Kurz vor dem Jubiläum kommt das Aus für Sorgler

Das ist bitter! Mit Ablauf des Donnerstags wird der Geschäftsbetrieb beim Autohaus Sorgler eingestellt. Alle Bemühungen des Insolvenzverwalters für eine Übernahmeregelung waren vergeblich. ▪ Archivfoto: vom Hofe

MEINERZHAGEN ▪ Das ist bitter! In wenigen Tagen, am 1. April, hätte das Autohaus Sorgler als VW- und Audi-Partnerbetrieb in Meinerzhagen sein 50-jähriges Firmenbestehen feiern können. Dazu wird es nicht mehr kommen.

Wie Geschäftsführer Jürgen Sorgler am Mittwoch gegenüber der MZ bestätigte, muss mit Ablauf des heutigen Donnerstags der Geschäftsbetrieb eingestellt werden. Die intensiven Bemühungen um eine Übernahmeregelung für den insolventen Betrieb blieben am Ende leider erfolglos.

Von Horst vom Hofe

„Bis zuletzt hatten wir sehr darauf gehofft, dass die Bemühungen des Insolvenzverwalters erfolgreich sein würden. Wir hatten mit allen Mitarbeitern bis Ende vergangener Woche noch den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten. Doch am Montag dieser Woche sprang der letzte aus einer Reihe von Kaufinteressenten leider ab. Dabei war nach unserem Kenntnisstand die Übernahme zu nahezu 99 Prozent schon perfekt“, schilderte Jürgen Sorgler die aktuellen Geschehnisse.

Woran die Übernahme am Ende scheiterte, dazu fehlen ihm selbst die nötigen Informationen. Die Verhandlungen hatte der vom Amtsgericht Hagen eingesetzte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Marco Kuhlmann von der Kanzlei Kreplin & Partner aus Gevelsberg geführt. Dieser war gestern zu einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung nicht erreichbar.

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit war am 10. Januar dieses Jahres die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Firma Werner Sorgler & Söhne OHG beantragt worden. Die Bemühungen des vom Gericht eingesetzten Insolvenzverwalters um eine Fortführung des Traditionsunternehmen als VW-Audi-Partnerbetrieb schienen zunächst durchaus erfolgversprechend zu sein. Am 6. Februar teilte Rechtsanwalt Kuhlmann in einer Presseverlautbarung noch mit, dass es nach Einleitung des Insolvenzverfahrens Anfang des Jahres gemeinsam mit der Geschäftsführung gelungen sei, den Geschäftsbetrieb weiter zu stabilisieren. Nach wie vor werde an einer tragfähigen mittel- und langfristigen Fortführungslösung gearbeitet. Weiter hieß es: „Alle Aufträge werden auch weiterhin vollumfänglich und in gewohnter Qualität fertiggestellt. Zudem wurden alle bestehenden Lieferbeziehungen aufrechterhalten. Auch für die Mitarbeiter gibt es aktuell keine Lohnnachteile, da das Insolvenzgeld bereits fristgerecht zur Auszahlung kam. Somit ist auch weiterhin die Unterstützung seitens der gesamten Belegschaft gesichert. Ein besonderer Dank gilt jedoch auch den zahlreichen Kunden des Autohauses, die durch ihre fortlaufende Betriebstreue ein wesentlicher Baustein zur erfolgreichen Sanierung des Traditionsgeschäftsbetriebes sind“, so die Mitteilung.

Umso niederschmetternder kam nun am vergangenen Montag für Mitarbeiter und Geschäftsführung des Autohauses die offizielle Mitteilung des Insolvenzverwalters, dass der Geschäftsbetrieb mit Ablauf des Monats März eingestellt werden muss und alle betroffenen Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten.

Nach Auskunft von Jürgen Sorgler waren bis zum Schluss nahezu alle zum großen Teil langjährige Mitarbeiter an Bord geblieben. Lediglich zwei hatten mittlerweile eine andere Arbeitsstelle angetreten. Für insgesamt jetzt noch 25 Sorgler-Mitarbeiter bedeutet das am Montag verkündete Aus für das Autohaus auch den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Seit Dienstag wurden keine Kunden-Werkstatttermine mehr vereinbart. Es gilt jetzt noch, vor allem auch im Interesse der vielen Stammkunden, einige Dinge abzuwickeln. Dazu gehört auch eine Regelung, wie mit den noch im Autohaus eingelagerten Sommerreifen von Kunden verfahren wird. Jürgen Sorgler kündigt an, „dass wir alle betroffenen Kunden anschreiben und informieren werden, in welcher Weise ihnen die Reifen übergeben werden können.“ Nach seinen Angaben handelt es sich immerhin noch um rund 1200 Reifen.

Ungeachtet solcher am Ende nur noch organisatorisch zu lösenden Probleme bleibt nunmehr die traurige Gewissheit, dass für das Autohaus trotz erkennbar großer Bemühungen auch der Eigentümerfamilie bis in die mittlerweile dritte Generation hinein am Ende das endgültige Aus steht und es damit das Schicksal vieler ähnlich strukturierter Familienbetriebe in der Automobilbranche teilen muss. „Das tut mir persönlich vor allem für unsere Mitarbeiter sehr leid, aber auch für unsere Kunden, die den Service vor Ort genutzt und offenbar auch geschätzt haben“, so Jürgen Sorgler. Er hatte zusammen mit seinen Brüdern Peter und Ulrich und seinem zuletzt mit in der Geschäftsführung tätigen Sohn Kai das vom Vater Werner Sorgler 1963 damals noch an der Derschlager Straße gegründete Autohaus in der Vergangenheit über viele Klippen und erfolgreich auch durch mehrere krisenhafte Zeiten geführt. Zu den besonderen Leistungen des Familienbetriebs gehörte auch, dass in der Vergangenheit hier rund 100 junge Menschen zu hochqualifizierten Fachkräften ausgebildet wurden.

Derzeit noch völlig ungewiss ist, was mit den modern eingerichteten Werkstatt- und Verkaufsräumen im Industriegebiet Schwenke wird.

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