"Die Menschen stehen bei uns im Vordergrund"

Festtage im Quartier der Generationen

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Gemeinsam kochen – das ist Programm in den Demenz-Wohngemeinschaften. Hier widmen sich Mitarbeiterin Nesrin Hüyük, Bewohnerin Theresia Gruin und Praktikantin Jana Hiersemann dem Eintopf.

Meinerzhagen - Weihnachten war die Zeit der Besinnung, Silvester ist Party angesagt. Nicht alle Menschen können oder wollen zum Jahreswechsel allerdings feiern. Wer krank ist, dem steht der Sinn nicht nach festlichem Essen und Musik. Oder doch?

In den drei Demenz-Wohngruppen im Quartier der Generationen ist der 31. Dezember jedenfalls ein ganz besonderer Tag. Und das werden auch die insgesamt 17 Bewohner merken, die von APD, den Ambulanten Pflegediensten Meinerzhagen, betreut werden.

„Menschen, die demenziell erkrankt sind.“ Petra Hasenau legt Wert auf genau diese Formulierung. Und das hat einen Grund. Die Leiterin des Hauses nennt ihn: „Die Menschen stehen bei uns im Vordergrund, stehen an erster Stelle.“

Das ist zum Beispiel auch bei der Auswahl des Festmenüs für Weihnachten beziehungsweise Silvester so. „Die Mieter entscheiden. Manche sind dann etwa für Würstchen mit Kartoffelsalat, andere möchten Fisch. Wir entnehmen die jeweiligen Vorschläge dabei immer den Biografien unserer Bewohner, die Auskunft über Lieblingsspeisen geben“, erklärt Hasenau. Anschließend werde abgestimmt und dann gekocht – oft gemeinsam.

Dass die dementen Menschen allerdings das mitternächtliche Feuerwerk miterleben, ist eher unwahrscheinlich. Theresia Hasenau: „Bis dahin dauert es zu lange. Alle werden sich dafür entscheiden, lieber vorher schlafen zu gehen.“

Tischfeuerwerk zu Silvester

Bis es so weit ist, dass die Augen vor Müdigkeit zufallen, werden die Mitarbeiterinnen des Hauses allerdings alles tun, um wenigstens ein wenig Festtagsstimmung aufkommen zu lassen: „Wir haben zum Beispiel ein Tischfeuerwerk geplant“, verrät Theresia Hasenau.

Menschen mit Demenz benötigen eine Betreuung rund um die Uhr. Das ist bei APD auch zu Silvester garantiert. „Insgesamt haben wir 29 Mitarbeiter. Teilweise sind das examinierte Altenpfleger, zum Teil Betreuungskräfte. Ich selbst bin examinierte Krankenschwester“, erläutert die Leiterin des Hauses. Sie bewundere die Kolleginnen, die an den Feiertagen Dienst hätten. So wie die türkische Mitarbeiterin Nesrin Hüyük. „Sie meldete sich freiwillig für den Heiligen Abend. Dafür bekommt sie dann am islamischen Zuckerfest natürlich frei“, schildert Theresia Hasenau.

Dass in wenigen Tagen das Jahr 2018 Geschichte ist und 2019 beginnt, das sei den Bewohnern nicht immer bewusst. Um ein wenig Hilfestellung zu geben, wurden im Quartier der Generationen auf jeder Etage dekorative Holzkalender aufgehängt. „Die dienen als zeitliche Orientierungshilfe“, begründet die Leiterin diese Maßnahme.

Gespräche, meist über früher – das steht auch an Silvester bei den Senioren der Einrichtung hoch im Kurs. „Was in diesem Zusammenhang nicht geht, sind die W-Fragen. So können wir beispielsweise keine Unterhaltung mit dem Satz ,wie haben Sie eigentlich früher gefeiert’ beginnen“, schildert Theresia Hasenau. Stattdessen formulieren sie und ihre Kolleginnen immer eine kleine Geschichte zum Einstieg in das Gespräch, um die Bewohner dann alles Weitere aus früheren Tagen selbst erzählen zu lassen.

Angehörige spielen eine große Rolle

Eine ganz große Rolle spielen für die Pflegekräfte auch die Angehörigen. „Die sind ganz wichtig und sie sind jederzeit herzlich willkommen“, lädt Theresia Hasenau ein. Das funktioniere auch hervorragend und auf den verschiedenen Etagen gibt es auch Gemeinschaftsräume, in denen gemütlich gefeiert werden kann, mit Kindern und anderen Verwandten. „Für unsere Bewohner ist es nämlich einfacher, wenn sie Weihnachten oder Silvester nicht aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden“, erklärt die Leiterin des Quartiers der Generationen.

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