Nachbarschaftsstreit vor Gericht

Meinerzhagen - Nicht zum Abschluss kam am Dienstagvormittag eine Verhandlung vor dem Amtsgericht, in der sich ein 49-jähriger Meinerzhagener dem Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis in 114 Fällen stellen musste. Rahmen des Ganzen bildet offenbar ein erbitterter Streit unter (mittlerweile ehemaligen) Nachbarn.

Aber der Reihe nach: Angeklagt ist der Volmestädter, weil er im Zeitraum zwischen Oktober 2013 und Oktober 2014 ohne Führerschein am Steuer eines Autos und eines Motorrades gesessen haben soll – und das regelmäßig. Ein 36-jähriger Meinerzhagener und eine 28-jährige Meinerzhagenerin waren von Juli 2013 bis Februar 2015 beziehungsweise bis Oktober 2013 Nachbarn des Angeklagten. Sie wollen beobachtet haben, wie er motorisiert unterwegs war und in Einzelfällen auch selbst gefahren sei. Dass der 49-Jährige keine Fahrerlaubnis besitzt, hätten sie erst später erfahren.

Offenkundig wurde vor Gericht, dass der Angeklagte und die beiden Zeugen schon seit geraumer Zeit zerstritten sind. Der vorsitzende Richter und Direktor des Amtsgerichtes Guido Varney sprach von „erheblichen Reibereien und Anzeigen“. 2014 hat der 49-Jährige den 36-Jährigen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt. Der 49-Jährige wiederum wurde wegen Kennzeichenmissbrauchs und Urkundenfälschung angezeigt, verurteilt wurde er aber jeweils nicht. Dafür jedoch wegen Beleidigung der 28-Jährigen. In Folge dessen saß er bis Dienstag in Haft.

Doch zurück zum aktuellen Fall: Der Angeklagte versuchte seine Schuld zu widerlegen, indem er von einem Arbeitsunfall im Oktober 2013 berichtete, bei dem er sich die Kniescheibe brach. Operiert wurde er im Dezember 2013. Auf Varneys Nachfrage berichtete er vom schlechten Heilungsverlauf 2014. Im August 2014 sei er ein weiteres Mal operiert worden. Dass er keinen Führerschein habe, bestätigte der Angeklagte indes. Aber: Das Auto habe seine Lebensgefährtin gefahren, das Motorrad sei zeitweise „komplett zerlegt“ gewesen.

Und doch bleiben neun Tage – sechs im Juli, zwei im August, einer im September – an denen der 49-Jährige laut Zeugen gefahren sein soll. Dafür habe der 36-Jährige der Polizei Beweise in Form von Video, Fotos und SMS zukommen lassen. Irritierend: Als Varney wissen will, ob der Angeklagte auf den Fotos beim Fahren zu sehen sein, antwortet der Zeuge: „Nein, aber auf dem Video.“

Ebenfalls verwunderlich: Die Angabe des 36-Jährigen, dass der Angeklagte ihn und einen weiteren Mann im Dezember 2014 im Auto mitgenommen haben soll. Varney dazu: „Aber da waren sie doch schon wie Hund und Katze. Da gab es doch Polizei-Einsätze Mitte Dezember.“

Wovon die Zeugen ebenfalls Kenntnis haben wollen, ist, dass der Angeklagte mit einer weiteren männlichen Person eine Motorrad-Tour unternommen habe. Varney und Staatsanwalt Desecar gibt Verteidiger Wolf und dem Angeklagten Gelegenheit zur kurzen Rücksprache mit dem Ergebnis, dass der 49-Jährige auch diesen Vorwurf von sich weist. „So kommen wir heute nicht zu einem Ende“, befand Richter Varney und vertagte die Verhandlung Ende Februar. Dann soll der Mann, mit dem der Angeklagte die Motorrad-Tour unternommen haben soll, als Zeuge gehört werden. Den Haftbefehl aus dem vergangenen Jahr wegen der Beleidigung setzte Varney am Dienstag gestern.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare