2019: Eine erstaunliche Regen-Bilanz

+
Für den DWD ermittelt Reinhard Hinz Daten mithilfe seiner Wetterstation in Redlendorf.

Meinerzhagen - Diese Aussage überrascht: „Was die Gesamtmenge der Niederschläge angeht, war 2019 bis jetzt eigentlich ein normales Jahr.“ Im Vergleich der letzten zehn Jahr fiel hierzulande sogar mehr Niederschlag, als in sieben anderen Jahren in dieser Zeitspanne.

Reinhard Hinz aus Redlendorf hat das festgestellt. Er ist für den Deutschen Wetterdienst (DWD) zuständig für alle Daten und Fakten rund um das Wettergeschehen in Meinerzhagen. 

Hinz beruft sich auch in Sachen Regen und Schnee nicht auf sein Bauchgefühl, er liest täglich die Daten aus, die ihm seine Wetterstation im Garten liefert. Und die Zahlen lügen nicht: „Bis zum 26. Dezember habe ich in diesem Jahr eine Niederschlagsmenge von insgesamt 1411 Litern auf dem Quadratmeter festgestellt.“ Viel wird in den nächsten Stunden auch nicht mehr hinzukommen, denn die Prognosen gehen laut Hinz zunächst eher von trockener Witterung aus. Zum Vergleich: 2018 registrierte Reinhard Hinz lediglich 1016 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Wohl gemerkt: Über den Zeitraum von zwölf Monaten. „Extrem wenig“, urteilt der Wetter-Experte. 

Ähnlich wenig Regen und Schnee hätte auch 2019 niedergehen können, wenn der Herbst die Bilanz dieses Jahr nicht gehörig „aufgefrischt“ hätte. Hinz: „Im Oktober, November und Dezember fielen durchschnittlich 160 Liter pro Monat und Quadratmeter. Die Regenperiode begann in diesem Jahr fast exakt mit Herbstanfang am 23. September.“ 

Bis dahin war es allerdings eher „mau“, was Niederschläge angeht. In den drei Sommermonaten vom 1. Juli bis zum 31. August belegt das auch die Statistik aus Redlendorf: „In diesem Vierteljahr habe ich lediglich 170 Liter Regen auf einem Quadratmeter ermittelt“, erinnert sich Hinz. 2018 war diese Bilanz für die Natur allerdings noch niederschmetternder: „Damals kamen wir hierzulande in diesem Zeitraum gerade einmal auf 130 Liter“, stellt der Wetter-Fachmann aus der Volmestadt fest. 

Das Jahr 2019 begann allerdings mit reichlich „Nass“ von oben: „Im Januar gab es 195 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, im März sogar 227. Der Februar war hingegen zu trocken“, kann Reinhard Hinz belegen. Ungewöhnliches konstatiert der Experte auch für den Mai 2019: „Was die Niederschläge angeht, war dieser Monat ein normaler. Das galt allerdings nicht für die Temperaturen. Wir hatten in diesen vier Wochen praktisch 14 Tage lang Eisheiligen-Wetter“, sagt Hinz. Am 5. Mai maß er morgens fünf Zentimeter über dem Erdboden minus 6,4 Grad Celsius. „Das war für die Natur ein echtes Problem. Viele Obstblüten erfroren, die Obsternte fiel deshalb später bei uns praktisch aus. Die ersten zarten Blätter an den Bäumen ereilte dasselbe Schicksal. Eicheln und Bucheckern gab es deshalb später kaum“, bilanziert Hinz. 

Was der Mai versäumte, holten Juni, Juli und August dann aber nach. Sie „lieferten“ 86 Sonnentage. An insgesamt 33 Tagen wurden in diesem Zeitraum 25 Grad Celsius oder mehr gemessen. Und auch die Hitzerekorde purzelten exakt in dieser Periode. Laut Reinhard Hinz stach der Zeitraum vom 24. bis 26. Juli besonders hervor: „Am 24. Juli habe ich 35,2 Grad Celsius gemessen, am 25. Juli 36,6 Grad und am 26. Juli 35,8 Grad. In Deutschland wurde damals die höchste jemals gemessene Temperatur festgestellt. Das war am 25. Juli in Lingen/Ems und sie betrug laut DWD 42,6 Grad Celsius.“ An 25 DWD-Messstellen in Deutschland zeigten die Thermometer an diesem Tag 40 Grad Celsius und mehr.

Hitze auf der einen Seite, Kälte und Schnee auf der anderen. Was den Winter angeht, fällt die Bilanz von Reinhard Hinz in diesem Jahr allerdings eher „mager“ aus: „Erst Ende Februar/Anfang März 2019 habe ich eine geschlossene Schneedecke festgestellt. Damals lag elf Tage lang Schnee, die maximale Schneehöhe betrug 18 Zentimeter.“ Das war es allerdings dann auch schon mit der weißen Pracht. Eine für die Skilift-Betreiber ernüchternde Bilanz. Die Autofahrer wird’s hingegen gefreut haben.

Spielt das Wetter zunehmend auch in Meinerzhagen verrückt? Wirkt sich der Klimawandel bereits aus, auch im Volmetal? „Schwierig zu belegen. Längere Trocken-, Hitze- und Kälteperioden gab es auch in vergangenen Jahrhunderten immer wieder“, sagt Hinz, für den in diesem Zusammenhang nur seine Zahlen zählen. Der Wetter-Fachmann, der sich in Redlendorf seit dem Jahr 2007 für den DWD mit dem Klima befasst, hat dennoch Verständnis für alle, die die Fridays-for-Future-Bewegung unterstützen. „Die Erderwärmung ist ein weltweites Problem. Wir sollten wirklich damit aufhören, unseren Planeten weiter auszubeuten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare