Aus nach 42 Jahren: CDU gibt Kinderstube auf

Der spätere Kanzler Helmut Kohl, damals „nur“ CDU-Bundesvorsitzender, überreichte Dr. Manfred Luda, Bernd Schulte und Brunhild Rosemeier bei seinem Besuch in Meinerzhagen eine Kaffeemaschine für Kinderstube und Sozialstation. - Archivfoto: CDU Meinerzhagen

Meinerzhagen - 42 Jahre lang war sie ein sicherer Anker für junge Familien in Meinerzhagen – und sie war bei ihrer Gründung ihrer Zeit voraus. Ende Februar endet die Tradition der CDU-Kinderstube allerdings. Der Ortsvereinsvorsitzende Thorsten Stracke und Saskia Jarosch-Rasche, Vorsitzende des Trägervereins, kündigten nun schweren Herzens das Aus der Einrichtung an.

„Die Kinderstube entstand 1975 aus der Idee, auch Eltern von Kindern unter drei Jahren ein Betreuungsangebot zu schaffen“, erinnert Thorsten Stracke an die Ursprünge der Institution an der Hauptstraße 29. Der Umzug in die heutigen Räume an der Derschlager Straße erfolgte erst 2012.

Bis zu jenem denkwürdigen 28. Februar 1975 nahmen Kindergärten lediglich Mädchen und Jungen ab drei Jahren auf. Eltern jüngerer Kinder, die Besorgungen erledigen mussten oder einen Arztbesuch nicht aufschieben konnten, hatten bis dahin in Meinerzhagen nur zwei Möglichkeiten: das Kind zu den Terminen mitnehmen oder Verwandte und Freunde als Betreuer akquirieren. Die sogenannte U3-Betreuung, heute in jeder Kommune ein Pflichtangebot, war damals Neuland, das Projekt der CDU in Meinerzhagen besaß Modellcharakter in ganz Deutschland. Und das sprach sich herum: Anfang März 1975 besuchte der Präsident des Landtages von Nordrhein-Westfalen, Dr. Wilhelm Lenz, die kurz zuvor eröffnete Einrichtung. Und selbst ein Mitbringsel des damaligen CDU-Bundesvorsitzenden Helmut Kohl gehörte jahrzehntelang zur Ausstattung der Kinderstube: Kohl stattete Meinerzhagen vor fast 42 Jahren aus Anlass der neuen CDU-Sozialstation einen Besuch ab und überreichte ein nützliches Utensil: eine Kaffeemaschine. „Die haben wir jahrelang genutzt“, erinnert sich Ingrid Stasch, die viele Jahre lang Vorsitzende des Vereins „Kinder- und Jugendbetreuung“ war, der als Träger der Kinderstube fungiert.

Stasch erinnert sich gerne an die erfolgreichen Jahre der Kinderstube, die nicht zuletzt von Mit-Initiator Dr. Manfred Luda, aber auch Irmhild Hütsch, Brunhild Rosemeier, Waltraud Halbach und später auch Astrid Schneider geprägt wurden. „Und auch die Firma Fuchs hat uns als großes Unternehmen damals gerne unterstützt“, erinnert sich Ingrid Stasch. „Man hatte viele Jungingenieure aus dem ganzen Land nach Meinerzhagen geholt. Aber auf Verwandte für die Betreuung der kleinen Kinder konnten die Mütter hier nicht zurückgreifen. Da war die Kinderstube ein gern genutztes Angebot“, erzählt Stasch.

„Flexibilität war unsere Stärke“

Ein Ersatz für Kindergarten oder Kindertagesstätte wollte und konnte die Kinderstube indes nie sein. Ihr Ziel war die zeitweise und bedarfsgerechte Betreuung. „Das war unsere Stärke“, sagen sowohl Ingrid Stasch als auch Saskia Jarosch-Rasche, die dem Trägerverein heute vorsteht. Im Gespräch mit der MZ erläutert sie aber auch eine eindeutige Entwicklung, die nun Konsequenzen hat. „Nachdem inzwischen die sogenannte U3-Betreuung mit Plätzen auch für die Jüngsten gesetzlich verankert ist, wird die Kinderstube nur noch von wenigen Familien und sehr unregelmäßig in Anspruch genommen.“ So sei der Grund für die Schließung der Kinderstube letztlich ein positiver, schließlich ist die Betreuungslandschaft in Meinerzhagen mit ausreichenden Plätzen für alle Kinder bis zum Grundschulalter so gut ausgebaut worden, dass das Angebot der Kinderstube letztlich überflüssig geworden sei.

„Mit Wehmut und mit Freude über das Erreichte“ schaut CDU-Ortsunionsvorsitzender Thorsten Stracke auf die Geschichte der Kinderstube zurück. Ebenso wie Saskia Jarosch-Rasche dankt er allen, die die Arbeit vor Ort mit Rat und Tat sowie finanziell unterstützt haben. Man ziehe nun nur schweren Herzens die Reißleine. „Wir können es nicht weiter stemmen. Die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen ist einfach zu groß.“ Die Betreuung in der Kinderstube erfolgte stets durch professionelle Erzieherinnen, zuletzt von Bärbel Weyland.

Mit der Aufgabe der Kinderstube sucht die Ortsunion nun auch eine neue Bleibe für ihre Geschäftsstelle. Die Räume an der Derschlager Straße seien allein für ein Büro schlichtweg überdimensioniert. „Es wird aber eine adäquate Nachfolgeregelung geben“, sagt Thorsten Stracke.

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