Tierischer Fund: Warum Vögel im Schornstein lebensgefährlich sein können

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Mike Budde machte jetzt einen besonderen Fund: Die Krähe hinter der Revisionsklappe stellte für die Hausbewohner aber keine Gefahr dar.

Meinerzhagen - Eine kuriose Entdeckung machte jetzt Bezirksschornsteinfegermeister Mike Budde bei einem Kontrollbesuch in einem Mehrfamilienhaus in Meinerzhagen: Eine kopflose Krähe lag im Schornstein. Nicht schön, aber im Vergleich zu anderen, ähnlichen Fällen harmlos.

Dass Wartungs- oder auch Revisionsklappen durchaus ihren Sinn haben, weiß jeder Schornsteinfeger. Meist ist es herabgefallener Ruß, der regelmäßig aus dem Schacht entfernt werden muss, damit sich der Kamin nicht langfristig zusetzt. Was Mike Budde, als Bezirksschornsteinfeger unter anderem für den Bereich Meinerzhagen zuständig, jetzt aber in einem Mehrfamilienhaus an der Hauptstraße fand, war dann doch nicht alltäglich.

Eine verendete Krähe lag hinter der Revisionsklappe. Für den Hausbewohner ein überraschender Fund, für den Schornsteinfeger zwar auch keine Routine, aber gar nicht so außergewöhnlich. Wie die Krähe im Schornstein verendet ist, steht nicht fest. 

„Häufig werden diese Tiere benebelt, wenn sie sich auf an der Schornsteinmündung aufhalten und die Abgase zu lange einatmen. Dann fallen sie bewusstlos einfach herunter und verenden, weil sie im engen Schacht ihre Flügel gar nicht mehr ausbreiten können.“ Für Mike Budde war dieser Fall also schnell erledigt. Andere tierische Hinterlassenschaften können da schon komplizierter sein. 

„Gerade im Frühjahr nutzen vor allem Dohlen als Höhlenbrüter jede Möglichkeit, sich in vermeintlich geschützten Nischen ein Nest zu bauen“, sagt Budde. Regelmäßige Kontrollen sind daher notwendig, denn: „Durch die Nester kann sich der Kamin zusetzen und eine Ableitung der entstehenden Abgase ist nicht mehr möglich.“ 

Diese Krähe hat keine Chance gehabt.

Die Dohlen werfen Stöcke, Moos, Gras und mehr in den Schornstein – so lange bis sich Äste verhaken und auf dieser Grundlage ein dichtes Nest gebaut werden kann. „Das größte Problem besteht darin, dass die Betreiber von Gas- oder Ölheizung davon oft nichts mitbekommen. Also läuft die Feuerstätte weiter, die Gase treten im Aufstellraum aus“, erklärt Mike Budde. Und das kann tödliche Folgen haben. 

Geruchsloses Kohlenstoffmonoxid (CO) kann aus der Feuerstätte austreten. Die Folge: Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen, Benommenheit, Halluzinationen, Apathie, Krampfanfälle und Atemnot. Im Schlaf kann die Atmung aussetzen – und der Tod tritt ein. 

Ein derartiger Unfall habe sich vor Kurzem in Ahlen ereignet. „Bei den Kontrollgängen der Schornsteinfeger wird das Nistmaterial oft eimerweise zutage gefördert“, schreibt Budde in einem Informations-Flyer, den er an seine Kunden herausgibt. Zum Einsatz kämen dann sogenannte Harpunen – mit Widerhaken besetzte Speerspitzen –, um das Material aus dem Schornstein zu bekommen. Auch schwere Eisenkugeln werden an einer Kehrleine von oben in den Schornstein geworfen, um das Nest nach unten zu drücken. 

Dabei müssen die Fachleute aber Vorsicht walten lassen: Die Dohle ist nämlich eine geschützte Tierart. „Wenn sich Eier im Nest befinden, schalten wir daher immer den Tierschutzverein ein“, sagt Mike Budde. Sein Rat an die Kunden: „Wir appellieren in betroffenen Ortslagen, ein waches Auge zu haben, falls Dohlen am Schornstein etwa des Nachbarn gesichtet werden.“ 

In Meinerzhagen gebe es derzeit verstärkt im Bereich Hauptstraße und Birkeshöh eine auffällige Häufung von Nestfunden in Schornsteinen. „In solchen Ortslagen versuchen wir dann, präventiv tätig zu sein. Etwa durch sogenannte Dohlengitter, die auf die Schornsteine gesetzt werden.“

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