Viele gute Ideen in Sachen „Onkel Toms Hütte“

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Thomas Berg hofft, dass er „Onkel Toms Hütte“ wieder mit Leben füllen kann.

GROTEWIESE ▪ Für die meisten Valberter ist Onkel Toms Hütte nicht nur ein Roman von Harriet Beecher-Stowe. Es ist auch ein altes Gebäude in Grotewiese. Dort steht es an der Landstraße L 539 nach Attendorn und bietet mit seinem maroden baulichen Zustand ein trauriges Bild am Ortseingang des Ebbedorfes.

Im Jahre 1883 wurde der Hauptteil des Gebäudes errichtet. Seine Bestimmung: Gaststätte und Pension. Die in den Jahren 1886 und 1909 hinzugekommenen Gebäudeteile wurden im Wechsel als Wohnung und Pensionszimmer genutzt.

Erst im Jahr 1974, nachdem das Gebäude einen erneuten Besitzerwechsel hinter sich hatte, erhielt es vom damaligen Betreiber der Gaststätte den Namen „Onkel Toms Hütte“. Bis zum erneuten Verkauf 1990 war die „Hütte“ ein beliebtes Lokal, welches gerne auch von Motorradfahren und Touristen auf dem Weg zum Biggesee und zurück genutzt wurde.

Wechselvoll waren die letzten zehn Jahre der Hütte. Mehrere Eigentümerwechsel, zeitweise Nutzung als inoffizielles Bordell und immer wieder Leerstand und ein stetiger Verfall des Gebäudes.

Vor etwa zwei Jahren entschloss sich der heute 30- jährige Drolshagener Thomas Berg, das Gebäude zu kaufen. In seinem Kopf hatte er zu diesem Zeitpunkt eine Vielzahl von Ideen für die Nutzung des Traditionsobjektes.

Einzig bei der Prüfung der baurechtlichen Formalien, dürfte Berg etwas zu blauäugig gewesen sein. „Ich bin nicht richtig über die rechtlichen Möglichkeiten zum Umbau und der Nutzung des Gebäudes vom Voreigentümer unterrichtet worden“, so Berg im Gespräch mit der MZ.

Hinsichtlich der Umsetzung seiner Ideen war der Drolshagener akribischer vorgegangen. Nicole Bicher, Studentin der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, hat in einer Diplomarbeit die Vorstellungen von Thomas Berg ausgearbeitet und um ihre eigenen Ideen ergänzt. Auf 145 Seiten, angereichert mit vielen Bildern und Planskizzen, zeigt sie den Istzustand auf und stellt plastisch dar, was aus und in Onkel Toms Hütte zu machen wäre.

„Dass der visionäre Teil der Arbeit bei seiner Umsetzung auf massive, rechtliche Probleme stößt, macht mich sehr betrübt“, erklärt Thomas Berg.

In Gesprächen mit dem Bauamt der Stadt Meinerzhagen und der Genehmigungsbehörde des Märkischen Kreises erfuhr er die Gründe seiner Betrübnis.

Da das Gebäude seit über drei Jahren nicht mehr genutzt wurde, ist der baurechtliche Bestandsschutz des Gebäudes verwirkt. Wegen seiner Lage im Außenbereich – also ohne planungsrechtliche Grundlagen eines Bebauungsplanes – kann nach Auffassung der Behörden die angedachte Nutzung nicht erfolgen.

„Wir haben in diesem Verfahren versucht zu helfen, so gut es ging“, erklärte Friedrich Rothaar, von der Stadt. Er wies dabei darauf hin, dass der Kreis Entgegenkommen dahingehend signalisiert habe, dass er maximal zwei Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 250 Quadratmetern Fläche genehmigen könnte. Der übrige Teil des Gebäudes müsste abgebrochen werden. Dieser Abbruch beträfe auch den Fachwerk-Klinkeranbau (früher auch als Turnsaal durch den TV Jahn Grotewiese genutzt) und den ältesten, rechten Gebäudeteil.

Bei Onkel Toms Hütte handelt es sich weder um ein Denkmal, noch ist sie in der Erhaltungssatzung der Stadt Meinerzhagen festgeschrieben. Daher greifen entsprechende Schutzregelungen für den Bestand nicht.

Der Valberter Ortsvorsteher, Fred Oehm hat einen klaren Standpunkt zur Sachlage und äußerte diesen auf Nachfrage der MZ: „Ich befürworte das Vorhaben und würde mich sehr über eine gelungene Sanierung freuen. Das Konzept von Thomas Berg finde ich schlüssig. Das jetzt von der Baubehörde des Märkischen Kreises angeordnete Vorgehen wird meiner Meinung nach dazu führen, dass Onkel Toms Hütte endgültig zur Ruine verkommen muss.“

Chris Riederer ist als Meinerzhagener Ortsheimatpfleger zwar nicht „direkt“ in seiner Funktion betroffen, aber auch er würde sich im Hinblick auf die Verbesserung des Gesamteindrucks in Grotewiese über einen positiven Verfahrensausgang freuen.

„Natürlich müssen auch in diesem Fall die baurechtlichen Vorschriften eingehalten werden, aber manchmal gibt es ja auch Spielräume bei den Entscheidungen, die zu beiderseitig positiven Ergebnissen führen“, so der Ortsheimatpfleger.

Die formellen Voraussetzungen für den Fortgang des Verfahrens sind mit einer Bauvoranfrage, die Thomas Berg Anfang des Jahres gestellt hat, angestoßen worden.

Der Bau-und Vergabeaussschuss der Stadt Meinerzhagen hat dieser einstimmig zugestimmt. Die letztendliche Entscheidung trifft der Märkische Kreis, mit dem Thomas Berg weiterhin in Gesprächen zur Lösungsfindung steht. ▪ jjh

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