Der Bundespräsident ist auch nur ein Mensch

Wibke Schumacher (rechts) mit der ersten deutschen Medaillengewinnerin Manuela Schmermund und Kollegen.

MEINERZHAGEN ▪ Die 18-jährige Meinerzhagenerin Wibke Schumacher, Schülerin des Evangelischen Gymnasiums, erlebt zurzeit hautnah die Paralympics in London mit. Jetzt traf sie Bundespräsident Gauck.

Im Rahmen eines Jugendwettbwerbs wurde sie als eine von insgesamt zwanzig Nachwuchsjournalisten ausgewählt, die vor Ort unter Schirmherrschaft des Deutschen Behindertensportverbandes für die Redaktion der Paralympic-Zeitung arbeiten. In insgesamt vier Ausgaben mit einer Auflage von jeweils einer Million Exemplaren berichtet diese Zeitung als Beilage großer überregionaler deutscher Blätter über die Wettkämpfe der Sportler mit Behinderungen.

In einem zweiten Beitrag aus London schildert Wibke Schumacher nun in der MZ ihre interessanten Eindrücke bei ihrem Einsatz in London, wo sie unter anderem ein Interview mit Bundespräsident Joachim Gauck als prominentem Gast der Wettkämpfe führen konnte:

„Piep, piep, piep. Das Fieberthermometer zeigt 37,9 Grad Celsius an. „Mist“, denke ich, „das darf doch jetzt nicht wahr sein!“ Ich darf jetzt nicht krank werden, auf gar keinen Fall! Drei Stunden lang arbeite ich bereits an den Interviewfragen für Joachim Gauck, unseren Bundespräsidenten höchstpersönlich. Schließlich wurde ich ausgewählt, um den Präsidenten ganze 20 Minuten lang zu interviewen. Nur Jacob Joy, Schülerredakteur des britischen Teams und ich werden zu ihm gelassen und ich fühle mich geehrt.

Doch trotz all der Vorfreude habe ich auch ein wenig Angst. Was, wenn ich so nervös bin, dass ich vor dem Bundespräsidenten umkippe? Was, wenn ich aus Versehen auf seinen Fuß trete oder meinen eigenen Namen vergesse?

Annette, Redakteurin des Tagesspiegels, versucht mich zu beruhigen. „Ach, keine Panik. Vergiss nicht, auch Prominente gehen auf’s Klo! Das sind Menschen wie du und ich.“ Und trotzdem – als Jacob und ich uns drei Stunden früher als nötig auf den Weg zum Stadion machen, um den Präsidenten zu treffen, klopft mein Herz bis zum Hals.

Wir werden im Media Centre abgeholt und bekommen eine extra Akkreditierung, die uns Zugang zum VIP-Floor verschafft. Kurz nachdem der deutsche Athlet überraschend Silber gewonnen hat, kommt er die Treppe zu uns hoch gelaufen. Und plötzlich bin ich ganz ruhig. Ich werde weder umkippen, ihm auch nicht auf den Fuß treten und meinen Namen weiß ich auch: „Hallo Herr Gauck, Wibke Schumacher von der Paralympics Zeitung. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen“, sage ich und schon geht das Interview los. Mit einer Hand halte ich mein Klemmbrett, balanciere mit einem Finger das Aufnahmegerät und schreibe hektisch alles auf, was Herr Gauck mir ins Ohr schreit. Im Velodrome, dem Cycling Stadion, ist es nämlich ziemlich laut und ich kann manchmal kaum verstehen, was mein Interviewpartner sagt.

Nach zehn kurzen Minuten ist es dann auch schon vorbei und ich habe ein paar gute Antworten für meinen Artikel in der dritten Ausgabe bekommen. Diese Ausgabe erscheint am 13.September in der „Zeit“.

Abends treffe ich den Bundespräsidenten noch einmal im Deutschen Haus Paralympics London 2012. Hier empfängt er die Deutschen Athleten, die für ihre Leistungen geehrt werden. George Simonds und ich machen schnell noch ein Foto mit Manuela Schmermund, der ersten deutschen Medaillengewinnerin bei diesen Weltspielen.

Um zwei Uhr nachts falle ich dann müde ins Bett. Mein Tag voller VIPs ist geschafft – und trotz allem Stress hat es Spaß gemacht. Piep, piep, piep. Das Fieberthermometer ist fertig: 37.2 Grad. Das Lampenfieber ist besiegt!“

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