Auf das Wetter ist eben doch Verlass...

Dieses Foto schoss Wetterbeobachter Reinhard Hinz im Oktober dieses Jahres von Redlendorf aus.

MEINERZHAGEN ▪ Auf das Wetter ist eben doch Verlass! Auch in diesem Jahr stellte sich pünktlich vor dem Fest das traditionelle Weihnachtstauwetter ein – was statistisch gesehen in sieben von zehn Jahren so der Fall ist.

Eine Ausnahme von der Regel gab’s zuletzt Weihnachten 2010. Der Meinerzhagener Wetterbeobachter Reinhard Hinz, der in Redlendorf täglich Messungen im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes vornimmt, konnte im zu Ende gehenden Jahr 2011 allerdings gleich mehrere rekordverdächtige und von der Norm abweichende Wettererscheinungen registrieren. Für die MZ hat er noch einmal in seinen Unterlagen geblättert und dabei eine erstaunliche Jahresbilanz gezogen. Das Meinerzhagener Wetter schlug dabei einmal mehr in kurzen Abständen auffällige Kapriolen in positiver wie negativer Hinsicht.

Auch der letzte Monat des Jahres, der Dezember, war wettermäßig außergewöhnlich. Bis zum 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, fielen an der Messstelle in Redlendorf in einer Höhe von 390 Metern über dem Meeresspiegel sage und schreibe 222 Millimeter Niederschlag – also 222 Liter auf den Quadratmeter bezogen. Dafür meldete sich der Winter diesmal erst relativ spät. Der erste Schnee, anfangs noch mit Regen vermischt, fiel am 16. Dezember. Am 20. Dezember schüttelte Frau Holle dann aber besonders kräftig ihre Betten: 23 Zentimeter Schnee fielen an diesem Dienstag, als es erstmals in ganz NRW sogar bis in die tiefer gelegenen Gebiete hinein schneite.

Der November 2011 war laut Deutschem Wetterdienst der „trockenste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1881“. Mit rund 3 Litern pro Quadratmeter verfehlte die bundesweit gemittelte Regenmenge den Sollwert von 66 Litern in bisher nicht gekanntem Ausmaß. An zahlreichen Messstellen wurde kein einziger Tropfen Regen registriert.

Einen Monat ohne Niederschlag hatte es in Meinerzhagen nach den Aufzeichnungen von Reinhard Hinz übrigens erst einmal, und zwar ausgerechnet einem April gegeben. Dieses Ereignis liegt zudem noch nicht allzu lange zurück, war 2007 als besonderes Phänomen zu verzeichnen.

Auch in Meinerzhagen blieb es im November 2011 so trocken wie lange nicht. Auf exakt 9,9 Liter summierte sich die Monatsmenge, wovon allein am 28. November 5,4 Liter binnen weniger Stunden fielen. Reinhard Hinz notierte sage und schreibe 26 Sonnentage. Der 6. November war mit 17,3 Grad dabei ein besonders warmer Tag. Das fügte sich ein in einen insgesamt warmen, sehr trockenen und sehr sonnenscheinreichen Herbst, über den man sich deutschlandweit nach einem unbeständigen Sommer sicherlich besonders gefreut hat. Mit 10,8 Grad registrierte der Deutsche Wetterdienst für Nordrhein-Westfalen die deutschlandweit höchste Mitteltemperatur dieses Herbstes. Insgesamt fielen in den drei Monaten im Schnitt nur 113 Liter Niederschlag.

Dieser Wert wurde in Meinerzhagen allerdings deutlich übertroffen, woran vor allem der Oktober seinen Anteil mit allein 112,5 Litern hatte. Im September waren es 75 Liter. Zusammen mit der November-Menge summierte sich das im Herbst 2011 auf 197,4 Liter Niederschlag.

Der 1. Oktober brachte mit 25,3 Grad eine Temperatur, die der eines Sommertages entsprach. Genau zwei Wochen später, am 14. Oktober und damit ungewöhnlich spät für einen normalen Jahreswetterverlauf, gab’s mit Minus einem Grad den ersten leichten Bodenfrost in Meinerzhagen.

Im September, dem ersten Herbstmonat, trat eine ungewöhnlich starke Temperaturschwankung ein: Am 2. September war es nur 12,3 Grad warm, 24 Stunden später war das Thermometer bis auf 26,4 Grad geklettert. An 19 Tagen fiel kein Niederschlag.

Der Sommer 2011 war deutschlandweit deutlich zu kalt und zu nass. Für Meinerzhagen spricht Wetterbeobachter Reinhard Hinz allerdings von einem „eher typischen Sauerländer Sommer“. Im Juni 128,3 Liter, im Juli 147,5 Liter und im August fielen 176 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter.

Im gesamten Frühling 2011 von März bis Mai gab es dafür in Meinerzhagen aber nur insgesamt 70,1 Liter. „25 Sonnentag im März dürften ein Rekordwert sein“, bilanziert Reinhard Hinz. Und einmal mehr wechselten sich hier die Extreme ab: Dem sehr trockenen Frühling war ein überaus niederschlagsreicher Winter 2010/11 vorangegangen. Die Messstation in Redlendorf lieferte deutschlandweit dabei gleich zwei Rekordwerte: In der Rangliste der niederschlagsreichsten Orte belegte Meinerzhagen mit insgesamt 386,1 Litern Niederschlag von Dezember bis Februar nach den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes Platz 2. Nur Freudenstadt in Baden-Württemberg meldete mit 426,8 Litern einen noch höheren Wert. Allein im Januar hatte es in Meinerzhagen 185,9 Liter Niederschlag gegeben. Auch das war für diesen Monat deutschlandweit die zweithöchste Menge.

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