Walther Kämper gründet Zeitung für Meinerzhagen

Der Firmengründer: Walther Kämper (1887 - 1965).

MEINERZHAGEN - Seit 1911 wird in Meinerzhagen, der heute rund 21 000 Einwohner zählenden südlichsten Stadt im märkischen Sauerland, Zeitung gemacht.

Gedruckt wurde die im oberen Volmetal in den damaligen Gemeinden Meinerzhagen, Valbert, Kierspe und Rönsahl verbreitete Heimatzeitung bis zum 10. April 1945 im Stammhaus der Druckerei Walther Kämper an der Hauptstraße 42 in Meinerzhagen.

Als nach rund vierjähriger Zwangspause für die lokale Presse bedingt durch den Lizenzzwang durch die alliierte Militärbehörde auch die Meinerzhagener Zeitung wieder erscheinen konnte, war die technische Herstellung nach Lüdenscheid an die Schillerstraße verlagert worden. Die Verleger der traditionsreichen Lokalzeitungen in Lüdenscheid, Halver, Werdohl, Plettenberg und Meinerzhagen hatten sich zu dieser, wie sich erweisen sollte, zukunftsträchtigen und wegweisenden Kooperation entschlossen. Sie ließen unter Wahrung eigener Selbständigkeit gemeinsam drucken und bezogen fortan auch aus dem Hause der Lüdenscheider Nachrichten ihren überörtlichen Teil.

46 Jahre später, im November 1991, wurde Meinerzhagen wieder Zeitungs-Druckstandort. Im modernen Verlagsgebäude am Stadion wurden seit diesem Zeitpunkt neben der MZ zunächst vier weitere Zeitungstitel auf einer neuen Rotationsmaschine produziert: Die Lüdenscheider Nachrichten und das Altenaer Kreisblatt, mit denen die MZ im Märkischen Zeitungsverlag (MZV) verbunden ist, dazu die Auflagen der damaligen Kooperationspartner Allgemeiner Anzeiger in Halver (seit 1996 zum MZV gehörig) und Süderländer Volksfreund in Werdohl (seit 1998 Bestandteil des MZV). Hinzu kamen später noch die Auflagen des bis heute selbständigen Süderländer Tageblatts aus dem Verlag Hundt in Plettenberg und der 2010 eingestellten Mendener Zeitung.

„Meine guten Wünsche gelten einer traditionsreichen Lokalzeitung, die das politische und geistige Leben in ihrem Verbreitungsgebiet entscheidend mitgeprägt hat. Seit ihrer Gründung ist sie ein getreulicher Chronist des örtlichen Geschehens, ein verlässlicher Seismograph politischer Entwicklungen gewesen.“

Dies attestierte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl der Meinerzhagener Zeitung anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens im Oktober 1986 in einem Grußwort. Damit ist zutreffend beschrieben, was Gründer und fortan alle, die mit Inhalt und Gestaltung dieser Zeitung befasst waren, bis auf den heutigen Tag bei ihrer Arbeit als Grundidee geleitet und motiviert hat: Eine Zeitung zu machen, die die Bürger aktuell und umfassend über das Geschehen in aller Welt, vor allem aber in ihrem eigenen Lebensumfeld – der Region vor Ort also – informiert.

So stellte der damalige Meinerzhagener Bürgermeister Jürgen Pietsch anlässlich des runden Jubiläums vor 25 Jahren fest: „Die besondere Stärke der Meinerzhagener Zeitung liegt im lokalen Bereich. Mit einer umfangreichen und lebendigen Berichterstattung kommt sie dem Bedürfnis der Leser entgegen, über das allgemeine, kulturelle und sportliche Geschehen im Ort und in unserer Nachbarschaft ausführlich informiert zu werden. Die Meinerzhagener Zeitung ist Sprachrohr der Bürger. Als kommunalpolitisches Forum ist sie in unserer Stadt unentbehrlich.“

Blick auf die Derschlager Straße. An dieser Stelle, später Sitz der Spar- und Darlehnskasse, heute Modehaus Schütz, legte Walther Kämper 1910 den Grundstein für sein Druck- und Medienhaus.

