Wetter-Fachmann aus Redlendorf zieht Bilanz

Wetter-Experte: Alles schon mal dagewesen

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Reinhard Hinz notiert sich die täglichen Werte in Tagebücher, die vom Deutschen Wetterdienst bereitgestellt werden.

Meinerzhagen – Das erste November-Drittel 2020 in Meinerzhagen schien mit erstaunlichen, geradezu außergewöhnlich milden Temperaturen aufzuwarten. So lockte das angenehme Wetter insbesondere am vergangenen Wochenende viele Spaziergänger auf die Wanderwege und an die heimischen Talsperren.

Allerdings: Auf den genaueren Blick zeigt sich, dass der erste oberflächliche Eindruck täuscht. Denn so ungewöhnlich sind die Temperaturen im Vergleich mit anderen Jahren der jüngeren Vergangenheit mitnichten. Ein MZ-Besuch bei Reinhard Hinz, der im 390 Meter hoch gelegenen Redlendorf eine Wetterstation für den Deutschen Wetterdienst betreibt, brachte interessante Erkenntnisse. 

Bereits seit 2007 führt Reinhard Hinz akribisch Buch über das Wetter in Meinerzhagen. Aktuellen Zugriff hat er zwar immer nur auf die Daten der vergangenen 14 Tage, doch vom Deutschen Wetterdienst werden Tagebücher zur Verfügung gestellt. Und in eben solchen hält der 81-Jährige detailreich die Witterungsverhältnisse in der Volmestadt fest: „Ich kann von 2007 bis heute genau nachvollziehen, welches Wetter an welchem Tag gewesen ist“, erklärt Reinhard Hinz. 

18-Grad-Marke knapp verpasst

Zuerst aber der Blick auf die aktuellsten Werte: Für die Tage vom 1. bis 10. November ergaben sich der Reihe nach die folgenden maximalen Lufttemperaturen (Angaben in Grad Celsius): 14,4; 17,9; 10,5; 9,1; 9,5; 11,7; 15,1; 14,2; 17,3 und 14,7. Somit also mehr als 15 Grad Celsius an drei Tagen, am 2. November wurde sogar die 18-Grad-Marke nur ganz knapp verpasst. Erstaunlich, könnte man meinen. Ist es aber gar nicht. Denn: „Es ist alles schon mal da gewesen“, weiß Reinhard Hinz und verweist auf gleich eine ganze Reihe von Werten aus den 2010er-Jahren. So betrugen 2011 die maximalen Lufttemperaturen am 4., 5. und 6. November 17,0, 16,2 und 17,5 Grad Celsius. Für Allerheiligen 2014 wurden sogar 18,6 Grad Celsius ermittelt. Im November 2015 stiegen die Temperaturen fünf Mal über 15 Grad Celsius, und zwar am 1. (16,1), 2. (15,6), 3. (16,8), 7. (16,2) und 8. November (15,6). 2016 konnte Reinhard Hinz für den 23. November - also schon gegen Ende des Monats - 14,7 Grad Celsius notieren. Und vor zwei Jahren entfielen die maximalen Monatswerte auf den 6. (17,1) und 7. November (14,9).

Gefühl spielt eine Rolle

Doch was ließ einen dann das erste November-Drittel 2020 als so ungewöhnlich mild wahrnehmen? Reinhard Hinz hat dafür eine überaus plausible Antwort: „Wir haben jetzt eine Vielzahl an schönen Tagen im November gehabt, nachdem der Oktober nicht golden, sondern total verregnet war. An 28 von 31 Tagen gab es Niederschlag im Oktober“, erläutert der Wetterbeobachter. So blieben im ersten November-Drittel hingegen vier von zehn Tagen (vom 4. bis 7. November) ohne Niederschlag. Zudem wurde mit der Temperatur von 17,9 Grad Celsius vom 2. November nahezu der Maximalwert vom Oktober (18 Grad Celsius am 21. Oktober) erreicht. Und auch dafür, dass gefühlt das vergangene Wochenende sich vermeintlich besonders hervorzuheben schien, hat Reinhard Hinz eine schlüssige Erklärung: „Es ist alles gefühlsmäßig. Wenn es vorher einige Tage kühler war und es dann von einem Tag auf den anderen wärmer wird, nimmt man das besonders angenehm wahr.“ So beliefen sich die Maximal-Temperaturen von Mittwoch, Donnerstag und Freitag auf 9,1, 9,5 und 11,7 Grad Celsius – und am Samstag gab es einen ordentlichen Sprung auf höchstens 15,1 Grad Celsius.

DWD-Prognose

Für die Tage bis zum kommenden Dienstag, 17. November, prognostiziert der Deutsche Wetterdienst übrigens maximale Lufttemperaturen zwischen 8 Grad Celsius am Montag und 13 Grad Celsius am Sonntag.

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