Der Volme wieder Lebensraum geben

Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper eröffnete am Sonntag das Quellfest an der Volmequelle in Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Der Märkische Kreis will im Rahmen der Regionale 2013 ein Projekt zur Renaturierung der Gewässer platzieren. „Ein Kreis packt“ aus knüpft auch an die Europäischen Wasserrahmenrichtlinien an. Im Fokus: Die in Meinerzhagen entspringende Volme.

Die in Meinerzhagen entspringende und bei Hagen in die Ruhr mündende Volme wieder stärker in den Blickpunkt der Menschen zu rücken, ihr auf vielen Kilometern durch Beton und Bebauung eingeengtes Bachbett wo möglich wieder zu renaturieren und in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Dieser Aufgabe hat sich der im April neu gegründete Verein „VolmeNatur“ verschrieben. Gestern hatten die beteiligten Natur- und Umweltaktivisten die zurzeit rund 20 Mitglieder aus dem oberen Volmetal und Lüdenscheid, Vertreter des öffentlichen Lebens und interessierte Bürgerinnen und Bürger zum ersten Quellfest am Entspringungsort der Volme unweit der Ortslage Scherl am Volmehof eingeladen.

Der bei der Gründungsversammlung in Lüdenscheid zum Vorsitzenden gewählte Meinerzhagener Paolino Barone schilderte bei der Eröffnung an der idyllischen Quellfassung aus Bruchsteinen die Vorgeschichte und die Beweggründe für diese Initiative, an der sich unter anderem die Nabu-Ortsgruppe Mittleres Volmetal und der Brügger Freundeskreis für Natur und Heimatpflege maßgeblich beteiligt hatten. „Wir wollen die Volme für die Menschen wieder erlebbar machen“, so Barone. Man knüpfe mit dieser Initiative an zum einen an das Regionaleprojekt „Oben an der Volme“ der vier Nachbarkommunen Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle und zum anderen auch an die Bestrebungen auf europäischer Ebene, die durch die Wasserahmenrichtlinien der EU auch für den heimischen Raum formuliert seien.

„Wir wollen Impulse geben, aber auch selbst tatkräftig mit anpacken, wenn es um die Umsetzung von Vorhaben geht, die der Verbesserung und Aufwertung der Volme und auch weiterer Gewässer im heimischen Raum, wie zum Beispiel Ihne und Lister, geht“, kündigte Barone an. Er dankte ausdrücklich dem Leiter des in Meinerzhagen ansässigen Umweltpädagogischen Zentrums in Heed, Matthias Kretschmer, der als einer der Initiatoren die Projektleitung übernommen habe, sowie auch Manfred Künstig vom Brügger Freundeskreis für deren tatkräftigen Einsatz.

Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper als Vertreterin des Märkischen Kreises begeisterte und interessierte die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung mit einem anschaulichen Exkurs zum Thema „Wasser im Märkischen Kreis“. Der Märkische Kreis versuche, im Rahmen der Regionale 2013 ein Projekt mit dem Namen „Ein Kreis packt aus“, auf den Weg zu bringen. Konkret gehe es dabei um die „Entfesselung von Gewässern, der Befreiung von Bächen und Flüssen, so die Kreisdirektorin.

Im Kreisgebiet gebe es knapp 230 Kilometer Flussläufe, die unzähligen Nebengewässer wie Bäche und Siepen nicht einmal mitgezählt. Exemplarisch für das Schicksal vieler Flüsse stehe hier die in Meinerzhagen entspringende Volme: „Sie fließt sogar mitten durch die Innenstadt: überbaut, kanalisiert, verrohrt und damit unsichtbar.“

Dies sei keineswegs eine ‚„Meinerzhagener Spezialität“, rückte Dienstel-Kümper zurecht. Vielmehr stehe Meinerzhagen exemplarisch für den Umgang mit Gewässern insbesondere im städtischen Bereich.

Sehr interessant sei dabei folgendes Phänomen: „Einerseits haben wir die Gewässer aus unseren Städten und Dörfern verschwinden lassen, andererseits kommt kaum ein zentraler Platz ohne aufwendige und oftmals viel bewunderte Brunnenanlagen oder sonstige Wasserspiele aus. So haben wir auch vor der Meinerzhagener Stadthalle einen Brunnen!“

Mittlerweile verhelfe der Klimawandel den eingezwängten und überbauten Gewässern zu „ungeahnten Auftritten“. So erinnerte die Kreisdirektorin an das sommerliche Starkregenereignis vom Juli 2009, als „man rund um die Stadthalle sogar Boot fahren konnte.“ Solche Ereignisse führten zwar langsam und in kleinen Schritten bei vielen Menschen zur Erkenntnis, „dass neben der Gewässergüte auch die Renaturierung unserer Bäche und Flüsse in Angriff genommen werden muss“, so Dienstel-Kümper und konstatierte: „Das ist kein überflüssiges Chi-Chi, sondern eine ökologische und ökonomische Notwendigkeit, wenn beispielsweise Auen wiederhergestellt und Überflutungsräume neu geschaffen werden.“ Dies könne natürlich nicht durchgängig und überall gemacht werden. Aber es gebe sicher den einen oder anderen geeigeneten Gewässerabschnitt, der sich dafür eigne. Der Kreis freue sich ganz besonders, dass auch die Stadt Meinerzhagen sich an diesem Projekt aktiv beteilige“, erklärte die Kreisdirektorin.

„Dies ist eine Aufgabe, der wir uns aus voller Überzeugung für die Notwendigkeit und auch gern stellen“, betonte der Meinerzhagener Baudezernent Gerd Schriever. Selbstkritisch verhehlte er nicht, „dass auch in Meinerzhagen auf diesem Bereich in der Vergangenheit Sünden begangen worden sind, die aus heutiger Sicht so sicherlich nicht mehr gemacht würden“. So erinnerte Schriever zum Beispiel an die vollständige Verrohrung der Melmche. Konkrete Ansatzpunkte für Renaturierungen der Volme sieht Schriever im Bereich zwischen Hit-Markt und Klärananlage. Im Ortsteil Valbert wolle man im Zusammenhang mit der Planung für den Ortskern die Ihne teilweise renaturieren.

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