Unfallfahrer kommen meistens aus Oberberg

Polizeihauptkommissar Jens Naumann und seine Kollegen setzen bei Niederbadinghagen auf modernste Messtechnik. -   Fotos: Beil

MEINERZHAGEN -  Dass es auf der Landstraße 323 zwischen dem Kreisverkehr an der Trotzenburg und der Grenze zum Oberbergischen Kreis in den vergangenen dreieinhalb Jahren keine Verkehrstoten zu beklagen gab, ist wohl zu einem guten Teil auf Glück zurückzuführen.

Von Jürgen Beil

Damit das so bleibt, wird aber auch die Polizei hier schon seit langer Zeit aktiv.

Polizeihauptkommissar Jens Naumann hat sich genau mit diesem Streckenabschnitt befasst, der besonders kurz hinter Niederbadinghagen als „Unfallhäufungsstelle“ gilt – und das trotz strenger Geschwindigkeitsbegrenzungen. Naumann erläutert: „In den Aggerkurven gilt Tempo 40, bis Niederbadinghagen ist die Begrenzung dann aufgehoben. Dann folgt ein etwa 400 Meter langes Teilstück, auf dem bei Nässe 40 km/h gilt, ansonsten 60 km/h.“

Der Bereich kurz hinter der kleinen Ortschaft – aus Richtung Meinerzhagen gesehen – bereitet den Ordnungshütern zurzeit die größten Sorgen. Und deshalb hatte die Polizei genau hier zu einer Pressekonferenz gebeten. Zunächst hatte Naumann die statistischen Werte der vergangenen 42 Monate parat. Danach ereigneten sich auf dem gesamten Streckenabschnitt bis zur Kreisgrenze 43 Unfälle, von denen 13 von Fahrern aus dem Märkischen Kreis und 25 von Oberbergern verursacht wurden. Der Rest geht auf das Konto Auswärtiger. An der Unfallhäufungsstelle bei Niederbadinghagen wurden 13 Verkehrsunfälle registriert. Zwei davon verursachten Fahrer mit MK-Kennzeichen, elfmal waren Oberberger die Schuldigen. In allen 13 Fällen notierte die Polizei „nicht angepasste Geschwindigkeit“ in den Unfallbericht.

Genau diese Tatsache nimmt die „Polizeidirektion Verkehr“ in Lüdenscheid nun verstärkt zum Anlass, bei Niederbadinghagen immer wieder Tempo-Kontrollen durchzuführen. Dabei setzen die Beamten modernste Technik ein. Aus Sicht der unverbesserlichen Raser könnte das fatal sein. Denn: Bei der verwendeten Lichtschranken-Technik ist kein Polizeiauto in der Nähe der Messstelle zu sehen, nur einige unauffällige Kästen sind am Straßenrand aufgestellt – und zwar in beide Richtungen, in die auch gleichzeitig gemessen werden kann. Sogar Motorräder werden so erfasst. „Wir fotografieren einfach hinter ihnen her, so dass wir auch das Kennzeichen bekommen“, erläutert Naumann.

Woran es liegt, dass weit mehr Oberberger als Märker Unfälle verursachen, weiß auch Naumann allerdings nicht genau. Er kann nur mutmaßen: „Einerseits ist diese Strecke Zubringer zur Autobahn 45, andererseits ist Otto Fuchs sicherlich ein großer Arbeitgeber.“

In den Aggerkurven selbst herrscht laut Naumann seit einiger Zeit Ruhe, auch Motorräder würden hier kaum noch auffällig: „Wir haben dort die Leitplanken verlängert, um den Zuschauern der früheren illegalen Motorradrennen den Platz zu nehmen. Außerdem wurde eine doppelte Mittellinie aufgebracht und diese auch noch mit so genannten Bischofsmützen versehen. Seitdem ist es ruhiger.“

Dass gerade die Raser unter den Motorradfahrern durch solche Maßnahmen nur verdrängt werden, ist aber auch Naumann klar: „Große Sorgen bereitet uns jetzt die Landstraße 707 von Valbert Richtung Nordhelle. Hier stellen wir eine Unfallhäufung fest. Sollte sich die Situation dort verschlimmern, könnte vielleicht sogar über eine Sperrung der Straße für Motorräder nachgedacht werden.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare