Der Wasserpest bekommt der Frost nicht gut

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Dieses Foto vom Donnerstag dieser Woche entstand an der Brucher-Talsperre und zeigt Reste der Wasserpest, die hier im Bereich der Staumauer aus dem Wasser gefischt und jetzt beseitigt werden. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Zwei aufeinander folgende Winter mit lang anhaltender Frostperiode haben an den heimischen Talsperren für eine diesmal wirkungsvolle Bekämpfung des Phänomens der wuchernden Wasserpest gesorgt.

„An der Listertalsperre sieht es sehr gut aus. Es gibt allen Grund, optimistisch der kommenden Freibadesaison entgegen zu schauen. Die Wasserpest ist nach jetziger Einschätzung gottseidank kein Thema mehr“, äußert sich gegenüber der MZ der Valberter Ortsvorsteher Fred Oehm. Er war einer der ersten, der sich mit Wort und auch Tat aktiv einsetzte, um das Ausbreiten dieser vermutlich von Vögeln und auch über die Schifffahrt von Nordamerika nach Deutschland eingeschleppten, sich stark vermehrenden Wasserpflanze zu stoppen.

Erstmals war die Elodea, so der lateinische Name der Pflanze mit bis zu drei Meter langen Wurzeln, 1999 auch an der Listertalsperre aufgetreten. Damals gelang es, im Rahmen eines großen Arbeitseinsatzes, nach vorherigem Absenken des Wasserspiegel, durch Abharken der Wurzeln im Uferbereich das weitere Wachstum zu stoppen. Das ging gut bis zum Sommer 2005. Der Valberter Ortsvorsteher warnte damals: „Wenn nicht bald etwas geschieht, können wir die Badesaison des kommenden Jahres vergessen!“ 2008 war das schlimmst mögliche Szenario tatsächlich eingetreten: Die Wasserpest hatte sich nahezu flächendeckend im Uferbereich so weit ausgebreitet, dass zur Sicherheit von Schwimmern ein Badeverbot verfügt werden musste. Im Juli kam es zu einem dramatischen Vorfall: Zwei Wassersportler waren mit ihrem kleinen Boot in einem riesigen Pflanzenteppich gekentert. Eine der beiden Personen verfing sich in dem Gestrüpp und wäre beinahe ertrunken, wenn nicht beherzte Badegäste zu Hilfe gekommen wären.

Im Listertal mobilisierte sich eine Bürgerinitiative. Anwohner forderten aus Sorge um den Fortbestand des Tourismus an der Talsperre wirksame Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Wasserpest.

Auch die Stadt Meinerzhagen wurde aktiv. Sie beauftragte ein Forstunternehmen, das mit einem Boot, einem großen Wasserrechen und einer Zugwinde über mehrere Tage hinweg im Einsatz war, um im Bereich Windebruch/Heiligenberg die Wasserpflanzen in großem Stil „aberntete“.

Im Februar 2009 versammelten sich auf Einladung des Ortsvorstehers noch einmal zahlreiche Freiwillige, die nach der langen Frostperiode und dem vorherigen Absenken des Wasserspiegels durch den Ruhrverband noch einmal im Uferbereich „nacharbeiteten“.

Auch an der Bruchersperre war die Wasserpest seitens des Wupperverbandes durch gezieltes Absenken und Wiederaufstauen in der Winterzeit bekämpft worden. „Mit Erfolg“, wie jetzt Monika Ebers von der Pressestelle des Verbandes auf Anfrage der MZ mitteilte. So wurden gerade in den letzten Tagen noch einmal größere Mengen der Schlingpflanze, die sich im Bereich der Staumauer gesammelt hatten, aus dem Wasser gefischt und anschließend abgefahren. „Das waren noch Reste vom vergangenen Jahr, die sich hier gesammelt hatten“, so Ebers. Es habe sich gezeigt, dass ein Absenken des Wasserspiegels vor Beginn der Frostperiode ein überaus probates Mittel sei. Dass es sowohl im Winter 2009/10 als auch diesmal im Winter 2010/11 über viele Woche hinweg anhaltend Minusgrade gab, habe den gewünschten Effekt gebracht: Die Wurzeln der Elodea im Uferbereich seien abgefroren.

So paradox es auch klingt: Eigentlich ist das Auftauchen der Wasserpest an einem Gewässer sogar ein positiver Indikator: „Die Pflanze gedeiht überall dort sehr gut, wo das Wasser besonders klar und rein ist“, so Ebers. Angesichts der starken und schnellen, fast explosionsartigen Wachstums- und Ausbreitungsfähigkeit der Wasserpest wollen sowohl der Wupper- als auch der Ruhrverband weiterhin wachsam sein und eingreifen, wenn es geboten ist. Dazu rät nach den an der Listertalsperre mittlerweile über einen langen Zeitraum gemachten leidlichen Erfahrungen dringend auch Ortsvorsteher Fred Oehm. ▪ -fe

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