Meinerzhagen besonders niederschlagsreich

Im Januar war die Fürwigge nach den enormen Niederschlägen randvoll. ▪ Archivfoto: Machelett

MEINERZHAGEN ▪ Erneut sorgt in der vom Deutschen Wetterdienst (DWD) vorgelegten Auswertung aller 2000 Messstationen in Deutschland Meinerzhagen für eine besondere Erwähnung: Mit 604 Litern auf den Quadratmeter gehörte die Station in Meinerzhagen-Redlendorf zu den bundesweit niederschlagsreichsten Orten.

Kalendermäßig beginnt der Frühling zwar erst am 20. März. Die Meteorologen jedoch teilen die vier Jahreszeiten monatsgenau auf und legen mit Ablauf des 29. Februar somit bereits die Schlussbilanz für den Winter 2011/12 vor.

Vor allem im Dezember mit 302 Litern und im Januar mit 256 Litern gab es in der von Reinhard Hinz im Auftrag betriebenen heimischen Messstation rekordverdächtige Niederschlagsmengen. Auch im vorangegangen Winter 2010/11 lieferte die in einer Höhe von 390 Metern über dem Meeresspiegel liegende Station gleich zwei vom Deutschen Wetterdienst publizierte Rekordwerte: In der Rangliste der niederschlagsreichsten Orte belegte man mit seinerzeit 386,1 Litern Niederschlag von Dezember bis Februar deutschlandweit Platz 2. 185,9 mm Niederschlag im Januar 2011 waren dabei ebenfalls deutschlandweit die zweithöchste gemessene Monatsmenge. Anders als diesmal fiel damals dieser Niederschlag aber überwiegend in gefrorener Form als Schnee. Diesmal bei noch deutlich höherer Niederschlagsmenge war es vornehmlich Regen, der zum Teil für überflutete Bachläufe und trotz des vorangegangenen ungewöhnlich trockenen Novembers auch für überlaufende Talsperren sorgte.

Mit einer durchschnittliche Niederschlagsmenge von etwa 249 Litern pro Quadratmeter gehört der Winter 2011/12 in Deutschland zu den acht nassesten seit 1881. Die größten Gesamtsummen entstanden im West- und Nordweststau der Gebirge, wobei Freudenstadt im Schwarzwald mit etwa 687 Litern an der Spitze lag. Am trockensten blieb Artern im nördlichen Thüringen mit nur 80 Litern Die höchste Tagesmenge meldete Beerfelden im Odenwald am 4. Dezember mit 70,3 Litern.

Während der Winter 2011/12 in vielen Regionen des Westens nur sehr wenig oder überhaupt keinen Schnee brachte, fielen im Süden, besonders im Alpenvorland, teilweise erhebliche Schneemassen. In Reit im Winkl türmte sich die „weiße Pracht“ am 16. Februar immerhin 120 cm hoch auf.

Trotz der Nässe erlebte Deutschland auch einen sonnenscheinreichen Winter: Mit 182 Stunden übertraf er das Soll von 154 Stunden um 18 Prozent. Die sonnigste Station hieß Lenzkirch-Ruhbühl im östlichen Schwarzwald mit 238 Stunden, die sonnenärmste war Lennestadt-Theten im Sauerland mit etwa 129 Stunden.

Der Winter 2011/12 verlief in der Gesamtbilanz des Deutschen Wetterdienstes insgesamt vergleichsweise mild, bei deutlichem Niederschlags- und leichtem Sonnenscheinüberschuss. Nachdem im Herbst 2011 noch zahlreiche Hochdruckgebiete die Witterung in Deutschland bestimmt hatten, kam Anfang Dezember eine ausgeprägte westliche Strömung in Gang, mit der zahlreiche Sturmtiefs über Nordeuropa ostwärts zogen. Sie führten überwiegend milde und sehr feuchte Luft heran. Mit einer Unterbrechung Mitte Januar hielt diese Großwetterlage acht Wochen lang an. Erst Ende Januar stellten sich den nordeuropäischen Sturmtiefs umfangreiche Hochdruckgebiete in den Weg, die aus Sibirien kommend sich bis Nordwestrussland erstreckten und eisige Kälte nach Mitteleuropa schaufelten. So herrschten – je nach Region – für zwei bis drei Wochen strenge Fröste in ganz Deutschland. Erst ab Mitte Februar konnte sich allmählich wieder mildere Luft durchsetzen.

Im Winter 2011/12 lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland mit 1,0 Grad Celsius um 0,8 Grad höher im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Verhältnis zur Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung lediglich +0,1 Grad. Von Anfang Dezember bis Ende Januar und in der zweiten Februarhälfte befand sich Deutschland meist im Zustrom milder Luftmassen. Am höchsten kletterte das Quecksilber dabei im 983 m hoch gelegenen Mittenwald-Buckelwiesen am 24. Februar auf 17,3 Grad. Von Ende Januar bis Mitte Februar gelangte nahezu ganz Europa dagegen in den Einflussbereich der riesigen, nordwestrussischen Hochdruckgebiete „Cooper“ und „Dieter“, die Deutschland vorübergehend unter eisiger Kälte aus Nordosten erstarren ließen. Verbreitet traten strenge Fröste von unter minus 20 Grad auf.

Die kälteste Nacht registrierten die Meteorologen des DWD in Oberstdorf am 6. Februar mit minus 29,4 Grad. In Meinerzhagen-Redledorf wurde in der Nacht zuvor mit minus 21 Grad die kälteste Temperatur des nun meteorologisch zu Ende gegangenen Winters 2011/12 gemessen. ▪ -fe

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