wollen auf einem Regal entsprechende USB-Lademöglichkeiten anbieten.“ Die Angst, dass verbotene Dinge über seinen Freifunkrouter heruntergeladen werden könnten, hat Voss inzwischen verloren, nachdem ihm Linn Rohr erklärt hat, wie das Freifunknetz funktioniert. Und die zur Verfügung gestellte Bandbreite lasse beispielsweise ein Hoch- oder Herunterladen verbotener Inhalte praktisch nicht zu, denn die Daten von Musik oder Filmen bräuchten viel zu lang, um geladen werden zu können – das ist zu unattraktiv für Nutzer von verbotenen Tauschbörsen.

100 Router im Stadtgebiet

Freifunker Linn Rohr berichtete am Dienstag, dass in Meinerzhagen rund 100 Router am Netz sind, „95 sind rund um die Uhr online, ein paar der insgesamt 100 Router werden von den Besitzern nachts allerdings abgeschaltet.“ Linn Rohr weiter: „Am vergangenen Sonntag hatten wir in der Spitze rund 600 bis 700 eingeloggte Clients im Freifunk-Netz.“

Die Versorgungslage mit dem unabhängigen Bürgernetz sei inzwischen recht gut, weiß Linn Rohr zu berichten, aber natürlich freue man sich über weitere Mitstreiter, die einen Freifunkrouter aufsetzten. Denn je mehr Router am Netz sind, desto besser werde die Abdeckung. Das Freifunk-Netz ermögliche eine freie digitale Kommunikation – dezentral. Es sei ein unabhängiges Bürgernetz, das jeder selbst erweitern könnte. Sobald ein Freifunk-Router mit dem eigenen Internetanschluss verbunden ist, sorge der Betreiber des Routers für eine öffentliche Internet-Grundversorgung. Und so stellen die Freifunker fest: „Freifunk ist eine Geste der Gastfreundschaft, ein digitales Glas Wasser für jeden.“

Immer wieder tauche allerdings die Frage auf, ob der Betreiber des Routers für die Freigabe des Netzes haften müsse, wenn denn doch mal was passiert. „Gäste, die über einen Freifunk-Router ins Internet gehen, werden ganz legal durch einen verschlüsselten Tunnel (VPN) zum Freifunk-Gateway und erst von dort ins Internet geleitet.“ Das bedeutet, dass nicht klar ist, wo sich der Gast physisch ins Internet eingeloggt hat. Im Klartext: Freifunk fungiert quasi als Internetprovider – und die sind per Gesetz von jeglicher Haftung ausgenommen.

Weitere Infos gibt’s im Internet unter http://freifunk-mk.de oder via E-Mail unter info@freifunk-mk.de

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