Am 15. September 1910 wurde in der Derschlager Straße Meinerzhagen – und zwar in dem Gebäude, in dem sich ab 1938 die Spar- und Darlehnskasse befand, heute Modehaus Schütz – ein Druckereibetrieb eröffnet. Ein Jahr später, ab Dienstag, 19. September 1911, gab Walther Kämper, der Gründer dieses neuen Unternehmens, die „Meinerzhagener Zeitung“ heraus. Zu Grunde lag die Absicht, auch die Bürger von Meinerzhagen und Umgebung besser mit örtlichen Nachrichten zu versorgen. Zeitungen kamen auch schon vor diesem Zeitpunkt nach hier. Doch waren sie kaum oder nur am Rande mit Meldungen versehen, die die hiesigen Bürger unmittelbar betrafen und interessierten. Anfangs alle zwei Tage wurde das zunächst vierseitige Lokalblatt an die Abonnenten verteilt, finanziert hauptsächlich durch das Anzeigengeschäft. Mit viel Handsatz, fast noch wie zu Gutenbergs Zeiten und einer ersten Typograph-Setzmaschine erstellte man die Form, die dann im Buchdruck auf uns heute vorsintflutlich vorkommenden Druckmaschinen zu Papier gebracht wurde. Meinerzhagen war zu jener Zeit (1911) mit laut amtlicher Statistik 3308 Einwohnern noch ein kleiner Ort – das „Dorf“, wie manche älteren Bürger noch heute mit einer Mischung aus Wehmut und Stolz ihre deutlich größer gewordene Heimatstadt nennen. Neue Fabriken, die hier um die Jahrhundertwende entstanden – darunter das heutige Weltunternehmen Otto Fuchs, das im vergangenen Jahr sein einhundertjähriges Bestehen feiern konnte – bildeten die Grundlage für eine aufstrebende Entwicklung der Gemeinde. Der 1892 erfolgte Anschluss an das Schienennetz der Eisenbahn begünstigte diese Entwicklung entscheidend. Viele neue Arbeitsplätze entstanden. Die Bevölkerungszahl stieg beständig – und damit wuchs auch der Leserkreis der neuen Tageszeitung, die bereits ein Jahr nach Gründung ab 1912 werktäglich und in seitenmäßig erweitertem Umfang erschien.

Eine ähnliche Entwicklung wie Meinerzhagen nahm die Nachbargemeinde Kierspe, in welcher Verleger Walther Kämper mit seiner Zeitung bereits kurz nach der Gründung ebenfalls Fuß fassen konnte, was auch im Zeitungstitel mit dem Zusatz „Kiersper Anzeiger“ kenntlich gemacht wurde. Und weiter gehörten die damals noch selbständigen Gemeinden Rönsahl und Valbert mit zum Verbreitungsgebiet.

Deutschland ist schon immer eines der zeitungsreichsten Länder gewesen. Bis zum Jahr 1933 stieg die Zahl der in Deutschland erscheinenden Zeitungstitel auf 4700 an. Dann kam die Zeit der sogenannten Gleichschaltung während der Nazi-Diktatur. Das Propagandaministerium des Josef Goebbels in Berlin bestimmte mit strikten Auflagen und strenger Zensur Inhalt und Aufmachung der Zeitungen. 1945, im letzten Kriegsjahr, waren es nur noch 994 Zeitungen, die herauskommen konnten und noch bis zum Einmarsch der alliierten Truppen verbreitet wurden. Amerikanische Panzer rollten bereits durch den Nachbarort Valbert, als Boten die vorläufig letzte MZ-Ausgabe zu den Abonnenten trugen. Am 10. April 1945 musste auch die letzte Zeitung im damaligen Landkreis Altena ihr Erscheinen einstellen. - Fortsetzung Artikel "Lebenswerk schien 1945 beendet"

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