Wasser der Fürwigge ist einwandfrei

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Michael Berkenkopf ist sicher: „Die Fürwigge ist die am besten untersuchte Talsperre Deutschlands. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Endlich Entwarnung!

Die Stadtwerke Meinerzhagen können ihre seit dem 13. April unterbrochene Trinkwasserförderung an der Fürwigge-Talsperre in Kürze wieder aufnehmen. Heute gaben der Ruhrverband und das Kreisgesundheitsamt Entwarnung. Die Stadtwerke müssen nun noch einige technische Vorbereitungen treffen. „Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe der kommenden Woche den Betrieb wieder aufnehmen können“, erklärte der technische Geschäftsführer der Stadtwerke, Michael Berkenkopf, der zudem erklärt, dass sich der wirtschaftliche Schaden durch die Versorgungsunterbrechung für das kommunale Versorgungsunternehmen „in Grenzen hält.“ Nachdem jetzt alles erdenkbar Mögliche getan worden sei, um der Ursache auf den Grund zu gehen, vor allem aber auch laufende Kontrollen den einwandfreien Zustand des Fürwigge-Wassers nachgewiesen hätten, könne jeder Verbraucher absolut unbesorgt Trinkwasser aus der Fürwigge genießen, betont Berkenkopf.

Nach umfassenden Untersuchungen und Ursachenforschungen des Fischsterbens vom 13. April, ist die Fürwiggetalsperre aktuell eine der am intensivsten beprobten Talsperren Deutschlands. Gefunden worden waren insgesamt 30 tote Bachforellen.

Alle Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das Wasser der Fürwiggetalsperre eine ausgezeichnete Qualität hat. Die Ursache des auf einen kleinen Teilbereich der Talsperre begrenzten Fischsterbens – vorwiegend Bachforellen sowie einige wenige Koppen und Elritzen waren betroffen – konnte jedoch nicht ermittelt werden, teilte der Ruhrverband heute in einer mit allen Beteiligten abgestimmten Presseerklärung mit. Hier der weitere Wortlaut der offiziellen Stellungnahme: „Es ist davon auszugehen, dass der Auslöser für das Fischsterben nicht mehr vorhanden ist, da die markierten Bachforellen, die nach dem Auffinden der toten Fische zu Überwachungszwecken in die Fürwiggetalsperre eingesetzt worden waren, keinen Schaden genommen haben. Auch war bereits am 3. Mai bei einer Probebefischung im Talsperrenkörper ein vitaler Bestand an Fischen, vor allem Alpinen Seesaiblingen, festgestellt worden.

Um dem Fischsterben in der als Trinkwassertalsperre genutzten Fürwiggetalsperre auf den Grund zu gehen, hat der Ruhrverband für Untersuchungen durch das eigene Labor und durch externe Institute sowie für weitere Maßnahmen rund 80 000 Euro aufgewendet.

Seit dem 13. April wurden insgesamt 55 Proben aus der Talsperre und den Zuläufen entnommen. Die Befunde der Untersuchungen auf die „Allgemeinen chemischen Parameter“ (ACP) waren durchgängig unauffällig, auch Schwermetalle können als Ursache ausgeschlossen werden. Elf Wasserproben aus der Fürwiggetalsperre und den Zuläufen sowie sechs Bodenproben hat das Ruhrverbandslabor mit massenspektrometrischen Methoden untersucht. Dabei konnten keine relevanten Befunde festgestellt werden.

In den Zuläufen wurden am 19. und 27. April sowie am 3. Mai Untersuchungen der Gewässersohle und der unter Wasser liegenden Uferbereiche vorgenommen, die keine saprobiellen Beeinträchtigungen des Tier- und Pflanzenlebens zeigten – das entspricht einer Einstufung in Güteklasse I (beste Güteklasse). Lediglich im Versebach und der Schürfelder Becke wurde das Fehlen einiger Organismusgruppen wie Eintagsfliegen und Kleinkrebse festgestellt, das jedoch auf natürliche Ursachen, nämlich die zeitweise Versauerung während der Schneeschmelze, zurückzuführen ist.

Das Talsperrenwasser wurde darüber hinaus mittels Biotests sowohl mit Daphnien (Wasserflöhen) als auch mit als sehr empfindlich geltenden Fischeiern untersucht. Die Daphnientests mit den Proben vom 13. April ergaben durchgängig, dass das Wasser aller fünf Zuläufe gegenüber Daphnien untoxisch war. Die Fischereitests zeigten in einigen wenigen Proben vor der Talsperrenmauer und im Auslauf eine geringfügige Beeinträchtigung an. Der letzte Befund dieser Art trat am 17. Mai auf, bei den am 23. und am 26. Mai entnommenen Wasserproben war keine negative Wirkung mehr gegenüber Fischeiern nachweisbar.

Auch die Untersuchungen an den um den 13. April herum verendeten Fischen ließen keine Rückschlüsse auf die Ursache des Fischsterbens zu. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), Dienststelle Kirchhundem, hat mehrere Elritzen und Bachforellen pathologisch, parasitologisch, bakteriologisch und virologisch untersucht und dabei keine Infektionskrankheiten nachgewiesen. Auch eigene Untersuchungen durch den Fischwirtschaftsbetrieb des Ruhrverbands ergaben keinen eindeutigen Hinweis auf eine Schädigung der Tiere. Die Untersuchungen des Instituts Fresenius in Taunusstein auf eine Belastung mit PAK, Pestiziden, organischen Verunreinigungen und Schwermetallen waren ebenfalls ohne Befund.

Am 5. Mai wurde das Einzugsgebiet der Fürwiggetalsperre durch Beschäftigte des Ruhrverbands in einem 200-Meter-Raster abgegangen und somit gewissenhaft durchgekämmt. Dabei wurden keine Auffälligkeiten festgestellt, die mit dem Fischsterben in Verbindung gebracht hätten werden können. Tauch- und Sonaruntersuchungen an der Talsperrenmauer sowie in den Mündungsbuchten des Versebachs und des Brinkbachs am 10. und 11. Mai ergaben ebenfalls keine Hinweise auf eine mögliche Ursache.

Zur Sicherheit hat das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises weitere Trinkwasseruntersuchungen im Wasserwerk Meinerzhagen veranlasst. Die Ergebnisse sollen in der kommenden Woche vorliegen. Falls auch diese Proben unauffällig sind, wovon das Gesundheitsamt ausgeht, wird die Wasserentnahme aus der Fürwiggetalsperre wieder freigegeben. ▪ -fe

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