Abfrage von Waffenbesitzern

Wohin mit der Waffe? Polizeischreiben löst Verunsicherung aus

+
Wohin mit der Waffe? Auf jeden Fall muss sie ordnungsgemäß aufbewahrt werden.

Meinerzhagen - Offiziell 488 klein- oder großkalibrige Waffen befinden sich in Meinerzhagen und Kierspe in Privatbesitz. Nicht alle rechtmäßig, meint offenbar die Kreispolizeibehörde, die nach und nach alle Waffenbesitzer anschreibt. Für passionierte Schießsportler die sich etwa auf der Suche nach einem gebrauchten Gewehr befinden, können die Folgen ärgerlich sein.

Ein Schreiben der Kreispolizeibehörde sorgt seit einiger Zeit für Verunsicherung bei Waffenbesitzern im Märkischen Kreis. Sie sollen Auskunft darüber geben, wie sie ihre Gewehre oder Pistolen lagern – und ob sie überhaupt noch den Bedarf für eine Waffe haben. Die Folge: Manch eine Waffe landet in der Schrottpresse. Sehr zum Ärger der Schießsportler im Kreis.

„Da gehen manchmal echte Werte verloren“, sagt Ludger Rösges. Er ist nicht nur Vorsitzender des KKSV Meinerzhagen, sondern auch des Schützenkreises Lüdenscheid und erhält entsprechend häufig Nachfragen von verunsicherten Waffenbesitzern – die mitunter erst mit dem polizeilichen Schreiben von ihrem Besitz erfahren. „Dann ist vielleicht der Großvater oder Vater gestorben, der eine Waffe besaß, von der keiner wusste“, so Rösges. 

Die häufige Reaktion dieser unverhofften Waffenbesitzer: Sie geben an, keinen Bedarf für diese Waffe zu haben. Fortan ist das Gewehr oder die Pistole ein Fall für die Entsorgung, denn: „Waffen, die uns auf diese Weise gemeldet werden, werden komplett zerstört“, sagt Marcel Dilling, Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis. 

Polizei fragt Bedarf systematisch ab 

Im Gespräch mit der MZ räumt Dilling ein, dass die Behörde systematisch alle Besitzer von Waffen anschreibe, um nicht genutzten oder nicht vorschriftsmäßig gelagerten Waffen auf die Spur zu kommen. „Man kann solche Waffen ja nicht einfach unters Kopfkissen legen“, betont der Polizei-Sprecher. 

Grundlage dieser Abfrage sei das Waffengesetz, das eine „Bedürfnisabfrage“ vorsehe, so Dilling. „Zwei Drittel der Angefragten schicken darauf hin ein Foto von Waffe und Aufbewahrungsort mit Erläuterungen. Ein Drittel macht das nicht und erhält von uns dann ein etwas deutlicheres Schreiben mit der Androhung des Entzugs der Waffe.“ Dieses Schreiben habe dann meist Erfolg. 

„Es gibt dann natürlich die Fälle, dass Personen die Waffe einfach abgeben wollen. Das kann dann auch auf den Wachen in den einzelnen Städten geschehen“, sagt Marcel Dilling. Ist der Waffenbesitzer Jäger oder Sportschütze, der regelmäßig sein Gewehr oder seine Pistole nutze, ist der Besitz nach wie vor kein Problem. 

Doch selbst, wenn die Waffe nicht mehr im ursprünglichen Sinne benötigt wird, müsse sie nicht verschrottet werden, betont Schützenkreis-Vorsitzender Ludger Rösges. „Da steht sicher jeder Schießsportverein oder Jäger im Kreis für Informationen zur Verfügung.“ 

Nicht zuletzt, weil manch eine wertvolle Waffe auf diesem Weg eventuell vor der Schrottpresse bewahrt werden könnte. „Sei es durch die Vermittlung an Sportschützen, die auf der Suche nach Waffen sind, oder an Vereine, die Gewehre oder Pistolen für ihre Mitglieder benötigen, die sich keine eigene Waffe anschaffen können oder wollen“, erklärt Rösges. „Das sind echte Werte, die uns da verloren gehen können.“ 

Für ein gutes, gebrauchtes Kleinkaliber-Gewehr würden immerhin mindestens 600 Euro fällig, neuwertige kosteten auch schon mal einige Tausend Euro. In Erinnerung blieb dem Meinerzhagener etwa die Verschrottung mehrerer Kleinkaliber-Sportgewehre im vergangenen Jahr, die sich zuvor in einem Halveraner Haushalt befunden hatten. „Da steht man dann als Schießsportverein da und würde das gerne verhindern.“

Daher bietet Rösges auch an, als Ratgeber zur Seite zu stehen, wenn ein Schreiben der Polizei ins Haus flattert. „Es geht ja nicht nur darum, die Waffe zu verschenken, sondern vielleicht kann der Besitzer sie ja eventuell noch an Personen verkaufen, die sie benötigen.“

Kontakt

Wer fachlichen Rat zum Verbleib seiner Waffen benötigt, erreicht Ludger Rösges unter Tel. 02359/1204 oder per E-Mail an ludger.roesges@sk4300.com

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare