Beim nächsten Stolperstein zählt jeder Millimeter

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Die Mitglieder der Initiative „Stolpersteine Meinerzhagen“ trafen sich am Donnerstagabend, um den Besuch von Eva Lee, geborene Fischbach, vorzubereiten.

Meinerzhagen - Ob es nun Zufall oder Schicksal war, weiß Rolf Janßen von der Initiative „Stolpersteine Meinerzhagen“ wohl selbst nicht zu sagen. Fest steht aber, dass die nächste Verlegung der Stolpersteine so nicht geplant war: Am Montag, 17. November, soll im Rahmen eines kleinen Festaktes der verfolgten Familie Fischbach gedacht werden, die bis zu ihrer Flucht 1938 im Haus Derschlager Straße 11 wohnte. Das Besondere: Es wird Millimeterarbeit notwendig sein, denn die Verlegung erfolgt auf dem Nachbargrundstück.

Von Frank Zacharias

Eine Lösung, mit der bis zum vorvergangenen Sonntag keiner der heimischen Stolperstein-Initiatoren gerechnet hätte. „Das erste Ziel war natürlich, den Besitzer des Hauses Nummer 11 von der Verlegung auf seinem Grundstück zu überzeugen“, erklärt Mitinitiator Rolf Janßen. Doch bislang blieb diese Bemühung ohne Erfolg. Als die Meinerzhagener Akteure nun allerdings erfuhren, dass das einzige noch lebende Familienmitglied der Fischbachs, Eva, im November nach Deutschland kommt, wollten sie diese Gelegenheit nutzen, um die heute 84-Jährige auch an die Volme einzuladen – und aus diesem Anlass Stolpersteine zu verlegen. Ursprünglich wollte Eva Fischbach, seit 1953 verheiratete Lee, am 15. und 16. November lediglich Herdecke besuchen, um dort auf Einladung der Stadt an der Ruhr ihrer dort einst ermordeten Angehörigen zu gedenken.

Ohne Einwilligung des Hausbesitzers kam zunächst der Vorschlag einer „symbolische Verlegung“ in Anwesenheit Eva Lees im Gemeindehaus am Inselweg. Dann die Überraschung: Ein spontaner Besuch Rolf Janßens bei der Nachbarin des einstigen Fischbach-Hauses ergab, dass diese seit zehn Jahren in Briefkontakt zu Eva Lee steht, von deren Besuch in Deutschland also bereits wusste. „Sie hat umgehend angeboten, ihr eigenes Grundstück für die Stolperstein-Verlegung zur Verfügung zu stellen“, so Janßen. Und diese Verlegung findet nun am 17. November, 16 Uhr, vor dem Haus Derschlager Straße 9 statt (Rückseite Krummicker Weg).

Allerdings wissen die Initiatoren um die Brisanz dieser Verlegung. Um eine juristische Auseinandersetzung mit dem Inhaber des Nachbargrundstücks auszuschließen, wurde ein amtlich bestellter Vermesser mit der Prüfung des Verlegeortes beauftragt. „Die Kosten dafür übernimmt natürlich die Initiative, um der Grundstücksbesitzerin, die uns diese Verlegung ermöglicht, Sicherheit zu bieten“, erklärt Rolf Janßen. Denn die Nähe zum einstigen Wohnort der Familie Fischbach erfordert Millimeter-Arbeit: Die Steine sollen möglichst nah an der Grundstücksgrenze verlegt werden, und zwar so, dass der Betrachter beim Lesen der Inschriften auf das Haus Nummer 11 schaut.

Verlegt werden sollen am 17. November ab 16 Uhr Stolpersteine für Eva Lees Eltern Julius (1892-1984) und Hedwig Fischbach (1902-2000) sowie ihren Bruder Eugen Fischbach, der bereits 1976 im Alter von nur 49 Jahren verstarb. Zur Verlegung wird unter anderem die Gruppe „Among Friends“ spielen, mitwirken werden außerdem Schüler des Evangelischen Gymnasiums sowie der Grundschule „Auf der Wahr“. Im Anschluss an die Verlegung findet ein Kaffeetrinken mit den Gästen aus den USA im Gemeindezentrum am Inselweg statt.

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