Viele Fragen nach der Pleite der Hellerforth-Gruppe

An der Mozartstraße in Meinerzhagen gehören zwei Hochhäuser zum Eigentum der insolventen Hellerforth-Gruppe. Anders als in Lüdenscheid hatte es für die hier betroffenen Mieter bislang keine gravierenden Probleme gegeben. ▪

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ Die Pleite des Lüdenscheider Bauträger- und Immobilienunternehmens Hellerforth hat Auswirkungen auf den heimischen Raum. Denn auch in Meinerzhagen und Kierspe gibt es zahlreiche Immobilien der Firma.

Der 76-jährige Chef der insolventen Firmengruppe, Horst Hellerforth, der seit vielen Jahren in der ehemaligen Backhaus-Villa in Kierspe wohnt, hatte sich in der Vergangenheit auch in den beiden Volmestädten stark im Wohnungsbau sowie im gewerblichen Immobilienbereich engagiert.

Nach überschlägiger Schätzung dürften aktuell mehr als 100 Mietparteien sowie mehrere gewerbliche Nutzer in Meinerzhagen und Kierspe von der Insolvenz direkt und mittelbar betroffen sein.

In Meinerzhagen dokumentiert der erkennbare Verfall einer großen Gewerbeimmobilie sinnbildlich auch den Niedergang der Hellerforth-Gruppe: Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Detmers zwischen Fröbelstraße und Siepener Weg stehen von Hellerforth projektierte Neubauten, wie der ehemalige Aldi-Markt mit weiterem Ladenlokal und ein einstiger Backshop schon seit längerem ungenutzt leer. Auch im Bereich der noch vorhandenen, umgenutzten alten Firmengebäude gibt es größeren Leerstand. Was jetzt aus Plänen für dieses Areal wird, die hier unter anderem die Neuansiedlung eines Discounters vorsah, ist ungewiss. Die Stadt Meinerzhagen hatte aus Sorge um eine womöglich in Bezug auf die Innenstadt unverträgliche Entwicklung in diesem Bereich die Änderung des geltenden Bebauungsplans auf den Weg gebracht.

Lesen Sie auch: Hellerforth-Gruppe im Insolvenzverfahren

Fachbereichsleiter Jürgen Tischbiereck zeigte sich gegenüber der MZ überrascht über die aktuelle Entwicklung bei Hellerforth als dem Eigentümer der Flächen. „Wir müssen abwarten, was es nun im Rahmen des Insolvenzverfahrens hier für eine Entwicklung gibt“, erklärte er. Die Stadt werde auf jeden Fall ihr Bauleitplanverfahren fortführen, kündigte er an.

In Kierspe gibt es gewerbliche Hellerforth-Immobilien an der Volmestraße, die zurzeit weitgehend vermietet sind. Es handelt sich hier um die Flächen, wo sich unter anderem ein Getränkemarkt und der Raiffeisenmarkt befinden.

Zwei der größten Mietwohnungseinheiten von Hellerforth liegen an der Mozartstraße in Meinerzhagen. Dort hatte das Immobilienunternehmen zwei der drei Hochhäuser der Meinerzhagener Baugesellschaft abgekauft und diese weiter vermarktet. Allein hier gibt es rund 60 Mieter. Anders als in Lüdenscheid, wo in der vergangenen Woche noch vor der Insolvenz rund 30 Mietparteien durch die vorübergehende Abschaltung von Strom, Wasser und Gas massiv betroffen waren, hatte es nach Recherchen der MZ in Meinerzhagen derartige Probleme nicht gegeben. Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Berkenkopf auf Anfrage bestätigte, waren bei seinem Unternehmen keine Zahlungsrückstände aufgetreten. Grund für die Misere in Lüdenscheid war offenbar, dass einige Bankinstitute die Bruttomieterträge vollständig einbehalten hatten. Die von den Mietern mit der Miete einbezahlten Beträge für die Versorgungsunternehmen waren bei den Energielieferanten nicht angekommen. Die klemmten schließlich die Versorgung ab.

Wolfgang Opitz, Vorstand der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, die eine von mehreren Gläubiger-Banken der Hellerforth-Gruppe ist, betonte gegenüber der MZ, dass sein Institut so nicht verfahren habe. Man habe strikt getrennt nach Miete und Nebenkosten, so dass in diesem Bereich kein Mieter nachteilig betroffen worden sei.

Mit Blick auf die künftige Entwicklung kündigte Opitz an, dass man sich auch in enger Abstimmung mit den beiden Städten und den heimischen Wohnungsbauunternehmen, hier insbesondere auch der Meinerzhagener Baugesellschaft, um für alle Betroffene möglichst verträgliche Lösungen bemühen wolle. Man stehe dazu auch in engem Kontakt mit dem eingesetzten Insolvenzverwalter. „Was wir auf jeden Fall verhindern möchten, ist die Übernahme von Immobilien durch auswärtige Fonds oder andere Spekulanten, durch die am Ende die Interessen der Mieter auf der Strecke bleiben könnten“, so Opitz.

Das zuständige Insolvenzgericht in Hagen hatte durch Beschluss vom vergangenen Donnerstag das Insolvenzeröffnungsverfahren für die Horst Hellerforth GmbH & Co. KG sowie zwei weitere Unternehmen der Firmengruppe eingeleitet. Eine Privat-Insolvenz des Firmenchefs gibt es nicht. Horst Hellerforth hat sich öffentlich bislang nicht geäußert. ▪ -fe

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare