„Es ist wahnsinnig spannend“ - Forschen bei Mercedes Benz im sonnigen Kalifornien

Alexander Barth arbeitet im sonnigen Kalifornien an der Technik von morgen. Der gebürtige Kiersper entwickelt neue Fahrassistenz-Systeme für Mercedes Benz.

PALO ALTO / KALIFORNIEN - Wir kennen sie alle, die kleinen „Helfer“ im modernen Automobil: Sie heißen Einparkhilfe, Notbrems-Assistent, Spurhalte-System, Fahrer-Müdigkeitserkennung oder Totwinkel-Überwachung.

Wer sich einmal an die nützlichen „Co-Piloten“ gewöhnt hat, möchte ihren Komfort und die Sicherheit meist nicht mehr missen.

Autobauer träumen schon den Traum vom selbststeuernden Auto. Auf dem Weg zur Arbeit könnte der Fahrer in Ruhe Zeitung lesen oder Mails abrufen. Unfälle sollen dann mehr und mehr der Vergangenheit angehören – schließlich sind intelligente Fahrassistenz-Systeme nie müde oder gereizt und reagieren schneller als Menschen. In den Forschungszentren wird bereits unter Hochdruck an der Technik von morgen gearbeitet. So auch im sonnigen Kalifornien, wo Mercedes die Tochtergesellschaft „Mercedes Benz Research & Development North America“ unterhält. Hier ist seit Januar der Arbeitsplatz des gebürtigen Kierspers Alexander Barth.

Der promovierte Ingenieur weiß, wie man Autos „Augen“ verleihen kann, damit sie spielende Kinder oder andere Fahrzeuge erfassen können. Der 31-Jährige beschäftigte sich schon als Doktorand mit dem Einsatz von Stereo-Kamerasystemen, die dreidimensionale Bilder aufnehmen. Und er entwickelte ein eigenes Verfahren, das die Aufnahmen mit Hilfe eines Computerprogramms und eines eigens dafür entwickelten Algorithmus blitzschnell auswertet. Durch den Vergleich aufeinander folgender Bilder erkennt das System, wie schnell sich Radfahrer, Fußgänger oder Fahrzeuge bewegen.

Das von Barth entwickelte Verfahren ist patentiert und wird bereits in verschiedenen Forschungs- und Vorentwicklungsprojekten eingesetzt. Alexander Barth, der bereits als Doktorand in der Daimler-Forschung in Böblingen arbeitete, profitierte bei seiner Arbeit sehr vom profunden Wissen seines Betreuers Dr. Uwe Franke. Der Wissenschaftler gilt auch international als eine Koryphäe auf dem Gebiet der bildbasierten Umgebungserfassung und wurde sogar für den Deutschen Zukunftspreis 2011 nominiert. Die Weichen für Barths Umzug in die USA wurden im vergangenen Jahr gestellt, „als im kalifornischen Forschungswerk jemand gesucht wurde, der sich mit der Umgebungserfassung durch Kamerasysteme auskennt und innerhalb des Unternehmens gut vernetzt ist“, erzählt er.

 Auch seine frisch angetraute Frau Stephanie sah die große Chance, die sich ihm bot, und willigte ein, nach Amerika zu ziehen. So ging schließlich alles ganz schnell. Heute ist es Barths Aufgabe, eine „Brücke“ zwischen der deutschen Forschung und dem Standort in den USA aufzubauen. Der gebürtige Kiersper, der sein Abitur 1999 an der Gesamtschule Kierspe machte, entwickelt Fahrassistenz-Systeme für den US-amerikanischen Markt. Wenn er nicht gerade in seinem Büro an Algorithmen tüftelt, programmiert oder konzipiert, dann stattet er Versuchsfahrzeuge mit der Technik der Zukunft aus oder betreut Praktika und Studienarbeiten.

Was er an seiner Arbeit am meisten liebt? „Es ist wahnsinnig spannend, an der Technologie von morgen und übermorgen mitzuwirken, dabei immer auch die Grenzen des aktuell Vorstellbaren zu verschieben sowie international Maßstäbe zu setzen, an denen sich andere Forschungsgruppen orientieren“, beschreibt er die Faszination.

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