Exkursion in den „Wildniswald“

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Markus Ingenohl (links) und Jürgen Kleppe zeigen auf einer Karte, wo sich das „Wildnisgebiet“ befindet.

Meinerzhagen - Der Wald – im Sauerland prägt er das Landschaftsbild. Er bietet zahlreichen Lebenwesen Heimat und Nahrung. Doch wie entwickelt sich der Forst im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen? Auch auf diese Frage haben heimische Forstexperten eine Antwort. In einer MZ-Serie kommen sie deshalb regelmäßig zu Wort. Heute geht es um ein so genanntes „Wildnisgebiet“ zwischen Valbert und Herscheid, das beispielhaft für die Zukunft sein könnte.

Von Jürgen Beil

Am Sonntag, 29. Juni, können sich auch Meinerzhagener direkt vor Ort ein Bild davon machen, wie der Wald im Ebbe aussehen könnte, wenn der Mensch – wie er das seit Jahrhunderten tut – nicht massiv in die Natur eingreifen würde. Bei einer Exkursion geht es an diesem Tag um die „Urwälder von morgen“.

Von 9.30 bis 12 Uhr laden Förster Markus Ingenohl und Jürgen Kleppe, Fachgebietsleiter Staatswald im Regionalforstamt kurkölnisches Sauerland, zu einer kleinen Wanderung ein. Die startet am Wanderparkplatz P5 auf der Nordhelle und führt über ein Teilstück des „Sauerland Höhenfluges“ zu einem „Wildniswald“. Hier stehen vornehmlich Buchen und Eichen, die sich in der Blüte ihres Lebens befinden. Für Bäume gelten da allerdings andere Maßstäbe. Die Buchen auf dieser etwa 20 Hektar großen Fläche sind im Schnitt 120 Jahre alt, die Eichen sogar 160. Und durch den Verzicht auf die Nutzung der Bäume können hier künftig natürliche Alters- und Zerfallphasen auf ganzer Fläche ablaufen.

Ein Blick in den „Urwald“ zeigt, dass er sich grundlegend von den üblichen Fichtenkulturen unterscheidet. Ein kaum zu durchdringendes Dickicht tut sich vor dem Betrachter auf, abgestorbene Bäume – besser deren Stämme – ragen wie Finger in den Himmel. „Auch dadurch wirken wir dem Artenschwund entgegen“, erläutern Kleppe und Ingenohl. „Manche Tiere brauchen Alt- und Totholz. Das gilt zum Beispiel für Spechtarten, die Hohltaube, verschiedene Käferarten wie den Hirschkäfer, aber auch für Flechten, Pilze und Fledermäuse“, erläutern die beiden Forst-Fachleute.

Der Wildniswald ist recht einfach zu erreichen. Der Weg führt über einen kleinen Pfad, der an der „Spinne“ abzweigt, stetig bergab. Nach etwa zwei bis drei Kilometern zeigt sich die Fläche an der rechten Hangseite. Seit etwa acht Jahren darf hier alles wachsen und verrotten, ohne dass der Mensch eingreift. „Vorbildlich“ nennen das Kleppe und Ingenohl. Wenn es nach ihnen geht, wäre es wünschenswert, dass auch private Waldbesitzer ihrem Beispiel folgen und zumindest auf Teilflächen der Natur eine Chance geben. „Das Land als Besitzer des heimischen Staatswaldes geht mit gutem Beispiel voran“, erläutern die beiden Angestellten des Landesbetriebes Wald und Holz in Olpe.

Der Wald als Wirtschaftsraum, der Wald als „Spielwiese“ für die Freizeitgestaltung. Diesen Spagat müssen die Förster täglich hinbekommen. Das schaffen sie – auch durch das nach ihrer Erfahrung gestiegene Umweltbewusstsein ihrer Mitbürger. Markus Ingenohl: „Mountainbiker benutzen meistens die Waldwirtschaftswege. Wir haben relativ wenig Probleme mit Leuten, die im Wald grillen oder abseits der Wege Rad fahren.“ „Und auch beim Thema Müll im Wald ist ein gestiegenes Umweltbewusstsein festzustellen“, fügt Jürgen Kleppe hinzu. Dass das keinesfalls selbstverständlich, weiß auch Ingenohl: „Erstaunlich, bei den vielen Menschen, die hier in der Natur unterwegs sind.“

Die Exkursion in den „Urwald“ im Ebbe startet am 29. Juni um 9.30 Uhr auf dem Wanderparkplatz P5 auf der Nordhelle. Sie dauert bis etwa 12 Uhr. In der „Wildnis“ wird ein kleines Picknick angeboten. Infos beantwortet Jürgen Kleppe unter der E-Mail-Adresse jürgen.kleppe@wald-und-holz.nrw.de

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