Richter verhängt Geldstrafe und Führerschein-Sperre

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Vor dem Amtsgericht Meinerzhagen wurde gegen den 40-Jährigen verhandelt.

Meinerzhagen – Es war ein langer Prozess mit sechs Zeugen, an dessen Ende Aussage gegen Aussage stand.

Während der Verteidiger im Amtsgericht Meinerzhagen einen Freispruch für seinen Mandanten forderte, verurteilte der Richter den 40-jährigen Hartz-IV-Empfänger wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 1125 Euro Geldstrafe und verhängte eine neunmonatige Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis. 

Was hatte der Mann getan? Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, am Mittag des 28. August vergangenen Jahres mit seinem Auto auf der Straße Auf dem Felde in Meinerzhagen unterwegs gewesen zu sein. Hätte der Mann eine Fahrerlaubnis gehabt, wäre auch alles in Ordnung gewesen. Doch genau die hatte er vor etwa 17 Jahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verloren und seither auch nicht wiederbekommen. Damit handelte es sich am Tattag um eine verbotene Fahrt.

Der Angeklagte erklärte, das Auto sei zwar auf ihn zugelassen, fahren würde es allerdings ausschließlich seine Frau. Am 27. August, also einen Tag vor der Tat, seien seine Frau, sein Kind und er Auf dem Felde zu Besuch gewesen. Da es seiner Frau plötzlich schlecht gegangen sei, hätte ein Freund des Gastgebers sie nach Hause gefahren. Seine Frau sei ins Krankenhaus gekommen, weshalb das Auto mindestens zwei Wochen Auf dem Felde gestanden habe. Da er ja keine Fahrerlaubnis habe, sei er immer nur mit dem Fahrrad gefahren. Das Auto habe er weder am 27. noch am 28. August bewegt. 

Dem widersprachen zwei Nachbarn des Gastgebers. Sie gaben an, genau gesehen zu haben, wie der Angeklagte am 28. mit dem Wagen gefahren sei. Sie sei bei ihrem Nachbarn gewesen, weil ihr Hund nur bei ihm etwas trinke, gab eine 71-Jährige an. Als sie sich mit ihrem Vierbeiner auf der Wiese vor dem Haus befunden habe, sei der Angeklagte mit dem Auto an ihr vorbei gefahren. Sie sei ganz sicher, dass es der 40-Jährige war.

Der zweite Augenzeuge gab an, das Auto des Angeklagten habe nicht über Nacht Auf dem Felde gestanden. Vielmehr sei der Meinerzhagener damit am 28. August gekommen. Ein Freund des Gastgebers erklärte hingegen, dass der Gastgeber ihn angerufen und gebeten hätte, die ganze Familie des Angeklagten nach Hause zu fahren, weil sich die Frau nicht gut gefühlt habe. Das habe er auch getan. Das Auto sei Auf dem Felde geblieben. 

Zwei weitere Zeugen erklärten, dass der 40-Jährige immer mit dem Fahrrad gefahren sei. Einer von ihnen hatte das Rad am Tattag vor der Tür des Gastgebers gesehen, der Zweite war sich sicher, dass das Auto des Meinerzhageners lange Auf dem Felde gestanden hatte. 

„Die Sache ist nicht so einfach“, fasste die Vertreterin der Staatsanwaltschaft das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen. Sie glaubte letztlich aber ebenso wie der Richter den beiden Augenzeugen, die den Angeklagten beim Fahren beobachtet hatten. „Das war so“, zeigte sich der Richter überzeugt. Es liege nahe, dass die Frau so krank gewesen sei, dass sie nicht habe fahren können. Ohne Auto sei die Familie aufgeschmissen gewesen, weshalb der einschlägig vorbestrafte Angeklagte in die Bresche gesprungen sei.

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