Unterschiedliche Standpunkte

Schließung überrascht Vermieterin

Seit vergangener Woche geschlossen: die SB-Filiale der Volksbank an der Mühlenbergstraße.
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Seit vergangener Woche geschlossen: die SB-Filiale der Volksbank an der Mühlenbergstraße.

Gisela Voß ist Vermieterin. Und als solche weiß sie natürlich genau, wann welches Mietverhältnis endet. Eigentlich.

Meinerzhagen – Als sie am 18. März die MZ aufschlug, traute sie jedoch ihren Augen nicht: Die von der Volksbank angekündigte Schließung der SB-Filiale an der Mühlenbergstraße traf Voß wie ein Schlag. Denn sie selbst ist Vermieterin der Räume – und nicht nur von der Ankündigung, sondern auch vom Grund der Schließung überrascht.

„Keine Ankündigung“

Während die Volksbank in einer Pressemitteilung von „hohen Fixkosten“ sprach, die einen Weiterbetrieb verhinderten, kann Gisela Voß selbst dieses Argument nicht nachvollziehen. Dass sie eine zu hohe Miete verlangt, weist die Vermieterin von sich – und sie ist auch von der Art und Weise der Kommunikation ihres Mieters überrascht. „Wir hatten das Mietverhältnis in beiderseitigem Einvernehmen zwar immer wieder um nur drei Monate verlängert. Aber nur, weil die Volksbank nicht wusste, welchen Teil der Flächen sie künftig nutzen wollte“, erklärt die Vermieterin im Gespräch mit der MZ. „Unter anderem sagte man mir, dass ein Termin mit dem Architekten kurzfristig pandemiebedingt abgesagt worden sei, bei dem es um die Weiternutzung gegangen wäre. Dass der Vertrag nun einfach auslaufen soll, war mir in keinster Weise angekündigt worden.“ Erst über die Veröffentlichung in der MZ habe sie von den Plänen erfahren.

Die Volksbank hatte sich vor einigen Jahren bereits an gleicher Stelle – an der Mühlenbergstraße war man seit 1970 ansässig – verkleinert. Im Februar 2017 baute man den Standort von einer vollwertigen in eine SB-Filiale mit Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker und Selbstbedienungsterminal zurück. „Dort waren wir zuletzt mit zwei Mitarbeitern vor Ort, die gut ausgebildet, aber tatsächlich nicht ausgelastet waren“, hatte Volksbank-Vorstand Roland Krebs damals erklärt. Zu selten habe es Service-Bedarf jenseits der Selbstbedienung gegeben – auch nicht von älteren Kunden, etwa aus dem nahe gelegenen Wilhelm-Langemann-Haus. Die werden nun auf die 600 Meter entfernte Volksbank-Hauptstelle an der Hauptstraße verwiesen. Man habe sich zwar intensiv um mögliche alternative Standorte bemüht, letztlich seien aber alle Vorschläge „seitens möglicher Partner oder Vermieter“ abgelehnt worden, hieß es im Zuge der Filialschließung vom Geldinstitut.

„Nicht zu viel Miete verlangt“

Gisela Voß will diese Darstellung als aktuelle Vermieterin so nicht stehen lassen. „Ich bin der Bank in jeder Hinsicht entgegengekommen“, sagt sie. 350 Euro habe sie bis Ende 2020 als Warmmiete verlangt. Erst ab Januar 2021 habe sie um eine Anpassung gebeten, die sich letztlich an der Fläche orientierte, die die Bank insgesamt blockierte. „Es hat ja nicht an mir gelegen, dass die Volksbank ihre Planung nicht vorantreibt“, so Voß. Die Volksbank habe zwar nur 35 Quadratmeter genutzt, aber insgesamt etwa 120 Quadratmeter blockiert. Den endgültigen SB-Bereich habe die Bank bis zuletzt nie definitiv dargestellt.

Nicht die Miete, sondern die Stromkosten in Höhe von 320 Euro seien ein Kostentreiber gewesen. „Und die kann ich nicht einfach übernehmen, wenn der Mieter keinerlei Einsparungen etwa durch LED-Technik oder Zeitschaltuhren umsetzen will“, sagt die Vermieterin. In der Filiale sei 24 Stunden täglich die Beleuchtung angeschaltet gewesen – mit Leuchtmitteln, die nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprächen. „Zu viel Miete habe ich definitiv nicht verlangt“, betont Gisela Voß, die von der Absage über die Medien enttäuscht ist. „Wenn man mir schon im vergangenen Jahr signalisiert hätte, nicht mehr weiter hier ansässig sein zu wollen, hätte ich seit Sommer 2020 nicht jedes Mal um drei Monate verlängert.“

Keine Angaben zum Vertrag

Die Volksbank indes will sich zu den vertraglichen Vereinbarungen mit der Vermieterin „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht äußern, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Inhalte seien jedoch einvernehmlich zwischen den Parteien abgestimmt gewesen. „Grundsätzlich“, so heißt es in der schriftlichen Stellungnahme weiter, „zeigte sich die Kommunikation leider über die letzten Jahre hinweg als äußerst schwierig“. Zum Vorwurf von Gisela Voß, dass die Bank lange Zeit eine der beiden Teilflächen für eine langfristige Nutzung in Betracht gezogen hätte, ohne die gesamten 120 Quadratmeter zu blockieren, äußerte sich das Geldinstitut auf Anfrage nicht. Zur Schließung hätten letztlich nicht nur die „turnusmäßigen Nutzungs- und Gefährdungsanalysen aller Standorte der Volksbank in Südwestfalen“ geführt, sondern auch die Nutzungsquoten. Die Volksbank erneuerte dabei den Hinweis auf die „Nähe zu anderen Standorten im Geschäftsgebiet“, durch die die Kundenversorgung weiterhin sichergestellt sei. Dennoch suche man weiterhin nach einem alternativen, geeigneten Standort für ein Angebot. Welcher Art dieses Angebot sein könnte – ob es sich dabei erneut um eine SB-Filiale oder zum Beispiel nur um einen Geldautomaten handeln könnte – ließ die Volksbank am Dienstag offen.

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