700 Tonnen Kalk für den Wald

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Während der Helikopter in der Luft schwebt, wird mittels Radlader das Streufass befüllt. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Das Waldgebiet rund um die Genkeltalsperre wird derzeit gekalkt. Rund 700 Tonnen Kalk-Sandmischung werden von einem Helikopter aus verstreut.

Nicht nur viele private Gartenbesitzer nutzten in der vergangenen Woche die ersten Sonnenstunden aus und begannen damit, ihre Anlagen so langsam auf Vordermann zu bringen. Auch im Privatwald an der Genkeltalsperre war man aktiv. Dort stand die Kalkung des Baumbestandes an.

Seit etlichen Jahren wird diese Methode auch in unserer Region angewandt. Im aktuellen Waldzustandsbericht aus dem Jahr 2012 gab es nunmehr die neusten Ergebnisse zu lesen. Bei der letzten Wiederholung der Bodenzustandserhebung (BZE) in den Wäldern Nordrhein-Westfalens 2006/08 – 16 Jahre nach dem ersten Inventurdurchgang – konnte von den Fachleuten eine langsame Erholung der Puffersysteme festgestellt werden. Zwar insgesamt eine positive Entwicklung, jedoch kein Grund die Bemühungen nicht weiterzuführen. Durch die Kalkungen soll eine Stabilisierung der Waldböden vorgenommen und somit auch der Schutz des Trinkwassers verbessert werden.

Durch Regenwasser gelangen Schadstoffe aus der Luft in den Boden. Dies führt zum Absinken des ph-Wertes und die natürliche Funktion des Waldbodens wird nachhaltig gestört, so dass Schwermetalle und Säuren in das Grundwasser gelangen können. Um dem entgegenzuwirken, wurde jetzt die Firma Koopmann Helicopter (kmn), aus Sommerland bei Itzehoe beauftragt, die Kalk-Sandmischung im Bereich der Genkeltalsperre auszubringen.

„Wir werden rund 700 Tonnen in dem Gebiet verstreuen. Wenn das Wetter mitspielt, können wir das in etwa einer Woche schaffen“, so Traute Koopmann, Mitinhaberin der Firma kmn, auf Nachfrage der Meinerzhagener Zeitung. Seit 1983 bietet die Firma aus Schleswig-Holstein unter anderem die Durchführung von Forstkalkungen in ganz Deutschland an. Dabei sorgt sie neben den „Flugleistungen“ auch für die entsprechende Kalkversorgung und Logistik.

Damit der „aktuelle Flugplan“ eingehalten werden kann, flog in der vergangenen Woche einer der Firmenhubschrauber „bienenfleißig“ hin und her. Beladen wurde das am Eurocopter AS 350 B2 hängende Streufass in der Ortslage Beutringhausen von einem Radlader. In nur wenigen Sekunden war diese Arbeit erledigt und der über dem Boden schwebende Hubschrauber konnte zur nächsten Runde starten. Mit seinen mehr als 700 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 230 Kilometern pro Stunde war das Fluggerät nach wenigen Minuten bereits wieder zurück, um die „neue Last“ aufzunehmen. Bis zu 1,1 Tonnen davon kann der in der Neuanschaffung etwa zwei Millionen Euro kostende Helikopter tragen.

Ausgestattet mit speziellen GPS-Systemen ist es dem Piloten möglich, während des Fluges die Streubahnen zu kontrollieren. Damit ist eine genaue Gebietsabgrenzungen gewährleistet. Die Daten werden zudem aufgezeichnet und dem Auftraggeber nach Abschluss des Auftrags zur Verfügung gestellt. Gerade in den oftmals schwer zugänglichen Waldgebieten unserer Region hat die Waldkalkung vom Hubschrauber aus schon Tradition.

Auf den insgesamt 915 800 Hektar großen Waldflächen in NRW sind sie alljährlich im Einsatz. Dabei entfällt mit 64 Prozent der weitaus größte Anteil auf den Wald im privaten Besitz. Gefolgt vom Gemeinde- und Körperschaftswald mit rund 20 Prozent, dem Staatswald des Landes Nordrhein-Westfalen mit etwa 13 Prozent und zuletzt dem des Bundes mit circa drei Prozent an der Gesamtfläche. Anders ausgedrückt, kommt auf jeden NRW-Einwohner eine Waldfläche von knapp über 500 Quadratmetern. Die Bemühungen, den Wald zu erhalten, werden sicherlich die meisten positiv bewerten. Dazu tragen allerdings nicht nur derartige Aktionen bei. Vielmehr kann jeder von uns durch ein „waldgerechtes Verhalten“ bei seinen Spaziergängen seinen Teil dazu tun. Bei dem ein oder anderen würde es zum Beispiel schon ausreichen, seinen Abfall nicht achtlos wegzuwerfen. ▪ jjh

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