Waschbären sind auf dem Vormarsch

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Dieser Waschbär hatte sich in der Ortschaft Berg im Listertal in den Garten von Familie Schulte verirrt. Der unfreiwillige Besucher wurde kurzerhand eingefangen und zurück in den Wald gebracht – nicht ohne Abschiedsfoto.

Meinerzhagen - Ein Bär in Meinerzhagen? Aber sicher! Und nicht nur einer. Auch in den Wäldern und Randgebieten der Ortschaften rund um die Volmestadt fühlt sich eine Spezies wohl, die eigentlich aus Nordamerika stammt. Bei den „Einwanderern“ handelt es sich um Waschbären und Ivonne Schulte aus Berg bekam kürzlich eines dieser scheuen Tiere zu Gesicht. Meister Petz im Kleinformat tummelte sich in ihrem Garten.

Revierförster Matthias Borgmann vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW wunderte sich jedenfalls überhaupt nicht, als er von dieser Sichtung erfuhr: „Diese Tiere sind bei uns nicht selten. Sie sind scheu und zurückhaltend, suchen jedoch immer mehr den Kontakt zu Menschen, so wie auch der Steinmarder.“ Das, so Borgmann weiter, sei für die Bevölkerung zwar nicht gefährlich, könne dennoch unangenehme Auswirkungen haben. „Die Tiere können in Dämmungen von Decken eindringen und sie sind auch manchmal an Hauswänden unterwegs.“ 

Laut Borgmann können sie viel Dreck verursachen und Besitzer beispielsweise von Scheunen in Außenbezirken nerven. „Ihre Losung stinkt zudem bestialisch“, weiß der Förster aus dem Revier Beckerhof. In der Innenstadt sei ein Besuch von Waschbären eher unwahrscheinlich, in ländlichen Randbereichen könne es aber durchaus zum Kontakt zwischen Mensch und Waschbär kommen, berichtet der Forstexperte weiter. Diese Aussage bestätigt auch eine Beobachtung, die Bewohner des Listertals vor etwa zwei Wochen machten: Zwischen Eseloh und Hunswinkel wurde eine Waschbär-Mutter mit drei Jungtieren gesehen. 

Lange ist „Procyon lotor“ noch nicht in Deutschland unterwegs. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) berichtet: „Mittlerweile ist der Waschbär in vielen Teilen Europas verbreitet. Im Jahr 1934 setzte man aus jagdlichen Gründen am hessischen Edersee zwei Paare aus. Gut zehn Jahre später schafften es weitere Individuen, aus einer Pelztierfarm im Kreis Strausberg – östlich von Berlin – zu entkommen. Rückblickend steht fest, dass beide Populationen den Grundstock des heutigen deutschen Bestandes bilden.“ Und der ist nicht klein. Betrug die Jagdstrecke in NRW (inklusive Fallwild) in der Jagdsaison 2001/2002 noch 2200 Tiere, waren es 2016/2017 bereits 12 803 Waschbären.

Der Namenszusatz „Bär“ suggeriert eine Gefahr für Menschen – die laut Borgmann von dem Tier aber nicht ausgeht. „Der Waschbär, der gerne auch in Löchern in alten Bäumen lebt, ist ein klassischer Allesfresser. Es ernährt sich von Beeren ebenso wie von kleinen Tieren und Aas. Und er bevorzugt Wälder mit einem Wasseranteil wie Bäche.“

Der Waschbär ist übrigens nicht das einzige Raubtier, das in Deutschland eine neue Heimat gefunden hat. Matthias Borgmann berichtet davon, dass der Marderhund ebenfalls auf dem Vormarsch ist. „Der stammt aus Osteuropa und er wird jetzt auch bei uns immer wieder gesichtet. Manchmal wird er mit dem Waschbären auch verwechselt.“

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