Betreiber Walter Jacobs gibt auf

Notbremse wegen warmer Winter: „Aus“ für Skilift Hahnenbecke

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Walter Jacobs hat in den vergangenen Jahren alles gesammelt, was „seinen“ Skilift betrifft. Alte MZ-Veröffentlichungen über Probleme mit dem Wetter im Jahr 2008 gehören dazu.

Meinerzhagen - Walter Jacobs ist traurig – aus gutem Grund: Der 78-Jährige wird wie kaum ein anderer Meinerzhagener mit dem Skilift in Hahnenbecke in Verbindung gebracht. Und er zieht jetzt die Notbremse. In der bald beginnenden Saison wird der Traditionslift am Ortsrand nicht mehr in Betrieb genommen.

1964 begann die Geschichte des kleinen, 180 Meter langen Skihanges. Schon damals war Walter Jacobs dabei. „Die Winter waren lang, es gab genügend Schnee. Doch das hat sich gravierend geändert. 2014/15 konnten wir wetterbedingt nur etwa eineinhalb Wochen öffnen. Die Saison davor ging gar nichts. Damals haben wir für nichts und wieder nichts auf- und abgebaut. Und das ist jedesmal eine Menge Arbeit“, erinnert sich Jacobs.

Die Klimaerwärmung sei auch in Meinerzhagen eben nicht mehr wegzudiskutieren, ist er überzeugt. Weil deshalb die Perspektive fehle und es Walter Jacobs altersbedingt auch etwas ruhiger angehen lassen will, hat er sich schweren Herzens zu dem drastischen Schritt entschlossen. „Von dem einstigen Betreiberzusammenschluss, offiziell eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, sind inzwischen nur noch ich selbst Andreas Kniese übrig. Wir lösen diese GbR nun auf, die Haftpflichtversicherung ist bereits gekündigt“, erläuterte Walter Jacobs am Mittwoch.

Ein Funke Hoffnung auf den Weiterbetrieb besteht aber noch. Jacobs: „Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn sich ein Nachfolger finden ließe.“ Dass das nicht einfach wird, ist dem 78-Jährigen aber klar. Denn: „Diese Anlage zu betreiben, bedeutet viel Arbeit.“ Darüber hinaus kostet der Lift auch Geld. „Haftpflicht, Dekra-Prüfung, Strom, das Erstellen der Bilanz – da kommen leicht mehr als tausend Euro pro Saison zusammen“, weiß Jacobs, der in der Vergangenheit auch schon einmal selbst einsprang, wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht deckten.

Augenblicklich schwelgt der Hahnenbecker Ski-Freund gern in Erinnerungen. 1964 sei der Skibetrieb auf dem Hang aufgenommen worden – damals noch ohne Licht und mit Holzstangen auf der Piste, an denen bei Dunkelheit Petromax-Lampen aufgehängt worden seien, schmunzelt Jacobs. 1967 wurde dann mit einem selbstgebauten Schlepplift das elektrische Zeitalter eingeläutet. Der neue „Multerer-Lift“ wurde 1978 eingebaut. Eine Flutlichtanlage – samt unterirdisch verlegter Elektro-Kabel – erhöhte den Komfort deutlich. Und der Hang wurde nun auch gewalzt. „Ein Service, den Skifahrer heute einfach verlangen“, weiß Walter Jacobs. Diese Arbeit übernimmt Andreas Kniese.

Zwar wurde den Nutzern der Anlage im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Komfort geboten, das wirkte sich aber nicht auf die Besucherzahlen aus. Kamen in den 60er und 70er Jahren Tausende, wurden zuletzt oft nur noch wenige Dutzend Gäste an einem Öffnungstag begrüßt. „Und fünf bis sechs Wochen Schnee und tiefen Winter – das gab es lange gar nicht mehr“, trauert Walter Jacobs alten Zeiten nach. Er weiß noch: „Vor langer Zeit gab es Jahre, da kamen Ski- und Schlittenfahrer mit Sonderzügen nach Meinerzhagen. Am Bahnhof bekamen sie sogar Schlitten, die der Fremdenverkehrsverein zur Verfügung stellte. Da war auch auf unserem Hang dann richtig Betrieb. Die Leute mussten vor dem Lift sogar Wartezeiten in Kauf nehmen.“

Damit ist es vorerst aus und vorbei. „Jetzt können die Kühe bei uns unter Flutlicht grasen“, flüchtet sich Jacobs in Galgenhumor. Er setzt nun auf einen Idealisten, der den traditionsreichen Lift übernehmen möchte: „Sollte jemand hier weitermachen, würde ich meine Erfahrung auch gern zur Verfügung stellen.“

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