Wenn die Angst wie eine Sprosse sprießt

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Lia Grote und Brigitte Schlösser verkaufen weiterhin ohne Probleme Gemüse. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Gurken. Tomaten. Salat. Gemüse, das vor wenigen Wochen noch als gesund galt und Menschen gerne gegessen haben, verbinden viele Konsumenten inzwischen mit Angst. Angst vor einer Darminfektion. Angst vor Bakterien. Angst vor EHEC. Gestern die Entwarnung: Freispruch für Gurken, Tomaten und Salat. Trotz der Meldung des Robert-Koch-Institutes bleibt bei vielen aber der Zweifel.

„Wir haben bei den drei Produkten einen Verkaufsrückgang von mindestens 95 Prozent“, sagt Dirk Spitzer vom gleichnamigen Obst- und Gemüsestand auf dem Meinerzhagener Wochenmarkt. Daher habe er nur geringe Mengen der betroffenen Gemüsesorten gekauft. Durch anderes Gemüse und Obst könnte er die Verluste kompensieren. Doch: „Bei den Bauern geht es um Existenzen.“

Ähnlich sieht es Bernd Syrek: „Ich hätte mir erhofft, dass es solche weitreichenden Maßnahmen nicht nur aufgrund eines kleinen Verdachtes gegeben hätte. Das schadet allen.“ Dennoch habe er persönlich keinen großen Einbruch erlebt. „Vielleicht zehn Prozent“, meint der Betreiber des Obst- und Gemüsestands vor der Stadthalle. Da die Kunden von der Qualität seiner Produkte überzeugt seien, kämen sie auch weiterhin.

Keine Einbußen hat der Gemüse- und Obsthändler Paul Schlösser. Dies liegt nach Meinung der Verkäuferinnen Lia Grote und Brigitte Schlösser daran, dass alle Produkte aus dem Raum Köln-Bonn kämen und das Unternehmen auf eine lange Tradition zurück blicken könne. Seit 1890 werden Gemüse, Obst und Eier angeboten. „Alles ungespritzt und unbehandelt“, sagt Grote. Die 82-Jährige hat Erfahrung in dem Geschäft: Seit sie zehn Jahre alt ist, steht sie am Marktstand – landauf, landab. Grote: „Die Kunden vertrauen uns – sie wissen, dass sie hier Qualität bekommen.“ Daher lässt sich das Duo das Geschäft auch nicht von EHEC „vergurken“.

Über einen Anstieg der Umsätze kann sich Hans-Peter Hartmann freuen. Er macht ein größeres Geschäft mit Tomaten, Gurken und Salat – allerdings mit den Pflanzen. „Durch EHEC steigt die Nachfrage. Viele pflanzen statt Blumen nun Gemüse in die Kübel.“ Hartmann meint, dass um EHEC zu viel Aufhebens gemacht wird. Daher isst er auch weiterhin Gemüse. Egal, ob das Robert-Koch-Institut davor warnt oder nicht.

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