Haus im Park verbunden mit der Ortsgeschichte

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Die Villa im Park soll im Rahmen des Regionale-Projekts „Oben an der Volme“ zu einem kulturellen Treffpunkt gemacht werden. Schon jetzt wird das mit der Ortsgeschichte eng verbundene Gebäude für verschiedene Veranstaltungen genutzt. ▪

MEINERZHAGEN ▪ In der Meinerzhagener Zeitung vom 3. September berichtete Ortsheimatpfleger Chris Riederer, dass jetzt die Räumlichkeiten der Villa Schmiemicke durch den Eigentümer Holger Weyland der Stadt Meinerzhagen für die Belange der Ortsgeschichte zur Verfügung gestellt worden sind. Wie schön, denn seit Jahrhunderten ist kein anderes Haus so eng mit der Geschichte der Verwaltung der Gemeinde verbunden wie diese Villa. Die Villa Schmiemicke wurde 1716 von dem letzten Richter Dr. Johann Caspar Wever errichtet und war seitdem zugleich dessen Dienstsitz, dem Richter oblag traditionell zugleich die allgemeine Verwaltung der Gemeinde.

Schon seit dem 16. Jahrhundert stellte die Familie Wever den hiesigen Richter. Das war zunächst Peter Wever I. (1571 bis 1618), einer der hiesigen Reformatoren (1573). Dessen Erinnerung wird heute noch von der Meinerzhagener Schützengesellschaft bewahrt, weil er 1573 als Oberst die Meinerzhagener Schützen auf dem denkwürdigen Schützenfest in Olpe angeführt hat. Dessen Nachfolger war Richter Peter Wever II., der von 1619 bis 1671 amtierte. Ihm verdanken wir vor allem die Kenntnis der Reformationsgeschichte und der Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges; er war der erste Chronist der Gemeinde.

Von dem Richter Peter Wever III. (ab 1671) ist, als Glasmalerei, ein dekoratives buntes Wappenbild erhalten.

Von Richter Peter Wever IV. (gestorben 1714) gibt es noch zahlreiche Dokumente, unter anderem eine Liste der hier tätig gewesenen Pastoren und Vikare. Dessen Sohn war der bereits erwähnte Richter Dr. Johann Caspar Wever (1714 bis 1753). Seit 1571 entstammten also alle Richter der Familie Wever – bis 1753 König Friedrich der Große die Justiz von der Verwaltung trennte. Der traditionsreiche Familienverband Wever besteht – deutschlandweit – noch heute.

Der Gemeindeverwaltung waren lange auch Mitglieder der Familie Weyland beruflich verbunden. Johann Theodor Weyland gehörte zu der Delegation, die nach Berlin entsandt wurde, um für Meinerzhagen die Stadtrechte zu erlangen. 1765 erklärte König Friedrich der Große Meinerzhagen zur Stadt. Weyland amtierte dann als Stadtschreiber, auch als Acciseeinnehmer, schließlich als Postmeister. 1788 wurde ihm das „Amt des regierenden Bürgermeisters“ übertragen, das er bis zur Franzosenzeit, 1807, ausübte. Johann Theodor starb 1810.

Er hatte das Glück gehabt, einen gleichfalls überaus tüchtigen und erfolgreichen Schwiegersohn zu bekommen: Dr. Johann Christoph Friedrich Bährens. Dessen berühmtes Königliches Pädagogium war 1786 bis 1789 in der Villa Schmiemicke untergebracht.

Der Sohn Johann Theodors, Johann Heinrich Theodor Weyland, übernahm das Postamt und war auch eine Zeit lang Amtmann der Gemeinde. Er starb 1874.

Dessen Sohn Friedrich August Weyland hatte von ihm schon vorher das Postamt übertragen bekommen, zeitweise auch das des Gemeindevorstehers, verschied aber schon zwei Jahre vor dem Vater. Das Postwesen war nach alledem über 100 Jahre von der Familie Weyland geprägt.

Zu erwähnen ist noch Johann Gustav, 1837 als Sohn der Eheleute Johann Heinrich Weyland geboren. Nach dem Studium des Bergfachs avancierte er schließlich zum Geheimen Kommerzienrat in der Bergbaustadt Siegen. 1877 hatte er von der Familie Wever die „Villa Schmiemicke“ erworben, sie 1888 teilweise abgerissen, aber „unter Wahrung der Formen“ wieder aufgebaut. So glänzt sie noch heute. Das ist der Tatbestand – der Nimbus der Villa Schmiemicke bleibt.

Weitere Einzelheiten zur Villa Schmiemicke und zu den beiden Familien hat der Autor Dr. Manfred Luda auch in seinem Buch „Meinerzhagen einst“ (1987) veröffentlicht.

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