Buchen gehören auf die „Intensivstation“

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Auch die Eichen sind von der so genannten „Komplexkrankheit“ betroffen. Schädigende Umwelteinflüsse können die Krankheit auslösen, zum Beispiel saurer Regen und Stickstoffeinträge.

Meinerzhagen - Eichen und Buchen „schwächeln“, den Kiefern geht es besser. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich der Zustand des heimischen Waldes bringen. Zwar sind die „Patienten“, denen es am schlechtesten geht, im Forst rund um Meinerzhagen keineswegs in der Überzahl, dennoch gibt es Grund zur Sorge.

Von Jürgen Beil

„Eichen und Buchen sind bei uns massiv von der so genannten Komplexkrankheit betroffen“, weiß Klaus Lomnitz, Chef des Forstamtes in Olpe. Er bezieht bei dieser „Diagnose“ auch den Staatsforst rund um Meinerzhagen ein. Schädigende Umwelteinflüsse können die Krankheit auslösen. „Saurer Regen und Stickstoffeinträge“, führt Lomnitz als Beispiele an. „Dadurch wird das Immunsystem der Bäume geschädigt. Das ist nicht gut, denn Schädlinge wie Käfer sind auf geschwächte Bäume angewiesen“, erklärt Lomnitz.

Auch der Waldzustandsbericht des Landes für das Jahr 2014 bestätigt die Beobachtungen der Forstexperten vor Ort: „Gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt und dem letzten Untersuchungsjahr ist der Wald- beziehungsweise Kronenzustand deutlich schlechter geworden. Er zeigt für das Untersuchungsjahr 2013/2014 die höchste bisher untersuchte Kronenverlichtung bei den Waldbäumen. Zu diesem Zustand trägt hauptsächlich der schlechte Zustand der Buchen bei“, wird berichtet.

Zu sehen ist das oft schon mit dem bloßen Auge: Die Blattverluste im Sommer sind hoch, die Buchenkronen sind lichter geworden. Laut Waldzustandbericht ist die „Verlichtung“ der Buchenkronen in NRW im Schnitt von 26 auf 55 Prozent gestiegen. Gründe für diese Negativentwicklung sind in der Bilanz des Umweltministeriums nachzulesen: „Die Buchen haben in diesem Jahr – mit lokalen Unterschieden – außerordentlich viele Bucheckern ausgebildet. Dadurch werden weniger und oft kleinere Blätter produziert und die Blattanzahl und -masse nimmt stark ab. Eine zusätzliche Belastung war diesmal das besonders starke Auftreten des Buchenspringrüsslers.“

Die Baumart, die die geringste Kronenverlichtung aufweist, ist die Kiefer. „Ihr Zustand hat sich leicht verbessert – anders als der der Fichte. Im Laufe der letzten drei Jahr nahm deren Benadelung schrittweise ab“, berichten die Statistiker aus dem zuständigen NRW-Ministerium.

Auch das Wetter spielt übrigens eine Rolle, was den Zustand des heimischen Waldes angeht. Ein trockener Winter – wie der im Jahr 2013/14 – ist nicht gut für die Vegetation: „Es ist davon auszugehen, dass die Fichten bereits im April unter Trockenstress litten“, heißt es. Und nicht zuletzt waren die Witterungsbedingungen sehr günstig für Schädlingen – und die lieben bekanntlich auch geschwächte Buchen.

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