Wahr-Wald wird sich verändern

Ein Wald für den Bio-Unterricht

Ungewohnter Ausblick: Der Wahr-Wald hat in den zurückliegenden Monaten bereits viele Bäume verloren, sodass auch der Blick auf die Innenstadt problemlos möglich ist. Doch das Gelände zwischen Wohnbebauung, Schule und Bahngleisen dürfte sich weiter stark verändern.
+
Ungewohnter Ausblick: Der Wahr-Wald hat in den zurückliegenden Monaten bereits viele Bäume verloren, sodass auch der Blick auf die Innenstadt problemlos möglich ist. Doch das Gelände zwischen Wohnbebauung, Schule und Bahngleisen dürfte sich weiter stark verändern.

Er ist ein beliebter Rückzugs- und Erholungsort und gerade aufgrund seiner besonderen Lage ein beliebtes Ziel der Anwohner auf der Wahr – doch gerade die Nähe zur Bebauung läutet nun eine neue Ära für den Wahr-Wald ein.

Meinerzhagen – Denn die Trockenheit hat auch dieser grünen Lunge zwischen Schule, Bahngleisen und Wohnhäuser arg zugesetzt, wie Fachbereichsleiter Jürgen Tischbiereck im Ausschuss für Klima, Planung, Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt erläuterte.

Landschaftsbild wird sich verändern

„Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat sich massiv auf die Nadelhölzer ausgewirkt – mit der Folge des Borkenkäfers, der auch in Meinerzhagen angekommen ist. Das Landschaftsbild wird sich verändern“, läutete Tischbiereck die Ausführungen Markus Gumprichts ein. Der Revierförster zeigte den Ausschussmitgliedern auf, warum eben dieser Borkenkäfer umfangreiche Veränderungen im Wahr-Wald notwendig macht. Kernbotschaft: Die starke Eingrenzung des Waldes durch Wohnbebauung, Schule und Bahngleise würden den Aufwand für die Verkehrssicherung unverhältnismäßig erhöhen. „Zugleich erkennen wir im Wald eine hohe Frequentierung durch Erholungssuchende, was durch viele Fußpfade deutlich wird“, stellte Gumpricht auch für Spaziergänger eine nicht unerhebliche Gefährdung fest, die die Stadt als Eigentümer natürlich minimieren müsse. Und: „Auch die Holzlagerung ist in dem Bereich schwierig. Man kann nicht einfach Holzstapel in der Nähe der Schule aufschichten. Das könnte böse enden, wenn sich ein Stamm mal lösen und wegrollen würde“, sagte der Förster.

Stadt würde haftbar gemacht

Doch die Stadt als Forst-Eigentümer würde haftbar gemacht, falls die forstwirtschaftliche Holznutzung weitergeführt, der Verkehrssicherungspflicht dabei aber nicht entsprochen werden könne. Daher schlägt Markus Gumpricht vor, auf diese Art der Holznutzung künftig zu verzichten und weitere Maßnahmen zu ergreifen, die das Erscheinungsbild des Waldes zwar stark verändern, ihn im Kern aber erhalten würden. Wesentliche Punkte sind:

Das sind die Maßnahmen

Ernte des Lärchenbestandes, da auch er teilweise vom Borkenkäfer befallen sei (Stichwort Verkehrssicherungspflicht), „Auf den Stock setzen“ des Laubholzes an der Grenze zur Bebauung und zur Bahnlinie im 15-Jahres-Rhythmus, Förderung der Entwicklung zu einem artenreichen Waldrand (gegebenenfalls durch Pflanzungen von Sträuchern und Bäumen), Totholzerzeugung durch weitestgehenden Verzicht auf Holznutzung.

So würde im besten Fall ein Wald mit Saum-, Mantel- und Kernzone entstehen, der Flora und Fauna weiterhin einen Lebensraum bietet, ohne dass von ihm eine Gefahr für die Waldbesucher ausgeht. Weiterer positiver Nebeneffekt für die Schüler der benachbarten Grund- und Förderschule: Die Entwicklung des „neuen“ Wahr-Waldes könnte in den Biologie-Unterricht eingebettet und vor Ort erlebbar gemacht werden.

Umforstung im nächsten Winter

Die Arbeiten an dieser Umforstung sollen im nächsten Winter starten, um auf einem trockenen (gefrorenen) Boden möglichst wenige Schäden durch das Wegschleppen des Holzes zu erzeugen. Dass das gelingen kann, zeigte sich bereits in den vergangenen Monaten, als schon zahlreiche Bäume im Wahr-Wald gefällt werden mussten. Zwar habe man das Holz aus Sicherheitsgründen oberhalb des Friedhofs stapeln und dafür zunächst über die angrenzende Wiese transportieren müssen, die Schäden hätten sich aber in Grenzen gehalten, so Gumpricht.

Auf eines wies Fachbereichsleiter Jürgen Tischbiereck indes nochmals hin: Die bislang erfolgte Abholzung hat ihren Grund nicht in einem neuen Wohnbaugebiet. Entsprechende Gerüchte seien auch ihm zu Ohren gekommen, betonte Tischbiereck. „Solch einen Plan gibt es aber nicht. Die erfolgten Arbeiten sind rein forstwirtschaftlicher Natur.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare