Zweiter Prozess-Tag: Angeklagter schwer belastet

Der Betreiber eines Reitstalls muss sich vor dem Landgericht Hagen wegen des Verdachtes auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen verantworten.

Meinerzhagen - Vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen wurde der 65-jährige Angeklagte aus Meinerzhagen am zweiten Verhandlungstag schwer belastet. Die Tante eines der Missbrauchs-Opfer berichtete von eigenen Beobachtungen auf der Reitanlage, die sie zunächst gar nicht hatte glauben wollen.

Von Thomas Krumm

„Das kann doch gar nicht sein“, gab sie ihren damaligen Eindruck wieder. In einem Sozialraum und im Bereich der Stallungen des Hofes habe sie bei mehreren Gelegenheiten gesehen, wie der Angeklagte eines der Mädchen „an Po und Busen angefasst“ habe.

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- Reitlehrer soll Mädchen missbraucht haben

Die Zeugin erinnerte auch eine Szene, in der beide Mädchen „im BH“ vor dem Angeklagten gestanden hätten. Auf Nachfragen hätten die beiden lange Zeit zumeist ausweichend reagiert. Kleinlaut hätten sie versichert, dass sie dem Angeklagten den BH hätten zeigen wollen, erzählte die Zeugin, die auch von einer Matte auf dem Heuboden der Anlage berichtete.

Dort soll der Angeklagte angeblich Intimfotos der Mädchen angefertigt haben. Entsprechendes Material entdeckten die Ermittler auf sichergestellten Datenträgern allerdings nicht.

Mit Blick auf die Gesamtatmosphäre in der Reitanlage bestätigte die Zeugin vorausgegangene Aussagen: „Sektenähnlich“ sei das gewesen – mit dem Angeklagten als Mittelpunkt eines Systems von Vergünstigungen und Abstrafungen. „Ich habe immer gedacht: ‚Das ist wie ein Psychostall’“, formulierte die Zeugin ihren damaligen Eindruck.

Sie fühlte sich immer mehr alleine mit ihren Ahnungen: „Alle Anderen haben sich gewunden und wollten davon nichts wissen.“ Auch sich selber nahm sie von der Kritik nicht aus: „Ich war selber nicht in der Lage, richtig laut zu werden.“

Nach dem Bruch mit dem Betreiber des Reitstalls gewann die Zeugin das Vertrauen eines der beiden Opfer, was letztlich zu der Strafanzeige führte.

Die Aussage einer Psychologin war noch brisanter: Sie wusste von weiteren mutmaßlichen Opfern, die durch ihre psychotherapeutische Praxis gegangen waren. Da sie keine Namen nannte, war die Beschwerde von Verteidiger Lutz Mollenkott sehr überraschend, sie brauche für eine solche Aussage eine Entbindung von der Schweigepflicht seitens der Betroffenen.

Die habe sie sogar, bekräftigte die Psychologin ihre Aussage. Eines der betroffenen Mädchen habe ihr berichtet, dass es seit drei Jahren von seinem Reitlehrer belästigt werde. Er habe dabei auch den Beischlaf verlangt.

Dieser Vorwurf wurde erst vor einigen Monaten erhoben – er ist deshalb nicht Teil der Anklage, die von anderen „beischlafähnlichen Handlungen“ ausgeht.

Im Anschluss an die erwachsenen Zeugen wurde eines der Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Zeugenstand gerufen. Auch die Schwester sagte aus. Auch sie hat von Übergriffen berichtet, die aber nicht Teil der Anklage sind.

Darum geht es im Fall

Vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen muss sich ein 65-jähriger Meinerzhagener verantworten. Der Betreiber eines Reitstalls soll im Zeitraum zwischen Januar 2008 und Dezember 2011 zwei junge Reiterinnen sexuell missbraucht haben. Die Mädchen waren zur Tatzeit zwischen zwölf und 16 Jahren alt. Der Angeklagte bestreitet die Übergriffe.

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