Waldjugend stellt keinen Ansturm fest

Im Wald, weit weg vom Virus

Waldjugend - Volmequelle - Gruppenunterkaunft - frische Luft
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Die Gruppenunterkunft der heimischen Waldjugend an der Volmequelle wird in Zeiten der Corona-Pandemie sicherheitshalber nicht mehr genutzt. Stattdessen werden die Aktivitäten von Leiter Dirk Gerlach (links) an die frische Luft verlagert.

Frische Luft statt Großstadtmief, Wald statt Wohnzimmer. In einem sind sich alle Corona-Experten sicher: In Gottes freier Natur ist die Ansteckungsgefahr geringer. Doch was tun, wenn es regnet oder schneit, wenn die Temperaturen gen Gefrierpunkt sinken?

„Rausgehen!“, muss Dirk Gerlach gar nicht lange nachdenken. Der Meinerzhagener ist Horstleiter bei der Deutschen Waldjugend und er betreut eine Gruppe von Acht- bis Zwölfjährigen. Und diese Kinder und Jugendlichen richten sich auch im Herbst und Winter nicht bequem in ihren Zimmern ein und „daddeln“ stundenlang am Computer, sie sind im Wald unterwegs. Regelmäßig.

Unterkunft wird nicht genutzt

Gerlach tut „Corona“ allerdings auch nicht als harmlose Erkältung ab. Er ist sich in diesen Zeiten seiner Verantwortung als Gruppenleiter bewusst. „Wir haben eine Unterkunft an der Volmequelle. Die nutzen wir seit einiger Zeit und auch aktuell nicht. Das Ansteckungsrisiko wäre einfach zu groß. Ich denke, dass das gemütliche Beisammensitzen mit Kindern jetzt eine kritische Sache wäre. Eine Hütte mit gemütlichem Kaminfeuer ist zwar ein Erlebnis, aber was nicht geht, geht halt nicht“, sagt er. Also lautet sein Entschluss: „Regenmäntel, dicke Jacken und Pullover anziehen und rausgehen.“

Regenmäntel, dicke Jacken und Pullover anziehen – und rausgehen.

Dirk Gerlach, Leiter der Waldjugend Meinerzhagen

Wenn dieser Tipp allerdings von Tausenden befolgt würde, könnte sich das auch auf die Natur auswirken – und das nicht unbedingt positiv. Beim Lockdown im Frühjahr war das Sauerland beliebtes Ausflugsziel für Menschen aus den Metropol-Regionen Köln und Ruhrgebiet. Zudem ist Urlaub innerhalb Deutschlands über den Sommer hinweg immer beliebter geworden. Hat das Folgen für den Wald? „Da muss man schon differenzieren. Spaziergänger oder Jogger sind in der Regeln leise unterwegs. Die sind nicht das Problem. Das sieht mit Mountainbikern manchmal schon anders aus“, hat Dirk Gerlach, selbst Mountainbikefahrer, beobachtet.

Pizza aus der Tonne – eine „Freiluft-Aktion“, die großen Anklang fand.

Er selbst rolle eher gemütlich über Waldwege und nutze auch keine Wildpfade. „Aber ich sehe auch, dass einige mit ihrem Rad sehr schnell und abseits der Wege fahren. „Das sorgt für Unruhe im Wald und man wird manchmal fast umgerast“, steht er diesen Waldbesuchern eher kritisch gegenüber.

„Rummel“ nur an den Wochenenden

Grundsätzlich glaubt der Leiter der Waldjugend aber nicht, dass das Sauerland überrannt wird und dadurch Schaden nehmen könnte: „Wir haben hier viel Fläche. Und wirklich größere Menschenmengen aus Köln oder dem Ruhrgebiet habe ich hier in den vergangenen Wochen oder Monaten noch nicht gesehen. Allerdings sieht das an Wochenenden und an beliebten Ausflugzielen wie der Agger schon anders aus“, stellt Gerlach fest. Fazit: Wenn alle sich an die Regeln halten (siehe Text auf dieser Seite), auf Abstand achten, keinen Müll hinterlassen und auch Hunde nicht frei laufen gelassen werden, wird das waldreiche Ausflugsziel Sauerland die Zeit der Pandemie unbeschadet überstehen.

Das ist zu beachten

Im Wald hat jeder Besucher nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten: Das Betreten des Waldes geschieht auf eigene Gefahr. Waldtypische Gefahren, wie herunterfallende Äste, aber auch ein umstürzender Baum, gehören zu den natürlichen „waldtypischen“ Gefahren.

Vom 1. März bis 31. Oktober ist das Rauchen im Wald verboten. Feuer machen ist ganzjährig im und weniger als 100 Meter vom Waldrand entfernt verboten (ausgenommen sind genehmigte Feuerstellen). Die meisten Waldbrände in NRW gibt es im Frühjahr durch menschliches Fehlverhalten.

Waldwege nicht zuparken. Wenn notwendig, beispielsweise Rettungseinsatz oder Waldbrand, hat der Wald Vorrang.

Wer darf rein? Fußgänger, Radfahrer, Krankenfahrstühle und Reiter auf ausgewiesenen Wegen. Wer muss draußen bleiben? Kraftfahrzeuge aller Art, auch Motocross-Motorräder und Quads. Campen ist nicht erlaubt.

Gerade im Frühjahr und Sommer sitzt, steht und liegt der Nachwuchs unserer heimischen Tiere oft nur wenige Meter neben dem Waldweg und ist eine leichte Beute. Bitte halten Sie daher Ihren Hund abseits der Wege an der Leine und in Naturschutzgebieten auch auf den Wegen.

Wildtiere reagieren gerade in der Brut- und Setzzeit sehr sensibel auf Störungen. Dann dreht sich alles um den Nachwuchs. Einige Arten sind so sensibel, dass sie Ihre Nester bei Störungen aufgeben. Seien Sie im Frühjahr daher besonders rücksichtsvoll und bleiben auf den Wegen.

Beeren, Blumen, Pilze, Kräuter, Äste und Ähnliches dürfen nur in Handstraußgröße mitgenommen werden.

Abseits der Wege: Zu Fuß okay, mit dem Fahrrad verboten.

Abfall gehört zu Hause oder im nächsten Abfalleimer entsorgt.

(Quelle: Landesbetrieb Wald und Holz.NRW):

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