Weiterbilden, retten, bergen, löschen

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Am 29. Juni musste ein Großbrand am Philosophenweg gelöscht werden. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Ob Großbrand wie am 29. Juni 2010 am Philosophenweg oder „Sturmschäden“, beispielsweise nach dem Tief „Xynthia“ am 28. Februar – die Feuerwehr rückte aus.

Auf die 193 Frauen und Männer (Stand: 25. November 2010) der vier Meinerzhagener Löschzüge ist Verlass. Was allerdings kaum jemand ahnt: Einsätze machen nur einen Bruchteil der Zeit aus, die die Freiwilligen für die Feuerwehr und damit die gesamte Bevölkerung opfern. Lehrgänge, Diensteinsätze in den Gerätehäusern und Fortbildungen sind Pflichttermine, für die noch mehr Arbeitsstunden geleistet werden.

So auch im vergangenen Jahr. Neben den 204 Einsätzen standen für viele Feuerwehrleute Lehrgänge auf Landes-, Bezirks- und lokaler Ebene auf dem Dienstplan. Einige davon fanden am Institut der Feuerwehr in Münster statt. Verbandsführer, Gruppenführer, Führer im ABC-Einsatz (atomar, biologisch, chemisch), Gerätewart oder Ausbilder – die Fachbereiche der besuchten Fortbildungsangebote in der nordwestfälischen Universitätsstadt waren vielfältig. Doch auch im Märkischen Kreis nahmen Meinerzhagener Feuerwehrspezialisten die unterschiedlichsten Weiterbildungsangebote wahr. Allein sieben Wochenenden opferten drei Feuerwehrmänner aus der Volmestadt im Jahr 2010 für einen ABC-Lehrgang – schon das verdeutlicht, wie engagiert die heimische Wehr daran arbeitet, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Besonders wichtig ist es der Wehrleitung um Stadtbrandinspektor Thomas Decker und seinen Stellvertreter Ulrich Blumenrath, dass stets genügend Frauen und Männer zur Verfügung stehen, die Atemschutzgeräte tragen dürfen und können. Bei fast jedem Brand kommen die „Atemschutzträger“ zum Einsatz. Um die Sauerstoffflasche samt Maske aber überhaupt anlegen zu dürfen, sind eine Spezialausbildung und ein Medizincheck nötig. „Hier werden wir künftig verstärkt Werbung auch in der aktiven Wehr machen, um zusätzliche Kräfte zu gewinnen oder zu reaktivieren“, haben sich Decker und Blumenrath vorgenommen.

An Nachwuchs generell mangelt es nicht – doch neue Jugendfeuerwehrleute sind stets hochwillkommen. Am 24. November 2010 hatte die Jugendfeuerwehr 25 Mitglieder, aus dieser Abteilung rekrutiert sich die zahlenmäßig stärkste Gruppe der aktiven Wehr. So konnten kürzlich sechs Jugendliche in die vier Löschzüge eingegliedert werden. Viele „Altgediente“ halten der Meinerzhagener Feuerwehr schon seit vielen Jahren die Treue. 2010 wurden für ihr 35-jähriges Dienstjubiläum mit dem Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet Andreas Barutta (LZ Meinerzhagen), Manfred Hesse (LZ Valbert) und Reinhard Schmidt (LZ Valbert).

Eine immer größere Bedeutung kommt aus Sicht der Feuerwehr dem Wetter zu. Hilfeleistungen wegen „Wasser, Sturm und Unwetter“ machten 2010 mit 52 Alarmierungen den größten Teil der insgesamt 204 Einsätze aus. Ärgerlich: 24 Mal musste die Wehr ausrücken, weil Brandmeldeanlagen in heimischen Betrieben und anderen Einrichtungen Alarm geschlagen hatten, obwohl kein Feuer ausgebrochen war. Ulrich Blumenrath kennt einige Gründe für diese Fehlalarme nur zu gut: „Da muss beispielsweise ein Gabelstapler vor den Betriebsferien nur unter einem Brandmelder abgestellt werden. Wird er nach einer Woche wieder angelassen, stößt er zunächst eine dicke Abgaswolke aus – und die aktiviert dann den Melder.“ Kleinbrände (43 Einsätze), Verkehrsunfälle (22), Ölspuren (17), Technische Hilfe (17), Menschen in Notlage (14), Einsätze in anderen Städten und Gemeinden (3), Großbrände (2) und mittelgroße Brände (2) fielen 2010 ebenfalls an. Erfreulich: Böswillig ausgelöste Fehlalarme gab es im vergangenen Jahr nicht.

Das Jahr 2010 war für die Feuerwehr reich an Höhepunkten. Besonders erfreulich: Am 12. März wurde das Gerätehaus Valbert nach dem Um- und Erweiterungsbau eingeweiht. Am 23. Juni startete eine Abordnung der Wehr zur Firma Ziegler nach Giengen, wo das neue Löschgruppenfahrzeug LF 20/16 für die Löschgruppe Willertshagen abgeholt wurde. Am 6. November ging ein großer Wunsch in Erfüllung: Die neue Drehleiter wurde in Dienst gestellt. „Eine technisch und personell gut aufgestellte Wehr ist für eine Stadt günstiger, als wenn man dort einspart,“ führte Bürgermeister Pierlings mit Blick auf die Kosten von 550 000 Euro aus. Und: Er sei dankbar, dass man sich auf die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr, die ihre Aufgaben in ehrenamtlicher Arbeit erfülle, verlassen könne. ▪ beil

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